Zukunftsfähige Städte aus Konversionsflächen

Interview mit Davut Deletioglu, Geschäftsführer und Max Deletioglu, Verantwortlich für Betriebskonzepte und Nachhaltigkeitsstrategien der 3iPro GmbH

Wirtschaftsforum: Die 3iPro GmbH wurde 2018 gegründet, startete aber direkt mit einem großvolumigen Projekt. Wie kam es dazu?

Davut Deletioglu: Ausgangspunkt war die Entwicklung des sogenannten E-Gebäudes in Mannheim, eines ehemaligen Kasernenareals. Bereits ab 2015 haben wir gemeinsam mit der Stadt Standort- und Potenzialanalysen durchgeführt, 2017 das Grundstück erworben und 2018 mit der Umsetzung begonnen.

Max Deletioglu: Bereits in dieser frühen Phase haben wir Büroflächen konzipiert, die auf Offenheit, Begegnung und flexible Nutzung setzen – ein Ansatz, der sich später, insbesondere nach Corona, als sehr zukunftsfähig erwiesen hat.

Wirtschaftsforum: Warum haben Sie direkt groß angefangen?

Davut Deletioglu: Das ergab sich aus der konkreten Gelegenheit. Ursprünglich war geplant, das Gebäude nach Fertigstellung zu verkaufen. Durch Corona kam es zu Verzögerungen, sodass wir uns gemeinsam mit unserem Family-Office-Partner entschieden haben, das Objekt im Bestand zu halten.

Max Deletioglu: Diese Situation hat gezeigt, wie wichtig Flexibilität ist. Heute profitieren wir davon, dass wir nicht unter Verkaufsdruck stehen und Projekte langfristig betrachten können.

Wirtschaftsforum: Welche Projekte folgten auf das E-Gebäude?

Davut Deletioglu: Ein weiterer Meilenstein war das PPP-Projekt auf dem Franklin-Areal, bei dem ein Nahversorgungszentrum mit einem darüberliegenden Wohngebäude entsteht, die Eröffnung ist im August 2026. Zudem konnten wir 2021 den Zuschlag für das neue Bürogebäude von Hitachi Energy Germany AG in Mannheim gewinnen.
 

Max Deletioglu: Entscheidend war hier unser konsequenter Nachhaltigkeitsansatz. Hitachi suchte ein ökologisch ausgerichtetes Gebäude – und wir waren der Entwickler, der dieses Thema von Beginn an in den Mittelpunkt gestellt hat.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet das Hitachi-Gebäude aus?

Davut Deletioglu: Es handelt sich weitgehend um einen reinen Holzbau mit Photovoltaik, Geothermie, Wärmepumpen und Solarkamin. Ziel war ein energetisch hocheffizientes und ökologisch konsequentes Gebäude.

Max Deletioglu: Durch die Kombination dieser Systeme produzieren wir im Betrieb mehr Energie, als verbraucht wird. So erreichen wir über den Nutzungszyklus hinweg eine CO2-Neutralität des Gebäudes.

Wirtschaftsforum: Sehen Sie da­rin ein Modell für die Branche?

Davut Deletioglu: Der Immobiliensektor trägt erheblich zu Emissionen bei, hat aber zugleich enormes Veränderungspotenzial. Nachhaltiges Bauen muss wirtschaftlich und praktikabel sein – das wollten wir zeigen.

Max Deletioglu: Entscheidend ist, Nachhaltigkeit nicht als Zusatz, sondern als Ausgangspunkt der Planung zu begreifen. Dann entstehen andere Gebäude.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihr Unternehmen strukturiert?

Davut Deletioglu: Wir sind bewusst schlank aufgestellt und beschäftigen ein kleines Team an festen Mitarbeitern. Darüber hinaus arbeiten wir projektbezogen mit langjährigen Partnern zusammen.

Max Deletioglu: Insgesamt greifen wir regelmäßig auf ein Netzwerk von rund 25 Personen zurück, was uns hohe Flexibilität und Effizienz ermöglicht.

Wirtschaftsforum: Wie lässt sich Ihre wirtschaftliche Entwicklung beziffern?

Davut Deletioglu: Wir betrachten vor allem das realisierte Bauvolumen. Bislang haben wir rund 120 Millionen EUR Bausubstanz entwickelt, mit laufenden Projekten werden es bis Jahresende etwa 200 bis 220 Millionen EUR sein.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung haben Kommunikation und Marketing für Sie?

Davut Deletioglu: Sichtbarkeit ist in unserer Branche zentral. Projekte prägen Städte langfristig, zusätzliche und ebenfalls sehr wichtige Aufmerksamkeit entsteht aber nur durch aktive Kommunikation.

Max Deletioglu: Marketing ist Teil unserer strategischen Positionierung; aktuell extern, perspektivisch auch intern.

Wirtschaftsforum: Wohin soll sich 3iPro künftig entwickeln – und was treibt Sie persönlich an?

Davut Deletioglu: Wir wollen Quartiersgaragen, Wohnprojekte und Konversionen weiter ausbauen. Persönlich motiviert mich, Gebäude zu schaffen, die langfristig Bestand haben und in welchem Maße auch immer prägend sind.

Max Deletioglu: Mich treibt die Möglichkeit an, mit Projekten einen positiven Beitrag für Gesellschaft, Städtebau und Klimaschutz zu leisten.

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