Kunden direkt vor Ort betreuen!
Interview mit Matthias Haarer, CEO der Eisenmann GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Haarer, die Anforderungen an moderne Produktionsstätten und industrielle Lackieranlagen sind divers und vor dem Hintergrund ambitionierter Klimaziele anspruchsvoll. Mit welchen Lösungen begegnet Eisenmann diesen Herausforderungen?
Matthias Haarer: Eine Lackieranlage ist heute ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Verfahrenstechnik, Automatisierung, Software und intelligenter Fördertechnik. Genau hier liegen unsere Stärken. Wir bauen komplette Lackieranlagen inklusive Fördertechnik und begleiten unsere Kunden über den gesamten Lebenszyklus ihrer Anlagen – von der Planung bis zu Modernisierung und Serviceleistungen. Dabei profitieren wir von einer installierten Basis von mehr als 2.000 Anlagen weltweit. Anhand der dabei gesammelten Erfahrungen optimieren wir unsere Technologien kontinuierlich.
Wirtschaftsforum: Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt.
Matthias Haarer: Absolut. Wir sind im Jahr 2020 mit rund 100 Mitarbeitenden gestartet. Heute beschäftigen wir etwa 350 Mitarbeitende weltweit. Neben unserem Hauptsitz im Raum Stuttgart verfügen wir über Tochtergesellschaften in den USA, Mexiko, Italien, Saudi-Arabien, der Türkei und seit Kurzem auch in Polen. Damit pflegen wir kurze Wege zu unseren Kunden und betreuen internationale Projekte erfolgreich direkt vor Ort.
Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre wichtigsten Kunden?
Matthias Haarer: Zu unseren Kunden zählen führende Automobilhersteller ebenso wie Zulieferer der Automobilindustrie. Darüber hinaus sind wir in Branchen wie Landmaschinen, Baumaschinen sowie der Metall- und Kunststoffverarbeitung aktiv. Unser Anspruch ist es, für jede Anwendung in der Lackiererei, unabhängig von Werkstückgrößen und -geometrien, die optimale Lösung zu entwickeln.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Digitalisierung und künstliche Intelligenz?
Matthias Haarer: Moderne Lackieranlagen erzeugen enorme Datenmengen. Durch Digitalisierung können Prozesse überwacht und kontinuierlich verbessert werden. Künstliche Intelligenz hilft dabei, Energieverbräuche zu optimieren und Wartungsbedarfe frühzeitig vorherzusagen. Das erhöht die Anlagenverfügbarkeit und reduziert Kosten.
Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema der Industrie. Wie begegnen Sie dieser Herausforderung?
Matthias Haarer: Die Lackiererei zählt zu den energieintensivsten Produktionsprozessen in der Fertigung. Deshalb haben wir unser Nachhaltigkeitskonzept ATLAS – Advanced Technology for Low Emission Applications and Sustainability fest im Unternehmen verankert. Unter dem Dach von ATLAS entwickeln wir technische Ansätze zur Verbesserung der Energie- und Ressourcenbilanz unserer Lösungen. Beispiele dafür sind unser regeneratives Trockenabscheidesystem E-Cube RE und das für die Fahrzeuglackiererei patentierte, fahrerlose Transportsystem E-Mover. Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Effizienz sind für uns wesentliche Bestandteile jedes neuen Anlagenkonzepts.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Eisenmann vom Wettbewerb?
Matthias Haarer: Was uns auszeichnet, sind unsere Innovationskraft, unser einzigartiges Produktportfolio und unser lösungs- und kundenorientierter Ansatz. Wir hören genau zu, verstehen
die Anforderungen und setzen neue Ideen schnell in marktfähige Lösungen um. Heute verfügen wir über das umfangreichste Produktportfolio für die Vorbehandlung und Tauchlackierung und sind als Technologieführer für die Fördersysteme in diesem Bereich in der Branche anerkannt.
Mit der Entwicklung des skidless PaintShop und dem dem E-Mover bieten wir eine wirtschaftliche und ökologische Lösung für die gegenwärtigen Anforderungen hinsichtlich Flexibilität, Skalierbarkeit und Effizienz.
Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die Zukunft des Unternehmens?
Matthias Haarer: Neben dem Ausbau unseres Kerngeschäfts ist uns 2025 der erfolgreiche Wiedereinstieg in die Robotik gelungen. Heute fungieren wir mit einem eigenen Entwicklerteam als zuverlässiger Integrator für Roboter und Applikationstechnik im Materialhandling, dem Maskieren und Nahtabdichten. Ab Q3/2027 werden wir auch Lösungen für das Scheibenkleben anbieten. Außerdem treiben wir neue Geschäftsfelder voran. Besonders spannend ist unser Einstieg in den Bereich Vertical Farming. Dabei übertragen wir unser Know-how aus Verfahrenstechnik, Automatisierung und Fördertechnik auf die nachhaltige Produktion von Obst und Gemüse im geschützten Raum. Vor dem Hintergrund immer schwieriger werdender klimatischer Voraussetzungen und endlicher natürlicher Ressourcen leisten wir einen Beitrag für eine unabhängige und zuverlässige Versorgung mit Lebensmitteln. Gleichzeitig entsteht derzeit unser neues Headquarter in Gärtringen, das noch in diesem Jahr bezogen werden soll – ein weiterer wichtiger Meilenstein unserer positiven Unternehmensentwicklung.








