Hightech für grabenlose Kanalsanierung made in Germany

Interview mit Daniel Wischmann, Betriebsleiter der IMS Robotics GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Wischmann, Ihr Unternehmen beschäftigt sich bereits seit 28 Jahren mit Umwelttechnik in einem speziellen Bereich.

Daniel Wischmann: Ja, wir haben wesentlich dazu beigetragen, die Kanalsanierungsbranche voranzutreiben – durch die Entwicklung umweltschonender Verfahren. Das Stichwort der Stunde heißt grabenlose Kanalsanierung. Dabei werden defekte Leitungen und Rohre unterirdisch gereinigt und saniert – überirdische Baustellen sind nicht mehr notwendig und Straßen müssen nicht mehr aufgerissen werden. Dadurch hat das Verfahren sowohl umwelttechnische als auch wirtschaftliche Vorteile. Gleichzeitig haben wir die Kameratechnik für Kanalinspektionen stetig weiterentwickelt, heute läuft alles digital. Das waren die Wachstumstreiber für uns.

Wirtschaftsforum: Welche Art von Robotern bieten Sie an?

Daniel Wischmann: Im Wesentlichen sind wir in den folgenden Bereichen aktiv: mobile Fräsroboter für Hausanschlüsse sowie mobile Fräs- und Sanieranlagen für den Bereich Hauptkanal. Außerdem bieten wir Systeme für das Abtragen und Entfernen von Ablagerungen und Inkrustierungen mittels Wasserhöchstdrucktechnik sowie UV-Aushärteanlagen für Kanalrohre an. Somit umfasst unser Portfolio Technik für alle Bereiche der Kanalsanierung.

Wirtschaftsforum: Gibt es neue Entwicklungen in Ihrem Bereich?

Daniel Wischmann: Wir haben aktuell sehr viele Innovationen in Vorbereitung. Diese umfassen neue Funktionen für die Roboter sowie komplett neue Roboter-Modelle. Die Kameratechnik wird immer besser, laufruhigere Elektromotoren sollen Luft- und Hydraulikmotoren ersetzen, sodass zum Beispiel auch nachts gearbeitet werden kann.

Wirtschaftsforum: Ihre Hauptstandorte sind in Deutschland und der Schweiz. Gibt es weitere Standorte?

Daniel Wischmann: Darüber hinaus haben wir Niederlassungen in Frankreich und Italien. Zurzeit sind wir dabei, ein Joint Venture in China zu gründen.

Wirtschaftsforum: Inwieweit sind Sie von der aktuellen Krise betroffen?

Daniel Wischmann: Überhaupt nicht. Wir beschäftigen aktuell über 100 Mitarbeiter in der IMS Group und verzeichnen rund 20 Millionen EUR Umsatz. Die Auftragslage ist unvermindert gut, alle Kanalsanierungs- und Inspektionsprojekte, die geplant sind, werden unverändert durchgeführt.

Wirtschaftsforum: Sie sind erst seit Anfang April als Betriebsleiter bei IMS Robotics. Welche Impulse wollen Sie dem Unternehmen geben?

Daniel Wischmann: Ich war vorher bei einem international tätigen Unternehmen beschäftigt und habe mehr als 20 Jahre Erfahrung im Betriebsmittelbau, insbesondere für Sondermaschinen und Spritzgießwerkzeuge für die Automobilindustrie. Ich habe diese Herausforderung mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten ganz bewusst gewählt. Ich kann meine Erfahrung nutzen, die Expansion weiter voran zu treiben und die entsprechenden Strukturen zu etablieren. Neben der kontinuierlichen Prozessverbesserung habe ich mir zudem vorgenommen, ein gesundes und wirtschaftliches Wachstum innerhalb unserer innovativen Branche zu erreichen

Wirtschaftsforum: Wie kommen Sie an Ihre Aufträge?

Daniel Wischmann: Wir machen natürlich Marketing auf allen Kanälen und stellen national und international auf Messen aus. Neben qualitativ hochwertigen Geräten spielt auch der persönliche Aspekt eine wichtige Rolle. Wir verkaufen Investitionsgüter. Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Dieses Vertrauen entsteht durch Zuverlässigkeit und enge Kundenbeziehungen.

Wirtschaftsforum: An wen verkaufen Sie?

Daniel Wischmann: Unsere Kunden untergliedern sich in mittelständische Unternehmen, die als Dienstleister Hausanschlüsse instand halten und Rohre im Bereich Hauptkanal reinigen. Außerdem zählen große Baufirmen und der öffentliche Sektor dazu.

Wirtschaftsforum: Worauf führen Sie den Erfolg von IMS Robotics hauptsächlich zurück?

Daniel Wischmann: Zum einen auf die Mitarbeiter, die die Produktion made in Germany sicherstellen. Zum anderen auf die hohe Innovationskraft. Wir gehen permanent mit der Technik, sprechen mit unseren Kunden und versuchen, die Bedienung zu erleichtern, damit Arbeiten schneller erledigt werden können. Außerdem legen wir großen Wert auf Sicherheit und die Reduzierung von Energieverbrauch und Lärmbelästigung.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie sich für die kommenden Jahre gesetzt?

Daniel Wischmann: Wir arbeiten weiterhin an einer soliden Expansion - mit neuen, weltweit verbreiteten Joint-Ventures und Service- sowie weiteren Verkaufsniederlassungen. Die Branche hat noch viel Potenzial, vor allem international. Im deutschsprachigen und europäischen Raum ist die grabenlose Kanalsanierung bereits weit verbreitet, in anderen Ländern noch nicht.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Interview mit Holger Putze, Geschäftsführer über die Kälte- und Klimatechnik Holger Putze GmbH

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Man muss sich das mal vorstellen: 1995 fangen die in einem ehemaligen Kinderzimmer an. Vier Leute, eine Garage, der pure Wille. Heute, 30 Jahre später, stehen sie da mit 20…

Formvollendet

Interview mit Rainer Schenk, Geschäftsführer der FBR Facondrehteile GmbH

Formvollendet

Seit über 40 Jahren bringt die FBR Facondrehteile GmbH aus Kirchhaslach in Schwaben Metall in die richtige Form. Was bescheiden in einem Keller begann, ist heute ein international agierendes Unternehmen,…

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Interview mit Dipl.-Ing. Torsten Reuß, Geschäftsführer der TOSSTEC GmbH

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Immer mehr Hausbesitzer wünschen sich einen Pool im eigenen Garten – aber bitte ohne Chlorgeruch, rote Augen und dauerhaft hohe Betriebskosten. Naturpools und Schwimmteiche sind hier eine attraktive Alternative. Die…

Spannendes aus der Region Landkreis Bautzen

Wege aus dem Wettbewerbsdruck: Automatisieren, diversifizieren, vorangehen

Interview mit Dr. Ronald Bernstein, Geschäftsführer der BERGI-PLAST GmbH

Wege aus dem Wettbewerbsdruck: Automatisieren, diversifizieren, vorangehen

Steigende Kosten, globaler Wettbewerbsdruck und der rasche technologische Wandel fordern die Kunststoffindustrie heraus. Die BERGI-PLAST GmbH aus Bad Gottleuba-Berggießhübel begegnet diesen Entwicklungen mit konsequenter Automatisierung, digitaler Weiterentwicklung und einem klaren…

Technologieführer mit Profil

Interview mit Ronald Wuttke, Kaufmännischer Leiter der Kirchhoff & Lehr GmbH

Technologieführer mit Profil

Direkt nach der Wende investierte die westdeutsche Tillmann-Gruppe in die Zukunft der ostdeutschen Kirchhoff & Lehr GmbH, um in den neuen Bundesländern ein führendes Unternehmen in der Rollformtechnik zu etablieren.…

Grün gedacht, smart gemacht

Interview mit Dr. Gerhard Aust, Geschäftsführer und CSO der PRETTL Electronics GmbH

Grün gedacht, smart gemacht

Die PRETTL Electronics GmbH mit Hauptsitz in Radeberg steht seit 25 Jahren für komplexe Elektronikfertigung in anspruchsvollen Nischenmärkten wie Medizintechnik, Luftfahrt, Leistungselektronik oder Agrartechnologie. Mit Wirtschaftsforum sprach Geschäftsführer Dr. Gerhard…

Das könnte Sie auch interessieren

Digitaler Wandel  im Schrotthandel

Interview mit Jakub Bruch, Management der Bruch & Söhne GmbH & Co. KG

Digitaler Wandel im Schrotthandel

Jakub Bruch trat eher unverhofft in 4. Generation in sein Familienunternehmen Bruch & Söhne ein, das vornehmlich sein Vater als produzierenden Schrott- und Metallgroßhandel mit eigenem Hafenumschlagplatz positionieren konnte. Mit…

Umweltdaten aus der Tiefsee

Interview mit Onno Bliss, Geschäftsführer der K.U.M. Umwelt- und Meerestechnik Kiel GmbH

Umweltdaten aus der Tiefsee

Am Meeresboden warten wichtige Schätze darauf, gehoben zu werden: Daten für die Erdbeben- und Klimaforschung, aber zunehmend auch für Industriekunden, insbesondere im Bereich Carbon Capture and Storage. Wie die K.U.M.…

Neustart mit Hochdruck

Interview mit Torben Bech, Geschäftsführer der DYNAJET A/S

Neustart mit Hochdruck

Als URACA GmbH die Schließung ihrer Tochter DYNAJET GmbH ankündigte, schien das Aus für die 25 Jahre alte Marke besiegelt. Doch dann kam Torben Bech. Der dänische Ingenieur…

TOP