„Jedes Projekt entspricht den höchsten Standards”

Interview mit Carsten Schüler, Geschäftsführer der Bietigheimer Wohnbau GmbH

Die Bietigheimer Wohnbau GmbH ist eine kommunale Immobiliengesellschaft und wurde 1961 mit dem Ziel gegründet, breite Schichten der Bevölkerung mit Wohnraum zu versorgen. Aufgrund der großen Wohnungsnot in den 1960er-Jahren entstanden sehr viele Plattenbauten. Doch auch während der Ölkrise in den 1970er-Jahren oder in der Immobilienkrise nach der Wiedervereinigung wurde das Unternehmen von der Stadt beauftragt, den Wohnraum zu bauen, den der Markt forderte. Es liegt auf der Hand, dass diese Gebäude inzwischen nach und nach saniert werden müssen. 

Beeindruckende Zahlen 

Die Bietigheimer Wohnbau GmbH beschäftigt 152 Mitarbeiter und hat in den letzten 63 Jahren über 15.000 Wohneinheiten gebaut. Das Unternehmen verwaltet derzeit mehr als 22.000 Wohnungen in Eigentümergemeinschaften sowie rund 1.800 Mietwohnungen. „Der Umsatz liegt aktuell bei circa 71 Millionen EUR, schwankt aber zwischen 60 und 120 Millionen EUR. Diese große Spanne scheint seltsam, hängt aber stark vom Klima am Immobilienmarkt ab”, so Carsten Schüler, Geschäftsführer der Bietigheimer Wohnbau GmbH, der dort 2007 als Leiter des Bauträgergeschäftes und Prokurist anfing. 

Die drei ganz großen Aufgaben 

Die strategische Ausrichtung des Unternehmens geht sowohl nach außen als auch nach innen. „Zu den drei großen Aufgaben, die vor uns liegen, zähle ich den Fachkräftemangel, die Digitalisierung und die Nachhaltigkeit. Vor allem der Fachkräftemangel wird in der Immobilienbranche sehr unterschätzt.

Fakt ist jedoch, dass in den nächsten zehn Jahren 3,2 Millionen Menschen mehr in den Ruhestand gehen werden als nachkommen und aufgrund des Personalmangels nicht ersetzt werden können. Dabei geht es nicht nur um die strategische Aufstellung, sondern auch um das interne Arbeitsklima. Uns ist wichtig, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine gute Führung zu gewährleisten. Nur auf diese Weise können sich alle Mitarbeiter wohlfühlen. Ich möchte, dass die Menschen gern hier arbeiten. Denn jemand, der gern arbeitet, der arbeitet auch gut”, ergänzt Carsten Schüler, der seit 2013 Mitglied der Geschäftsführung und seit 2015 als alleiniger Geschäftsführer tätig ist. 

Stand der Digitalisierung 

In Bezug auf die Digitalisierung ist die Bietigheimer Wohnbau GmbH schon recht weit fortgeschritten. So wird der Rechnungseingang vorkontiert, läuft dann über den digitalen Workflow zu den verschiedenen Sachbearbeitern und wird anschließend automatisch in das SAP-System integriert. Für die Kunden gibt es digitale Kundenportale und auch den sogenannten digitalen Belegordner, in dem die Rechnungsprüfung volldigitalisiert abläuft. „Natürlich haben wir die künstliche Intelligenz ebenfalls im Fokus. So führen wir mit den Abteilungsleitern ein- bis zweimal im Jahr Klausurtagungen durch, um strategische Themen zu besprechen. Dabei geht es aber um die Unterstützung unserer Mitarbeiter und nicht um den Abbau ihrer Arbeitsplätze. Stattdessen werden wir unsere Kollegen schulen, damit sie andere Aufgaben übernehmen können. Die reine Formulierung von Briefen wird in den nächsten Jahren definitiv die KI übernehmen”, erläutert Carsten Schüler. 
 

CO2-Ausstoß minimieren

In puncto Nachhaltigkeit verfolgt die Bietigheimer Wohnbau GmbH das Ziel, den CO2-Ausstoß in den 
Wohnungsbeständen zu minimieren. Das betrifft unter anderem die Art der Beheizung, die Wärmedämmung sowie die jeweiligen Fenster und Lüftungsanlagen. „Diese immensen Kosten möchten wir jedoch nicht auf die Mieter umlegen. Stattdessen müssen wir schauen, welche Fördertöpfe wir noch öffnen können, um diese Herkulesaufgabe bewältigen zu können. Bei unseren Neubauten überlegen wir stattdessen gründlich, welche Baustoffe wir verwenden. So ist Holz zwar ein nachwachsender Rohstoff — doch in unseren Augen ist alles, was lange hält, nachhaltig. Daher experimentieren wir mit sehr vielen Prototypen. So bauen wir gerade ein neues Bürogebäude mit begrünten Fassaden, damit sich die verschiedensten Insekten ansiedeln können. In die Fassaden soll zudem Photovoltaik integriert werden, um den benötigten Strom selbst produzieren zu können”, fügt der Geschäftsführer hinzu. 

Wieder mehr Wohneigentum 

Wie die meisten Mittelständler wird auch die Bietigheimer Wohnbau GmbH von Auflagen und Forderungen massiv ausgebremst. „Der Forderungskatalog und die Bauordnungsauflagen müssten so vereinfacht werden, dass man wieder günstiger und schneller bauen kann. Das Dreieck aus Kosten, Zinsen und Einnahmen sollte in die Richtung gehen, dass die Leute sich wieder ein Wohneigentum wünschen”, erläutert Carsten Schüler. 

Etwas Gutes tun 

Das persönliche Ziel von Carsten Schüler ist, etwas Gutes zu tun. „Wir sind ein soziales Unternehmen und daher nicht auf Gewinnmaximierung ausgelegt. Mein persönlicher Antrieb ist, die Firma so aufzustellen, dass sie auch ohne mich ­—­ falls ich morgen umfalle oder weg bin — fünf oder sechs Jahre weiterlaufen würde. Ich habe Spaß daran, wenn alles gut läuft.”

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