Die schönen Dinge des Lebens

Interview mit Roger von der Weid, Geschäftsführer der Art & Fragrance S.A.

„Unsere Produkte muss man in der Hand haben, sie sehen, anfassen und erleben“, sagt Geschäftsführer Roger von der Weid. „Das kann das Internet nicht leisten. Wir verkaufen zwar auch online, aber das ist für unseren Bereich eher untypisch.‘In Echtzeit’ einzukaufen und dabei gut beraten zu werden, zu erfahren, wie diese Dinge hergestellt werden, was sie zu etwas Besonderem macht – das ist ein sinnliches Erlebnis. Wir verkaufen Emotionen.“

Und das sehr erfolgreich: Seit der Gründung im Jahr 2000 ist Art & Fragrance kontinuierlich gewachsen und beschäftigt heute 550 Mitarbeiter, die 2014 einen Jahresumsatz von 110 Millionen EUR beziehungsweise 135 Millionen CHF erwirtschafteten.

„Dies konnten wir in 2015 noch auf 126 Millionen EUR steigern und auch für 2016 ist die Prognose günstig“, freut sich Roger von der Weid. Er stieg vor zehn Jahren als Geschäftsführer in das Unternehmen ein, das zunächst auf Parfumherstellung und -vertrieb fokussiert war und damals einen jährlichen Umsatz von 30 Millionen CHF buchen konnte.

Lalique La Belle

„Der richtige Boom kam mit der Übernahme von Lalique in 2008“, erinnert er sich. „Das war vom Preis und Volumen her ein größerer Brocken. Zuerst mussten wir die Marke restrukturieren und neu positionieren. Heute ist sie unsere Zugmarke, die zwei Drittel unseres globalen Geschäftes ausmacht und deren Jahresumsatz bei 80 Millionen EUR liegt.“

Lalique steht für edelste Kristallobjekte und -schmuck, Edelschmuck und Glaskunst – alle Produkte werden inhouse designt. Künstler wie Damian Hirst oder Architekten wie die kürzlich verstorbene Zaha Hadid entwarfen Kollektionen für Lalique.

Roger von der Weid, Geschäftsführer der Art & Fragrance S.A.
„Unsere internationale Aufstellung und unsere Unabhängigkeit von bestimmten Märkten ist ein klarer Vorteil.“ Roger von der WeidGeschäftsführer

„Wir arbeiten mit renommierten zeitgenössischen Künstlern, die anderes entwerfen als die bekannten Designs von Lalique. Hier geht es um Home Acessoires, Möbel, Beleuchtungsobjekte – Dinge, die Haus und Büro schmücken“, sagt Roger von der Weid.

Ziel ist es, Lalique über den Kristall-Bereich in andere Bereiche hineinzubringen und als diversifizierte Lifestyle-Marke zu positionieren, um ein möglichst breites Publikum ansprechen zu können. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist Co-Branding: Dafür designt Lalique für andere Häuser im Luxusbereich. So wurde in Zusammenarbeit mit Steinway & Sons ein Flügel mit Kristallelementen und Lalique-Motiven verziert. Solche Produkte zielen nicht unbedingt auf hohe Umsätze ab, wie der Geschäftsführer betont, sondern sollen die Bekanntheit der Marke steigern. „Wir sind vorsichtig mit Diversifikation, wo Marken keine Historie und Legitimität haben. Der Traditionsmarke Lalique ist die klare Wachstumsstrategie und deren behutsame Umsetzung jedoch ausgezeichnet bekommen“, so Roger von der Weid.

Düfte und Sonnenschutz

Parfumherstellung und -vertrieb ist das ursprüngliche Geschäftsfeld des Unternehmens. Zu Art & Fragrance gehören die Marken Parfums Gres und Samourai, Letztere exklusiv in Japan; Lizenzen hat das Unternehmen für Parfums der Traditionsmarken Jaguar und Bentley.

Das Lizenzgeschäft mit Parfums ist ein wichtiger Bereich, weswegen Roger von der Weid weiterhin nach neuen Lizenzen und Marken Ausschau hält. Für die Bereiche Parfum und Sonnenschutz ist jeweils ein operativer Leiter verantwortlich, der den Geschäftsführer entlastet.

„Der Parfum-Bereich ist ein hart umkämpfter Markt“, macht er deutlich. „Werbung in den Printmedien hat für unsere Nischenmarken wenig Sinn. Abgesehen vom Standard-Marketing wie Presseveröffentlichungen haben wir viel PR-Aktivität über unsere Vertriebspartner, veranstalten auch gern Events mit Kunden.“

Wichtig ist für Roger von der Weid in dieser Hinsicht auch Digitalisierung: „Wir arbeiten mit Traditionsmarken; man darf sich der digitalen Welt nicht verschließen. Wir haben eigene Webdesigner in der Gruppe, denn beispielsweise in Fernost ist die Lancierung eines Produktes am Markt ohne digitale Präsentation gar nicht möglich.“

Global aufgestellt

Die Zielgruppe von Art & Fragrance sind „Menschen, die das Schöne lieben, die einen gewissen Wohlstand erreicht haben und sich gerne mit stilvollen Objekten umgeben“, wie Roger von der Weid es ausdrückt – und das auf der ganzen Welt. Lediglich 1 bis 2% der Produktion wird in der Schweiz vertrieben, der Rest im Ausland über eigene Vertriebsgesellschaften und -strukturen.

„Die internationale Aufstellung ist für uns ein Vorteil, denn wir sind so nicht abhängig von gewissen Märkten“, argumentiert Roger von der Weid. Zukünftig möchte er die Vielfalt der Marke Lalique weiter ausbauen und auch das Parfum- und Kosmetikgeschäft weiterentwickeln. „Das sind interessante parallele Aktivitäten. Wir haben hier ein gutes und bewährtes Team von Leuten, die alle seit Jahren im Boot sind und mit denen zusammen die Entwicklung und Akquise neuer Produkte mir Freude macht. Unserer Zukunft sehe ich daher sehr optimistisch entgegen.“

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