Krankenhäuser – in Zukunft groß und grün

Interview mit Prof. Dipl.-Ing. Linus Hofrichter, Geschäftsführer der a|sh sander.hofrichter architekten GmbH

Wirtschaftsforum: Prof. Hofrichter, a|sh sander.hofrichter architekten ist über die Grenzen Deutschlands hinaus als Krankenhausspezialist bekannt. Wo liegt der besondere Reiz bei der Planung dieser Häuser?

Prof. Hofrichter: Kliniken, Häuser für Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen bilden mit 70% den Schwerpunkt unserer Arbeit; auf Bildungsbauten wie Schulen oder Kindergärten entfallen etwa 20%. Aber auch Gebäude wie der Landtag in Rheinland-Pfalz oder das statistische Bundesamt in Wiesbaden sind wichtige Referenzen. Wenn es um das Gesundheitswesen in Deutschland geht, haben wir es mit einer starken Reglementierung zu tun; die Planung und der Bau von Krankenhäusern ist komplex und verlangt Spezialwissen. Wir haben dieses Know-how, arbeiten interdisziplinär und versuchen, mit der Architektur zur Optimierung klinischer und therapeutischer Prozesse beizutragen.

Wirtschaftsforum: Sie sind langjähriger Geschäftsführer des Büros, haben zudem eine Professur für Krankenhausplanung. Was sind für Sie besondere a|sh-Charakteristika?

Prof. Hofrichter: a|sh ist ein traditionsreiches Architekturbüro mit über 90-jähriger Erfahrung, das heute in der vierten Generation geführt wird. 2014 haben wir das Büro neu aufgestellt, a|sh als Marke etabliert und mehr Gesellschafter ins Boot geholt. a|sh ist ein Büro, das sich selbst immer verjüngt hat; hier hat jeder, der sich verdient gemacht hat, eine Chance, Partner zu werden. Heute gibt es vier geschäftsführende Gesellschafter, die von zwei weiteren Geschäftsführern unterstützt werden. Wir haben 240 Mitarbeiter, sind trotz der Größe inhabergeführt, arbeiten selbst an Projekten mit und sind nah am Kunden.

Wirtschaftsforum: Was sind typische Referenzobjekte?

Prof. Hofrichter: Momentan bauen wir in einer Arbeitsgemeinschaft mit Architekten aus Basel das Universitäts Spital in Zürich, ein 700 Millionen CHF-Projekt. Um den Großteil der Wertschöpfung in der Schweiz zu lassen, haben wir dort eine AG gegründet, die zu 100% Tochter der deutschen GmbH ist. Das Klinikum Coburg ist ein weiteres Beispiel für zukunftsorientierte Krankenhausplanung. Ein Neubau mit einer kammartigen Gebäudestruktur wird hier harmonisch in den bestehenden Naturraum integriert. Anspruchsvoll war nicht zuletzt der Landtag Rheinland-Pfalz; bei diesem Auftrag musste ein denkmalgeschütztes historisches Gebäude komplett entkernt und umgebaut werden; ein kubischer Neubau ergänzt den Komplex.

Wirtschaftsforum: Welche besonderen Aspekte spielen bei der Planung eine Rolle?

Prof. Linus Hofrichter: Essenziell für große Projekte ist die Arbeit mit der Planungsmethodik BIM. Mit BIM werden digitale Modelle perfekt geplant, um dann idealerweise 1:1 in die Realität umgesetzt zu werden. Nachhaltigkeit mit Aspekten wie Biodiversität, Stadtgrün, Aufheizung innerstädtischer Räume ist ein weiteres großes Thema. Wir waren hier Vorreiter, die Ersten, die zwei Akutkrankenhäuser nach DGNB, der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen, zertifiziert haben. Schon vor über zehn Jahren haben wir die Relevanz des Themas erkannt und die Verantwortung gespürt, energieintensive Krankenhäuser nachhaltig planen und bauen zu müssen. Wir haben zwei Nachhaltigkeitsexperten, um gesamtheitliche Energiekonzepte zu erarbeiten. Das Spital Zürich illustriert unseren Ansatz exemplarisch; das Bettenhaus ist ein achtgeschossiges Gebäude mit einer komplett begrünten Fassade.

Wirtschaftsforum: Sehen Sie in Zukunft besondere Herausforderungen für die a|sh?

Prof. Hofrichter: Wir erleben momentan den Trend zur Konzentration. Kleine Krankenhäuser schließen, dafür wird ein großes gebaut, die Qualität so gesteigert. In Lörrach, Wilhelmshaven, Coburg - überall entstehen neue Krankenhäuser. Mit unserer Arbeit können wir dazu beitragen, dass sich das Gesundheitswesen in Deutschland in eine gute Richtung entwickelt. Dabei steht die Nutzerorientierung konsequent im Fokus. Wir bauen Häuser für die Menschen, die später dort arbeiten. Sie sollen sich mit der Architektur identifizieren. Als Architekten sind wir schöpferisch tätig; aber wir bauen nicht aus Selbstzweck, sondern für Menschen.

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