„Brauchen Aufklärung und Entstigmatisierung“

Interview mit Matthias Glaser, Geschäftsführer der Canopy Growth Germany GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Glaser, Sie leiten Canopy Growth Germany seit rund zwei Jahren. Wie ist das Unternehmen in Deutschland aufgestellt?

Matthias Glaser: Wir sind eine 100%ige Tochter der Canopy Growth Corporation aus Kanada, dem Pionier im Bereich Medizinalcannabis. In Deutschland sind wir seit 2015 aktiv, als es noch einer Ausnahmeerlaubnis für Medizinalcannabis bedurfte. Unser Standort in St. Leon-Rot umfasst Produktion, Lager und Vertrieb mit rund 45 Mitarbeitern. Hier füllen wir die Produkte für den deutschen und polnischen Markt ab.

Wirtschaftsforum: Wofür wird medizinisches Cannabis eingesetzt?

Matthias Glaser: Es wird hauptsächlich bei Schmerz- und Krebspatienten, aber auch bei Schlafstörungen, ADHS, Endometriose oder Fibromyalgie angewendet. Wir vertreiben ausschließlich getrocknete Cannabisblüten, die in Deutschland zur Inhalation

bestimmt sind. Sie werden also nicht geraucht, sondern über ein Inhalationsgerät verabreicht. Die Blüten kommen überwiegend aus unserer eigenen Produktion in Kanada und werden nach höchsten pharmazeutischen Standards geprüft. Die Blüten werden bei uns in Handarbeit in 5- und 15-g-Dosen abgefüllt. Jede Charge wird sorgfältig geprüft und verlesen, um absolute Reinheit sicherzustellen. Das gesamte Verfahren ist GMP-zertifiziert und unterliegt einer strengen Kontrolle durch das Regierungspräsidium Tübingen. Wir liefern ausschließlich an Apotheken und pharmazeutische Großhändler, also B2B, niemals direkt an Endverbraucher.

Wirtschaftsforum: Sie haben eine Qualitätsinitiative mitgestartet. Was steckt dahinter?

Matthias Glaser: Gemeinsam mit unserem Partner Avextra und dem Verband der Cannabis versorgenden Apotheken, dem VCA, haben wir eine unabhängige Qualitätsinitiative ins Leben gerufen. Ziel ist es, Ärzten, Apotheken und Patienten Orientierung zu geben, welche Produkte höchsten Standards entsprechen. Es geht um Transparenz bei Analysezertifikaten, Herkunft, Zertifizierungen und Bestrahlung der Blüten und damit um ein klares Qualitätssiegel in einem noch jungen Markt.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist Aufklärung in diesem Bereich?

Matthias Glaser: Sie spielt bei uns eine zentrale Rolle. Wir führen Fortbildungen und zertifizierte Schulungen für Ärztinnen, Ärzte und Apotheken durch und beteiligen uns an wissenschaftlichen Veranstaltungen. Zudem vergeben wir zusammen mit der Deutschen Medizinal-Cannabis Gesellschaft erstmals einen Forschungspreis. Unser Ziel ist Aufklärung, Entstigmatisierung und die Förderung von evidenzbasierter Medizin.

Wirtschaftsforum: Wie grenzen Sie sich vom sogenannten Freizeit-Cannabis ab?

Matthias Glaser: Ganz klar durch unseren Fokus auf medizinische Qualität. Wir beteiligen uns nicht an Kampagnen, die Cannabis als Lifestyle-Produkt darstellen. Bei uns stehen Sicherheit, Forschung und verantwortungsvolle Anwendung im Vordergrund. Das ist auch ein Unterschied zu vielen neuen Akteuren, die seit der Teil-Legalisierung im Markt sind.

Wirtschaftsforum: Welche Bedeutung hat Nachhaltigkeit für Sie?

Matthias Glaser: Cannabis ist ein Naturprodukt. Gleichzeitig ist der Anbau energieintensiv. Temperatur und Luftfeuchtigkeit müssen konstant kontrolliert werden. Wir arbeiten daran, unsere Prozesse und Verpackungen nachhaltiger zu gestalten, etwa durch alternative Materialien. Dabei müssen wir uns aber stets im Rahmen der pharmazeutischen Regularien bewegen.

Wirtschaftsforum: Was macht Ihrer Meinung nach den Erfolg von Canopy Growth Germany aus?

Matthias Glaser: Zum einen die Herkunft unserer Produkte – kanadisches Medizinalcannabis gilt weltweit als Goldstandard. Zum anderen unsere hohen Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen sowie die enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Apotheken. Und schließlich unsere klare Haltung: Wir setzen auf Transparenz, Qualität und Aufklärung.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Matthias Glaser: Sie ist sehr offen, direkt und kollaborativ. Wir arbeiten über Ländergrenzen hinweg eng mit Kanada zusammen, pflegen aber eine bodenständige, transparente Kommunikation. Hier ist niemand ein Träumer – wir rechnen mit dem spitzen Bleistift, aber immer auf Augenhöhe.

Wirtschaftsforum: Und wohin soll sich das Unternehmen zukünftig entwickeln?

Matthias Glaser: Ein wichtiger Schritt sind neue Darreichungsformen, die eine exaktere Dosierung ermöglichen – etwa Extrakte, Tabletten oder topische Anwendungen. Die Cannabisblüte wird immer ein zentraler Bestandteil bleiben, aber um weiter zu wachsen, müssen wir neue Lösungen entwickeln, die Ärztinnen und Ärzten eine sichere Dosierung erlauben.

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