Wenn Effizienz System hat

Interview mit Joachim Walter, COO der BeeWaTec AG

Wirtschaftsforum: Herr Walter, die BeeWaTec ist als Produkt- und Systemanbieter für Arbeits-, Logistik- und Fertigungslösungen international gefragt; vor allem in der Automobil- und Elektroindustrie sowie in der Medizintechnik. Was ist die Idee hinter dem Unternehmen?

Joachim Walter: Wir leben heute in einer Welt des rasanten Wandels. Alles muss flexibel und effizient sein. Unsere Kernprodukte sind Rohrstecksysteme für Montagearbeitsplätze, Regalsysteme, Routenzüge oder Werkstattausstattungen, die frei kombinierbar sind und sich dank Baukastensystem individuellen Produktionsumgebungen anpassen. Wir bezeichnen sie gerne als ‘Lego-Bausteine für Erwachsene’. Sämtliche Produkte und Systeme, also Arbeitstische, Regale oder Wagen, stehen unter der Maxime ‘agil. einfach. sicher’.

Wirtschaftsforum: BeeWaTec war 2018 unter den 100 Top-Innovatoren Deutschlands. Kennzeichnet dieser Innovationsgeist das Unternehmen seit jeher?

Joachim Walter: Das Unternehmen wurde 1927 gegründet, konzentrierte sich seit den 1980er-Jahren auf Labormöbel und wandte sich dann immer mehr der Elektro- und Elektronikindustrie zu. Als es 2006 zum Kauf angeboten wurde, da sich kein Nachfolger fand, realisierte sich mein Vater den Traum der Selbstständigkeit und übernahm das damals als Haid KG firmierende Unternehmen mit seinen 16 Mitarbeitern. Ein Jahr später kam es zur Neugründung der BeeWaTec, damit einher ging eine Neuorientierung und die Vision, Innovationen auf den Markt zu bringen. Wir wollten ein neues Produktsystem und wurden schließlich in Südkorea fündig. 2007 haben wir das neue Rohrstecksystem erstmals auf einer Messe vorgestellt und auf Anhieb ein hervorragendes Feedback bekommen.

Wirtschaftsforum: In der Folge ist BeeWaTec sehr dynamisch gewachsen. Heute hat es 260 Mitarbeiter und einen Umsatz von 30 Millionen EUR. Was begeistert Kunden an dem Produkt und dem Unternehmen dahinter?

Joachim Walter: Flexibilität ist für uns das A und O. Unser Rohrstecksystem steht für die Idee, dass sich ein Arbeitsplatz dem Menschen anpassen muss und nicht umgekehrt. Mit unserem Produkt können Arbeitsplätze flexibel entwickelt werden; sie passen sich zum Beispiel der Größe des Mitarbeiters an. Wir bieten Rohrstecksysteme aus Alu und Stahl an, innerhalb der Systeme können wir je nach Anforderung flexibel ohne Zwischenstep switchen, zum Beispiel von Rund- auf Vierkantsystem. Das ist ein entscheidender Vorteil. Das Ganze erfolgt sehr schnell; wir sind in der Regel für reine Handelsware innerhalb von zwei bis drei Tagen lieferbereit.

Wirtschaftsforum: Nicht nur in Deutschland hat sich BeeWaTec damit durchgesetzt. Wie ist der Absatz im Ausland organsiert?

Joachim Walter: Wir haben nach und nach immer mehr Exklusivrechte für bestimmte Märkte bekommen, was auch unser erklärtes Ziel war. Es begann mit der DACH-Region, dann folgte Osteuropa. Heute haben wir sieben Töchterfirmen in Ungarn, Österreich, Tschechien, Polen, der Schweiz, Rumänien und Litauen. Weitere ausländische Märkte werden über exklusive Partner betreut. Die einzelnen Ländergesellschaften nutzen gemeinsame Ressourcen. So arbeitet momentan die tschechische Firma einen Auftrag aus Polen ab, da dort die Produktion komplett ausgelastet ist. Daneben gibt es die BeeWaTec Furniture, die auf die ehemalige Haid KG zurückgeht, sowie die BeeWaTec Automation, die auf fahrerlose Transportsysteme spezialisiert ist, und die B.W.R. Security. Wir haben 2015 angefangen, Neugründungen über eine Holding zusammenzufassen.

Wirtschaftsforum: Bis 2012/13 konnte der Umsatz jedes Jahr verdoppelt werden. Gibt es einen Schlüssel zum Erfolg?

Joachim Walter: Für uns war immer klar, dass ein Produkt passen muss. Das ist bei uns der Fall. 2007 stimmte außerdem das Timing. 2008/09 kam es zur Finanzkrise, Unternehmen mussten ihre Effizienz steigern und Kosten senken; da kamen unsere Produkte genau richtig. Darüber hinaus stimmt bei uns die Qualität. Wir sind schnell, sprechen die Sprache der Kunden und sind bereit, Risiken einzugehen. Sich selbst ständig zu hinterfragen, Chancen zu erkennen und zu nutzen, das ist ganz wichtig. Wir testen viel an – Produkte, Länder und Märkte –, sind offen und flexibel. Deshalb werden wir künftig neue Märkte wie Rumänien, Bulgarien und Serbien anvisieren, stärker Onlinekanäle, sowie Kataloge nutzen und einfach schauen, wie weit wir kommen. Immer unter der Voraussetzung, dass die Basis stabil bleibt.

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