„Ohne Sicherheit gibt es keine Nachhaltigkeit!“

Interview mit Ulrich Belwe, Geschäftsführer der ACS Armoured Car Systems GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Belwe, wie hat sich Corona auf Ihr Unternehmen ausgewirkt?

Ulrich Belwe: Für unser Haus war 2020 ein atypisches Geschäftsjahr. Die Pandemie hat uns nicht betroffen, unsere Lieferketten funktionierten. Nach den schwierigen Jahren 2018 und 2019 haben wir uns wieder auf unsere Kernkompetenz und das, was wir gut können konzentriert. Wir haben gute neue Leute gefunden und verzeichnen wieder moderates Wachstum. So lag der Umsatz 2020 im zweistelligen Millionen-EUR-Bereich und beim Ertrag konnten wir ebenfalls wieder zulegen.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Marktposition beschreiben?

Ulrich Belwe: Wir sind relativ klein. Es gibt viele große Wettbewerber. Unternehmen unserer Größenordnung existieren kaum in unserem Segment.

Wirtschaftsforum: Ihr Segment: was bieten Sie Ihren Kunden an?

Ulrich Belwe: Wir bieten ballistischen Schutz für Fahrzeuge, also schusssichere Karossen. Unsere Einsatzfahrzeuge vom Typ ENOK verfügen außerdem über hohen Schutz gegen Ansprengungen. Unsere Sparte Systemintegration implementiert Rüstsätze, Anbauten und elektronische Systeme in die Fahrzeuge.

Wirtschaftsforum: Gibt es Innovationen in Ihrem Portfolio?

Ulrich Belwe: Wir setzen zunehmend auf Modularität. So arbeiten wir an einer Plattform für kleine bis mittelgroße Fahrzeuge. Auf einer solchen Plattform möchten wir möglichst viele Module darstellen, etwa Transport-, Kampf- oder Sanitätsfahrzeuge. Wir haben zum Beispiel ein Konzept für Fahrzeuge von Spezialeinheiten entwickelt, die wir in Tschechien verkaufen. Wir sind sehr innovativ unterwegs und haben den modularen Aufbau als Patent angemeldet.

Wirtschaftsforum: Wie reagieren Sie auf aktuelle Entwicklungen, zum Beispiel Nachhaltigkeit und Digitalisierung?

Ulrich Belwe: Ohne Sicherheit gibt es keine Nachhaltigkeit. Dieses Thema wird bei uns und unseren Kunden immer wichtiger. Seit drei Jahren sind wir unter anderem nach ISO 14001 zertifiziert und bemühen uns, den Betrieb umweltschonend zu betreiben. Die Bundeswehr konzentriert sich ebenfalls auf das Thema, aber die Elektrifizierung von Fahrzeugen hat auch ihre Grenzen. Bei der Flutkatastrophe gerade waren Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren unverzichtbar. Die Digitalisierung ist wichtig bei Aufgaben wie Führen, Funken und Aufklären. Wir bauen solche Systeme in unsere geschützten Fahrzeuge ein, aber das Fahrzeug selbst kann man bisher noch nicht vollständig digitalisieren.

Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?

Ulrich Belwe: In der Regel sind es die Bundeswehr sowie Bundes- und Landespolizeibehörden. Wir haben aber auch schon finnische und schweizerische Behörden beliefert sowie aktuell Tschechien.

Wirtschaftsforum: Was macht Ihren Erfolg aus?

Ulrich Belwe: Wir versuchen immer zu verstehen, was der Nutzer braucht. Wir sind schnell und flexibel und bauen Komponenten so zusammen, dass am Ende ein funktionierendes Gesamtsystem entsteht.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Zukunft von ACS aus?

Ulrich Belwe: Wir würden unsere Belegschaft gerne etwas aufstocken. Weibliche Kräfte wären sehr willkommen, um Vorteile aus der Diversität ziehen zu können. Unseren eingeschlagenen Weg möchten wir weitergehen und dabei die Nase im Wind haben. Neue Entwicklungen wollen wir früh erkennen und diese Trends in Lösungen umsetzen. Dabei hilft uns die Einbindung in die mittelständische GRUMA-Gruppe. Deren Eigentümerfamilie denkt mittel- bis langfristig. Mit diesem Hintergrund können wir in Ruhe, aber in voller Konzentration unsere Zukunft gestalten.

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