„A Better Way“ in eine grünere Zukunft

Interview mit Tobias Ziereis, Sales Director der AB Energy Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Ziereis, AB Energy steht für „a better way“, auf dem Sie nachhaltig zur Energiewende beitragen möchten. Welche Kompetenzen stellen Sie dabei dem Markt zur Verfügung? 

Tobias Ziereis: Traditionell engagiert sich unser aus der Lombardei stammendes Familienunternehmen in der Entwicklung und Fertigung von Anlagen zur klassischen Kraft-Wärme-Kopplung. Wir stellen in unserer Hauptproduktionsstätte in der Lombardei KWK-Systeme auf Basis von Jenbacher-Gasmotoren her, die anschließend weltweit in verschiedensten Anwendungsfeldern zum Einsatz kommen: etwa zur Backup-Stromversorgung in amerikanischen Datenzentren, im Kontext von Grubenbegleitgasen in Polen oder in der Pharmaindustrie wie etwa in Deutschland. Die klassische Biogasanlage, in der Biogas zu Strom und Wärme umgewandelt wird, ist ein weiteres bedeutendes Einsatzfeld. 

Wirtschaftsforum: Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt konnte sich AB Energy auch im Bereich Biomethan ein starkes Wachstumsfeld erschließen. 

Tobias Ziereis: Diese Sparte spiegelt in der gesamten Unternehmensgruppe inzwischen etwa die Hälfte unseres Auftragseingangs wider: Grünes Gas wird gerade vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage immer attraktiver, um die Abhängigkeit von fossilen Gasen weiter zu reduzieren. Gleichzeitig spielt die hohe Effizienz dieser Lösung, insbesondere im Vergleich zu klassischen Gasmotoren, eine wichtige Rolle für ihre nachhaltige Attraktivität. Bei den auf Biomethan folgenden Veredelungsstufen LNG und CNG besteht ebenfalls ein substanziell steigender Marktbedarf, gerade auch in Deutschland, wo sich die CO2-Bilanz im Verkehrssegment leider eher verschlechtert als verbessert. Zudem wird bei der Herstellung von Biomethan reines CO2 abgetrennt, das wir anschließend wiederaufbereiten können und als Trockeneis vertreiben: für die Kühlung in der Getränkeindustrie oder von Tiefkühlprodukten, als anderweitiges Kühlmittel zur Verwendung in Flugzeugen oder zum Einblasen in Gewächshäuser. 

Wirtschaftsforum: Worin liegen die zentralen Herausforderungen bei der Schaffung einer noch größeren Breitenwirkung für dieses starke Wachstumssegment? 

Tobias Ziereis: Während ein klassischer Gasmotor für die Kraft-Wärme-Kopplung pro­blemlos innerhalb eines halben Jahres ausgeliefert werden kann, liegen die Projektlaufzeiten im Biomethanbereich eher bei vier bis fünf Jahren, unter anderem, weil im Hinblick auf den Zugang zum öffentlichen Netz viele Genehmigungen benötigt werden. Und je länger ein Projekt dauert, desto mehr Stoppschildern kann man eben auf dem Weg begegnen, die dann vielleicht doch noch zu einem Abbruch führen, was wirtschaftlich natürlich auch verständlich sein kann. Trotz der langen Projektlaufzeiten wird die Entscheidungsfindung für ein solches Vorhaben stark von extrem volatilen kurzfristigen Preisschwankungen auf dem Energiemarkt beeinflusst: Denn je teurer fossiles Gas gerade ist, desto attraktiver ist natürlich auch LNG als alternative Lösung. Die politischen Rahmenbedingungen zu entsprechenden Förderkonzepten können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, und auch deren Ausgestaltung ist gerade in Deutschland leider nicht immer von einer nachhaltigen Stabilität geprägt. 

Wirtschaftsforum: Wie geht AB Energy mit dieser Diskrepanz aus langen Projektlaufzeiten und einer volatilen Auftragslage um, noch dazu in einem Konzern mit weltweit über 1.500 Mitarbeitern? 

Tobias Ziereis: Auf der Ebene des Gesamtunternehmens profitieren wir von einer hohen Diversifikation mit verschiedenen Märkten und Produktsegmenten. So können wir uns nahezu ausnahmslos auf eine stabil vorausgelastete Fertigungskapazität für etwa ein halbes Jahr verlassen. Gleichzeitig setzen wir in unserer Strategie konsequent auf eine hohe Fertigungstiefe, unter anderem durch die Herstellung unserer eigenen Kompressoren und Schaltschränke, wodurch wir die gesamtwirtschaftlich immer größer werdenden Supply Chain-Risiken verlässlich minimieren können. Durch unsere Firmenstruktur mit nahezu 30 unabhängigen und eigenständig geführten Landesgesellschaften entsteht zudem eine starke Resilienz bei der Abfederung regional asymmetrischer Auftragsspitzen, denn im Zweifel können unsere knapp 20 Mitarbeiter in Deutschland durch ihre Kollegen aus Polen oder Italien unterstützt werden, wenn bei uns gerade ungewöhnlich viele Inbetriebnahmen anstehen – und vice versa. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die aktuelle Investitionsfreude im Markt? 

Tobias Ziereis: Viele, die investieren, muss man bewundern, denn die bestehenden politischen Rahmenbedingungen und bürokratischen Hürden sind nicht leicht zu überwinden. Trotzdem nehmen wir einen ungebrochenen Unternehmergeist wahr, insbesondere bei den vielen jungen Menschen, die nach dem Studium richtig anpacken möchten, um beherzt in eine nachhaltigere Zukunft zu gehen. Nicht selten werden sie dann aber von bürokratischen Vorschriften ausgebremst. Auch AB Energy will weiterhin ein Unternehmen sein, in dem Menschen etwas bewegen und ihre Aufbruchstimmung mit Leben füllen können, heute mehr als je zuvor. 

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