„Wir gestalten das Nervensystem der Fabrik!“

Interview mit Dr. Daniel Tomic, Geschäftsführer der Tomic TEC GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Tomic, Ihr Unternehmen tritt unter dem Leitmotiv „Products for Production“ im Markt auf – an welcher Stelle unterstützen Sie Ihre Kunden genau?

Dr. Daniel Tomic: Die Tomic TEC GmbH ist im Kern aus einem klassischen Handwerksbetrieb heraus entstanden. Vor fast 50 Jahren hat sich mein Vater mit einem Heizungs-, Klima-, Lüftungs- und Sanitärunternehmen selbstständig gemacht und sich dabei von Anfang an auf Industriekunden spezialisiert, die vornehmlich aus der Automobilindustrie stammten. Bis heute findet in diesem Segment das Gros unserer Unternehmensaktivitäten statt. Wir kümmern uns um die gesamte Infrastruktur, die erforderlich ist, um die eigentlichen Fertigungsmaschinen sowie die Werkshalle mit allem zu versorgen, was zur Produktion benötigt wird: von der Energie bis hin zur Druckluft. Unser Leistungsspektrum reicht dabei von der Planung über die Umsetzung, Ausführung und Inbetriebnahme der jeweiligen Anlagen bis hin zu den anschließenden Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, um so stets ein sicheres und stabiles Nervensystem in der jeweiligen Fabrik bereitzustellen.

Wirtschaftsforum: In diesem Kontext gibt es keine Produktionsanlagen von der Stange – wie genau gestaltet sich dabei die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden?

Dr. Daniel Tomic: Obwohl gerade in der Automobilindustrie viele Produktionsanlagen und -prozesse weitgehend standardisiert sind, unterscheiden sich allein aufgrund der individuellen äußeren Gegebenheiten in der Praxis doch viele Details. Deswegen ist für uns tatsächlich kein Projekt wie das andere. Bisweilen erhalten wir von unseren Kunden ein detailliertes Leistungsverzeichnis, zu dem wir dann ein zielführendes Angebot unterbreiten, um dann eine stringente Umsetzung auszuführen, wenn wir den Zuschlag erhalten.

Oftmals engagieren wir uns jedoch auch im Rahmen von Funktionalausschreibungen, bei denen der Kunde die gegenständliche Fragestellung skizziert, zu der wir dann eine individuelle Lösung ausarbeiten und implementieren sollen. Dabei werden wir dann beispielsweise mit einer problematischen Rauchentwicklung bei bestimmten Schweißprozessen konfrontiert, für die wir dann entsprechende Absauganlagen und -verfahren entwickeln sollen, um für eine ausreichende Luftqualität zu sorgen.

Gerade in diesem Kontext sind das tiefe fachliche Know-how sowie die volle Kreativität unserer Ingenieure und Verfahrenstechniker gefordert. Das gilt natürlich ebenso für die besonders innovativen und komplexen Projekte, in denen wir uns engagieren, etwa wenn wir die Errichtung und Inbetriebnahme hochmoderner Produktionsstraßen in der Batteriezellfertigung begleiten.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt inzwischen das Thema Nachhaltigkeit bei Ihrer Tätigkeit?

Dr. Daniel Tomic: Wir können deutlich erkennen, welche Relevanz diesem Thema von unseren Kunden mittlerweile beigemessen wird. Gerade bei der Energieversorgung lässt sich durch entsprechende Effizienzgewinne zielführend auf die angestrebte CO2-Neutralität hinwirken, wo wir entsprechend unterstützen können. Auch bei der Wärmerückgewinnung blicken wir inzwischen auf eine jahrzehntelange Facherfahrung zurück, die wir natürlich umfassend in unsere Lösungen einfließen lassen.

Wirtschaftsforum: Neben dem gewachsenen Prozess-Know-how wird dabei auch eine immer umfassendere digitale Expertise benötigt, um dauerhaft innovativ bleiben zu können. Wie geht Tomic TEC mit dieser Herausforderung um?

Dr. Daniel Tomic: Letzten Endes steht und fällt unser Erfolg mit den Menschen in unserem Unternehmen. Wir sind auf motivierte Mitarbeiter angewiesen, die Lust auf neuartige Lösungen haben und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Gerade weil wir uns vornehmlich in einer Branche engagieren, die gerade eine tiefgreifende Transformation durchlebt und dementsprechend auf der Suche nach innovativen Wegen ist, benötigen wir neben solidem Fachwissen auch ein hohes Maß an Kreativität und damit Menschen, die diese Freiheiten auch ausfüllen und sich in ihrer Tätigkeit bei uns entfalten möchten.

Dadurch, dass wir diesen unternehmensinternen Wissensaustausch ganz gezielt fördern, dass wir stets voneinander lernen wollen und unseren engagierten Projektteams das nötige Vertrauen entgegenbringen, um sich mit ihren Ideen und ihrer Expertise voll und ganz einzubringen, können wir hierfür auch die nötigen Freiräume schaffen und uns als attraktiver Arbeitgeber für entsprechend qualifizierte und motivierte Kollegen positionieren.

Die Förderung von Frauen in technischen und Ingenieurberufen liegt uns dabei besonders am Herzen – denn gerade die Vielfalt unserer Erfahrungen und Perspektiven ermöglicht uns einen holistischen Blick auf die fachlichen und betrieblichen Herausforderungen, denen wir in unserem Alltag begegnen. Nicht zuletzt deshalb liegt in einer guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein wichtiger Schwerpunkt unserer Unternehmensausrichtung.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Automobil & Fahrzeugbau

Oberflächen mit Tiefgang

Interview mit Omid Armaghan, Geschäftsführer der Tecnofirma GmbH

Oberflächen mit Tiefgang

Die Automobilindustrie steht angesichts globaler Krisen, steigender Kosten und technologischer Umbrüche unter Druck. In diesem herausfordernden Umfeld gewinnt Automation zunehmend an Bedeutung. Der gezielte Einsatz automatisierter Systeme kann dabei helfen,…

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

Lieferfähigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit in der Fernwärme

Interview mit Patrick Hollstein, Product Application Manager der LOGSTOR Deutschland GmbH

Lieferfähigkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit in der Fernwärme

Fernwärme spielt eine Schlüsselrolle für die Wärmewende, steht jedoch vor wachsenden Herausforderungen. Die LOG­STOR Deutschland GmbH entwickelt und vertreibt vorgedämmte Rohrsysteme, die eine effiziente, verlustarme Verteilung von Wärme in Fernwärmenetzen…

Spannendes aus der Region München

KI am Steuer für die Mobilitätswende

Interview mit Christian Daniel, Geschäftsführer der MOTEON GmbH

KI am Steuer für die Mobilitätswende

Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Elektrifizierung, Software-Defined Vehicles und steigende Effizienzanforderungen verändern die Architektur moderner Fahrzeuge rasant. Unternehmen wie die MOTEON GmbH, die intelligente, flexible…

Die gesamte Wertschöpfung in der Windkraft

Interview mit Mika Lange, General Manager der neowa GmbH

Die gesamte Wertschöpfung in der Windkraft

Die Neuerrichtung einer Windkraftanlage ist nur ein anfänglicher Teil der Wertschöpfungskette. Denn irgendwann werden ihr Rückbau und die Verwertung ihrer Komponenten beziehungsweise möglicherweise auch eine Zweitverwendung an einem anderen Standort…

Nachhaltigkeit im Fokus

Interview mit Bernd Loschelder, Business Unit Director Packaging der IGEPA group GmbH & Co. KG

Nachhaltigkeit im Fokus

Die Verpackungsindustrie steht vor einem Umbruch. Mit der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) ist eine neue EU-Verordnung in Kraft getreten, die auf die Reduzierung von Verpackungsabfällen, die Stärkung der…

Das könnte Sie auch interessieren

„Für uns ist Regionalität das bessere Bio!“

Interview mit Uwe Nickut, Geschäftsführer der nickut catering GmbH

„Für uns ist Regionalität das bessere Bio!“

Wer im Bergischen Land eine Schule besucht, in einem Seniorenheim lebt oder eine Klinik aufsuchen muss, hat gute Chancen, dort von der nickut catering GmbH verpflegt zu werden, die sich…

Die gesamte Wertschöpfung in der Windkraft

Interview mit Mika Lange, General Manager der neowa GmbH

Die gesamte Wertschöpfung in der Windkraft

Die Neuerrichtung einer Windkraftanlage ist nur ein anfänglicher Teil der Wertschöpfungskette. Denn irgendwann werden ihr Rückbau und die Verwertung ihrer Komponenten beziehungsweise möglicherweise auch eine Zweitverwendung an einem anderen Standort…

Nachhaltigkeit im Fokus

Interview mit Bernd Loschelder, Business Unit Director Packaging der IGEPA group GmbH & Co. KG

Nachhaltigkeit im Fokus

Die Verpackungsindustrie steht vor einem Umbruch. Mit der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) ist eine neue EU-Verordnung in Kraft getreten, die auf die Reduzierung von Verpackungsabfällen, die Stärkung der…

TOP