Brustprothesen – so natürlich wie möglich

Interview mit Oliver Dörner, Geschäftsführer Amoena Medizin-Orthopädie-Technik GmbH

Wirtschaftsforum: Sie sind erst relativ kurz im Unternehmen, können aber auf eine lange Erfahrung im Gesundheitsbereich zurückgreifen?

Oliver Dörner: Zwar bin ich von Hause aus Banker, doch seit vielen Jahren im medizinischen und speziell im onkologischen Bereich in finanzverantwortlichen Positionen tätig gewesen.

Wirtschaftsforum: Bei Amoena dreht sich alles um die richtige medizinische Versorgung der Frau nach einer Brustoperation. Was macht Ihr Unternehmen anders als andere?

Oliver Dörner: Wir möchten, dass betroffene Frauen bestens versorgt sind, und zwar ab dem Zeitpunkt direkt nach der OP. Deshalb verfolgen wir einen umfassenden Versorgungsansatz, der den Genesungsweg der Patientin in den Mittelpunkt stellt. So beginnt unser Versorgungskonzept mit Kompressionstextilien und Post-OP-Produkten direkt nach der OP. Etwas später kommen unsere High-Tech-Brustprothesen aus Silikon zum Einsatz, die zusammen mit unseren Spezialtextilien und Bademoden viele Frauen ein Leben lang begleiten und deren Lebensqualität deutlich verbessern.

Wirtschaftsforum: Auf welche Historie blickt das Unternehmen zurück?

Oliver Dörner: Amoena blickt als weltweit führender Hersteller auf mehr als 45 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Der Unternehmensgründer Cornelius Rechenberg wollte innovative Brustprothesen aus Materialien entwickeln, die sich angenehm und so natürlich wie möglich anfühlen. Er war der Erste, der mit Silikon experimentierte und erkannte, dass das weiche, gesundheitlich unbedenkliche Material dem natürlichen Bewegungsverhalten der weiblichen Brust sehr nah kommt. So entwickelte er 1975 die erste Brustprothese aus Silikon, die bis heute in Handarbeit im bayerischen Raubling hergestellt werden. Für die neueste Technologie aus dem Hause Amoena, die Adapt Air Luftkammertechnologie, erhielt Amoena den Red Dot Award 2020 sowie vier weitere Design- und Innovations-Awards.

Wirtschaftsforum: War er damit von Beginn an erfolgreich?

Oliver Dörner: Rechenberg war von seiner Idee überzeugt, doch anfangs stellte sich der Erfolg nicht ein. Den Durchbruch erlebte er mit einer Großbestellung von 1.000 Silikonprothesen eines großen Vertriebs von Gesundheitsprodukten. Inzwischen haben wir 17 Millionen Prothesen und 34 Millionen Textilien verkauft. Wir sind in 70 Ländern, von Australien bis Kanada, vertreten und haben in einigen Ländern einen sehr hohen Marktanteil, in Norwegen circa 85%, in Australien und Frankreich circa 80%.

Wirtschaftsforum: Das Sortiment ist stark gewachsen und es gibt praktisch in dem Bereich nichts, was Sie nicht bieten.

Oliver Dörner: Allein in Deutsch­land erkranken jährlich über 80.000 Frauen an Brustkrebs - es ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Unser Anspruch ist, jede Frau optimal zu unterstützen. Und genau so individuell wie Körper und Lebensstil von Frauen sind, so individuell müssen auch unsere Brustprothesen sein. Es gibt beispielsweise Prothesen, die selbst haftend direkt auf der Haut getragen werden.

Wirtschaftsforum: Wo findet Frau die passenden Produkte?

Oliver Dörner: In Deutschland traditionell im Sanitätshaus. Dort hilft eine speziell geschulte Fachkraft beim Anpassen und der Auswahl der besten Lösung. Das kann schnell 50 Minuten dauern, denn schließlich geht es etwa bei Textilien nicht um die Auswahl eines BHs, sondern um ein Medizinisches Hilfsmittel mit einer eigenen Konstruktion aus bis zu 53 Teilen.

Wirtschaftsforum: Gibt es in Sachen Brustprothetik neue Entwicklungen?

Oliver Dörner: Relativ neu sind unsere Adapt Air Brustprothesen mit integrierter Luftkammer, die im Handumdrehen individuell größenmäßig angepasst werden können. Sie sind besonders bei Begleitbefunden wie Gewichtsschwankungen oder Lymphödem hilfreich, aber auch um Unausgeglichenheiten der Brustwand zu korrigieren. Ein weiterer Trend sind individuelle Maßversorgungen, die nach individueller mit einer aufwändigen 3-D-Scantechnik maßgefertigt werden. Kurzum: es gibt die perfek­te Passform für wirklich jede individuelle Ausgangssituation und jede Art der Brustasymmetrie.

Wirtschaftsforum: Wie werden Ihre Produkte vertrieben? Ausschließlich über Sanitätshäuser?

Oliver Dörner: Das ist von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland klar über das Sanitätshaus. Für so manche betroffene Frau ist es leider ein langer Weg, bis sie eine Prothese und die passenden Textilien gefunden hat. Denn nicht alle Ärzte und Brustzentren informieren ausreichend über diese Möglichkeit. Dabei sind alle unsere Produkte so genannte Medizinische Hilfsmittel, werden also von der Krankenkasse in regelmäßigen Abständen bezahlt oder zumindest bezuschusst. Das entsprechende Rezept stellt der Arzt oder die Ärztin aus. Die Beratung, Anpassung und Betreuung findet dann im Sanitätshaus statt. Dort lösen die Frauen auch ihr Rezept ein.

Wirtschaftsforum: Wie geht es weiter?

Oliver Dörner: In Zukunft werden wir noch stärker teiloperierte Frauen ansprechen, da sehen wir einen großen Bedarf. Sie wissen häufig nicht einmal, dass sie ein Anrecht auf brustprothetische Versorgung haben. Wir möchten die Lebensqualität dieser Frauen positiv beeinflussen und dabei helfen, dass sie nicht mehr oder zumindest weniger unter den Folgen ihrer Erkrankung leiden.

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