„Große Transformationen passieren nicht über Nacht!“
Interview mit Christian Arnold, Geschäftsführer der Energiekonzepte Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Arnold, die Energiekonzepte Deutschland GmbH will ihren Kunden immer den günstigsten, saubersten Strom anbieten. Wie gelingt Ihnen das?
Christian Arnold: Unser Unternehmen wurde vor acht Jahren im Umfeld der letzten großen Solarwelle gegründet und legte damals seinen Fokus klar auf Photovoltaikanlagen, die dazugehörigen Speicherlösungen und auf Wärmepumpen. Inzwischen haben wir uns jedoch zum One-Stop-Shop rund um die dezentrale Energieversorgung weiterentwickelt, wo es nicht mehr primär um die einzelnen Technologien, sondern vielmehr um das Zusammenspiel der verschiedenen Hardware-Komponenten für den bestmöglichen Nutzengewinn des Kunden geht – von der Wärmeerzeugung über die Stromversorgung bis hin zur E-Mobilität. Mit diesem Ansatz sollen sich unsere Kunden von reinen Konsumenten hin zu „Prosumern“ weiterentwickeln können, die die Energie, die sie verbrauchen, selbstständig in ihrem eigenen Zuhause erzeugen. So kann ein Privathaushalt mehrere sinnvolle Ziele auf einmal erreichen: von der Senkung der Betriebskosten bis hin zur langfristigen Steigerung des Immobilienwerts.
Wirtschaftsforum: Wie stark haben die Energiepreisschocks seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine die Breitenwirkung dieser Haltung verstärkt?
Christian Arnold: In den letzten 20 Jahren wurde der Clean Tech-Markt stark von politischen Maßnahmen wie der Einspeisevergütung bestimmt. Entsprechende Gesetzesnovellen führten immer wieder zu neuen Kaufbewegungen oder eben zu einem entsprechenden Nachfragerückgang. Seit dem Krieg in der Ukraine wird das Thema erneuerbare Energien jedoch nicht mehr primär ausgehend von starken Überzeugungen für eine nachhaltige Stromerzeugung oder im Hinblick auf unmittelbar greifende finanzielle Anreize betrachtet, sondern vielmehr aus der Perspektive einer stärkeren Resilienz und Unabhängigkeit von der weiteren Marktpreisentwicklung.
Wirtschaftsforum: Worin äußert sich das genau?
Christian Arnold: Vielen unserer Kunden geht es nicht mehr in erster Linie darum, die Anzahl der Photovoltaikpanels auf dem Dach unbedingt nach dem wirtschaftlichen Optimum festzulegen, sondern deutlich stärker um die Vorbeugung vor künftigen Energiepreisschwankungen. Gleichzeitig werden die bestehenden Erfolgsgeschichten immer präsenter: Denn wer vor einigen Jahren bereits entsprechende Investitionen in sein Eigenheim getätigt und zudem auf E-Mobilität umgestellt hat, war von den Verwerfungen bei den Heizkosten und an der Zapfsäule im Zuge der aktuellen Krise im Iran bereits weitgehend entkoppelt.
Wirtschaftsforum: Wie hat Energiekonzepte Deutschland diese turbulenten Jahre vom Solarboom bis zur Schließung der Straße von Hormus erlebt?
Christian Arnold: Es war ein wilder Ritt. Denn während die Nachfrage nach Wärmepumpen und Photovoltaikmodulen ab dem Frühjahr 2022 explodierte, waren gleichzeitig die globalen Supply Chains bisweilen dem Zusammenbruch nahe, etwa als ein Tanker wochenlang den Suezkanal blockierte. In dieser Zeit haben wir, wie viele andere Marktteilnehmer auch, eine steile Lernkurve durchlaufen, um unsere Liefer- und Leistungsfähigkeit auch in gesamtwirtschaftlich turbulenten Zeiten sicherstellen zu können. Gleichzeitig sind wir stark von motivierten und qualifizierten Handwerkern abhängig, die unsere Lösungen dann auch im Feld implementieren, eine Expertise, die wir wohlgemerkt schon in die Beratung unserer Kunden einbinden, wo wir bei Besprechungsterminen gern einen Dachdecker- oder Elektrotechnikmeister dazuholen, damit die technische Machbarkeit von Anfang an verlässlich gewährleistet ist.
Wirtschaftsforum: Was muss passieren, damit die erneuerbaren Energien eine noch größere Breitenwirkung entfalten können?
Christian Arnold: Ich glaube, es tut unserem ganzen Marktsegment gut, wenn wir das Adrenalin der letzten Jahre hinter uns lassen und unser Geschäftsfeld auch mit einer gewissen Demut betrachten, um etwas wirklich Nachhaltiges aufzubauen. Unser Right to Play hat unsere Branche bereits unter Beweis gestellt. Jetzt müssen wir aber auch unser Right to Win belegen, also dass wir imstande sind, auch wirklich nachhaltig zu wirtschaften. Denn das betrifft eben nicht nur den Verkauf von Solarmodulen und Wärmepumpen, sondern den gesamten Aftersales-Prozess samt einer langfristigen Betriebsführung, die sich über Jahrzehnte erstrecken wird. Darauf hat sich Energiekonzepte Deutschland von Anfang an eingestellt – und darin liegt auch der eigentliche Wesenskern der Energiewende. Ich erinnere mich in diesem Zuge gern an einen Satz der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Energiewende solle das nächste Wirtschaftswunder in Deutschland werden. Genau in dieser Haltung liegt auch mein persönlicher Antrieb.
Wirtschaftsforum: Ist das vor dem Hintergrund der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland ein realistisches Ziel?
Christian Arnold: Große Transformationen passieren nicht über Nacht, auch wenn die gesellschaftlichen Diskussionen sowie die Entscheidungen auf politischer Ebene zu oft von kurzfristigen Narrativen geprägt sind. Dadurch entsteht dann eine Gefahr des Nichtentscheidenkönnens. Andere Länder, die den Weg in eine All-Electric-Zukunft konsequenter gehen, etwa Schweden oder Finnland, haben uns nicht nur in ihrer Umsetzungsstärke, sondern auch in ihrem langfristigen systemischen Planungshorizont etwas voraus.
Wirtschaftsforum: Was bedeutet das konkret für Deutschland?
Christian Arnold: Ich finde, wir sollten uns fragen, ob ein Markt mit über 800 Netzbetreibern wirklich der richtige Ansatz für ein Smart Grid Operating System ist. Auch in der Digitalisierung hinken wir anderen Ländern massiv hinterher. In Italien etwa erfolgte schon vor über zehn Jahren ein flächendeckender Roll-out von Smart Metern, und nur damit können sich die Endverbraucher zu echten Marktteilnehmern weiterentwickeln. Auch mit Blick auf das große Ganze wollen wir mit Energiekonzepte Deutschland ein Teil der Lösung sein. So entwickeln wir uns beständig zum digitalen Energieversorger weiter. In unserer Assetbase wollen wir perspektivisch eine Speicherkapazität im Gigawattmaßstab bündeln und intelligent vernetzen.










