Schöner wohnen in der Pfalz

Interview mit Michael Schäfer, Geschäftsführer der Baugesellschaft Frankenthal (Pfalz) GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schäfer, die Baugesellschaft Frankenthal ist ein Unternehmen mit einer langen Tradition. Seit der Gründung 1918 konzentriert sie sich darauf, günstigen und attraktiven Wohnraum zu schaffen. In einer Zeit, in der Wohnraum knapp ist, eine große Herausforderung. Was ist für Sie heute die zentrale Aufgabe des Unternehmens?

Michael Schäfer: Unsere primäre Aufgabe ist die Schaffung von neuem Wohnraum in Frankenthal. In der Vergangenheit hat man sich eher um Verwaltungsaufgaben gekümmert und das sehr erfolgreich. Jetzt wollen wir stärker in den Wohnungsneubau hinein.

Wirtschaftsforum: Sie sind seit 2019 gemeinsam mit Herr Gierens Geschäftsführer der Baugesellschaft. Was macht für Sie den besonderen Reiz des Unternehmens aus?

Michael Schäfer: 2002 gab es im Unternehmen eine Portfolio-Untersuchung mit dem Ziel, Bestände mit schlechten Entwicklungsperspektiven auszusortieren, solche mit guten Perspektiven zu erhalten und zu verbessern. Damals gab es einen Bestand von 2.400 Wohnungen; über zehn Jahre wurden 1.000 Wohnungen kontinuierlich modernisiert. 2017 war der Prozess abgeschlossen, die Wohnungen absolut zeitgemäß ausgestattet. Das heißt, wir greifen heute auf eine sehr gute Ertragslage zurück und werden in naher Zukunft keine größeren Modernisierungen mehr durchführen müssen. Abgesehen von diesem soliden Bestand, der ein echtes Asset ist, ist die Baugesellschaft dafür bekannt, außergewöhnlich kundenfreundlich zu sein, was mir persönlich sehr wichtig ist. Eine hervorragende Erreichbarkeit und ein hohes Servicelevel sorgen für zufriedene Mieter.

Wirtschaftsforum: Wie lässt sich die Baugesellschaft in Zahlen ausdrücken und wie sieht das Portfolio im Detail aus?

Michael Schäfer: Wir haben hier 20 Mitarbeiter plus zwei Auszubildende. 2019 lag der Umsatz bei 14,6 Millionen EUR, die Bilanzsumme bei 68 Millionen EUR. Die Stadtwerke Heidenheim AG sind mit 63,2% Mehrheitsanteileigner, die Stadt Frankenthal hält 25,1%, die Kreissparkasse Heidenheim 11,7% der Anteile. In erster Linie geht es bei uns um die Vermietung von Wohnungen. Darüber hinaus bieten wir eine Reihe immobilienwirtschaftlicher Dienstleistungen für Dritte an; dazu zählen Nebenkostenabrechnungen, Maklertätigkeiten, Vermietungs- und Instandhaltungsmaßnahmen.

Wirtschaftsforum: Gibt es etwas, das Sie als Ihre persönliche Herausforderung ansehen?

Michael Schäfer: Ich habe im vergangenen Jahr als Geschäftsführer begonnen und noch eine lange Reise vor mir. Wie bereits erwähnt, steht die Schaffung neuen Wohnraums in Frankenthal weit oben auf der Agenda. Auch die digitale Transformation ist für mich ein wichtiges Thema, schließlich wollen wir ein modernes, kundenorientiertes Immobilienunternehmen sein. 2019 haben wir eine digitale Agenda verabschiedet und damit ein klares Zeichen gesetzt. Viele Mieter bevorzugen heute eine digitale Kommunikation, deshalb soll es zum Beispiel digitale Mietverträge geben, der Rechnungseingang soll digitalisiert werden. Die Idee eines papierlosen Büros halten wir für erstrebenswert. Momentan entwickeln wir eine App für Mieter als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit. Wir wollen uns auf jeden Fall mehr in der digitalen Welt bewegen. Das kann nicht von heute auf morgen passieren, sondern ist ein Entwicklungsprozess für alle Beteiligten.

Wirtschaftsforum: Sie haben bereits betont, dass eine ausgesprochene Kundenfreundlichkeit die Unternehmenskultur prägt. Wie wird diese und wie werden andere Unternehmenswerte nach außen getragen?

Michael Schäfer: Durch unser eigenes, geschultes Personal wird Kundenfreundlichkeit hier tatsächlich gelebt. Auch Marketingaktionen stellen einen einheitlichen Marktauftritt mit einer klaren Corporate Identity sicher. Das erleichtert die Kundenkommunikation enorm. Seit 2019 haben wir Marketingmaßnahmen forciert; wir haben Anzeigen in der Presse geschaltet und Messen besucht und sind dabei von der Stadtwerke Heidenheim AG hervorragend unterstützt worden. Hinter all diesen Maßnahmen stecken vor allem hervorragende Mitarbeiter; sie bilden das Fundament, sie müssen Prozesse wollen und mittragen. Wir haben viele langjährige Mitarbeiter – eine Dame ist seit 48 Jahren bei uns –, arbeiten mit flachen Hierarchien und in Teams an Themen wie der digitalen Agenda. Beispielhaft ist auch unsere Jour fixe-Kultur. Auch hier tauschen sich Teams untereinander, aber auch mit der Geschäftsführung aus.

Wirtschaftsforum: Wie beurteilen Sie die momentane Branchenentwicklung?

Michael Schäfer: Wohnraum ist in Deutschland ein sehr knappes Gut; deshalb wird die Projektentwicklung ein künftiger Schwerpunkt sein. Es geht um die Schaffung von neuem Wohnraum und neuen Wohnquartieren mit einer Durchmischung des Mieterklientels. Im innerstädtischen Bereich sollen neue Projekte entwickelt werden, da wo noch Platz ist, oder auch auf alten, brachliegenden Industrieanlagen. In Deutschland wird in dieser Hinsicht viel passieren. Dass dabei Klimaziele einen Schwerpunkt bilden, ist uns sehr wichtig. Wir müssen ökologischer und intelligenter bauen, mit einem gewissen Kfw-Standard. Der Klimawandel in der Immobilienwirtschaft ist neben der Schaffung neuen Wohnraums zentrale Herausforderung der Zukunft. Unterstützt von unseren Gesellschaftern werden wir uns diesen Herausforderungen engagiert stellen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Wo Visionen Altbau treffen

Interview mit Andreas und Lenka Hauzel, Geschäftsführer der Plan Werk GmbH

Wo Visionen Altbau treffen

In vielen europäischen Metropolen trifft Wohnungsknappheit auf einen alternden Gebäudebestand. Gerade in Städten wie München zeigt sich, wie anspruchsvoll die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und städtebaulicher Qualität geworden ist. Die…

Wachstum trotz Baukrise

Interview mit Martin Weihe, Geschäftsführer der Obra Bautenschutz GmbH

Wachstum trotz Baukrise

Dank seines breiten Leistungsportfolios konnte die Obra Bautenschutz GmbH in den letzten Jahren trotz einer rückläufigen Marktentwicklung weiter wachsen und ihr Tätigkeitsspektrum noch umfassender ausbauen: Im Interview mit Wirtschaftsforum verriet…

Vertrauen schaffen im Hoch- und Tiefbau

Interview mit Felix Klingsbigl, Geschäftsführer der Klingsbigl GmbH

Vertrauen schaffen im Hoch- und Tiefbau

Während der Wohnungsbau aufgrund der aktuellen Marktentwicklungen weitgehend brachliegt, kann sich die Klingsbigl GmbH im Industrie- und Tiefbau dank bestehender Rahmenverträge und eines beständigen Investitionsbedarfs ihrer Auftraggeber weiterhin auf eine…

Spannendes aus der Region Frankenthal (Pfalz)

Projektlösungen auf höchstem Niveau

Interview mit Torsten Ussat, Geschäftsführer der BM-Tech GmbH

Projektlösungen auf höchstem Niveau

Die BM-Tech GmbH hat sich als ein führender Anbieter im Bereich der Inbetriebnahme von Maschinen- und Anlagenbau etabliert. Gegründet vor über einem Jahrzehnt, bietet das Unternehmen hoch qualifizierte Ingenieure für…

Kundennah, kompetent, klimabewusst

Interview mit Frank Seifert, Geschäftsführer und Lukas Kühner, Geschäftsführer der Kühner GmbH

Kundennah, kompetent, klimabewusst

Die Kühner GmbH in Winnweiler zählt zu den etablierten Fachbetrieben für Heizungs-, Sanitär-, Klima- und regenerative Energietechnik in der Westpfalz. Das 1966 gegründete Familienunternehmen beschäftigt heute 38 Mitarbeiter und betreut…

Software, die mitwächst

Interview mit Riccardo Amato, Geschäftsführer der SHComputersysteme GmbH

Software, die mitwächst

ERP-Systeme waren lange Zeit in sich geschlossene Giganten, die vom Lager über die Buchhaltung bis zur Kundenbetreuung alles selbst lösen sollten. Doch die digitale Welt verändert sich – spezialisierte Lösungen…

Das könnte Sie auch interessieren

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Interview mit Viktoria Steiner, Geschäftsführerin der raro plastics GmbH

„Wir sind klein genug, um zuzuhören – und präzise genug, um zu liefern“

Die raro plastics GmbH steht für Präzision, Flexibilität und gewachsene Kompetenz in der Kunststoffverarbeitung. Geschäftsführerin Viktoria Steiner führt das Unternehmen mit hohem technischem Verständnis und klarem Blick für Kundenbedürfnisse. Im…

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Interview mit Stephan Riese, CEO der reputatio systems GmbH & Co. KG

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Was braucht ein Unternehmen wirklich, um zu funktionieren? Für Stephan Riese ist die Antwort klarer, als viele denken. Mit reputatio systems entwickelt er Lösungen, die Komplexität reduzieren. Ein Gespräch über…

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Interview mit Ramon Werner, Verwaltungsratspräsident der de Sede AG

Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Manche Möbel füllen einen Raum, andere prägen ihn. Genau für diesen Anspruch steht die de Sede AG aus Klingnau in der Schweiz. Das Unternehmen fertigt exklusive Ledermöbel, die weit über…

TOP