Erfolg in trockenen Tüchern

Interview mit Werner Blohmann, Geschäftsführer der Vossen GmbH & Co. KG

Das Unternehmen, aus dem die heutige VOSSEN GmbH & Co. KG hervorgegangen ist, wurde bereits 1925 von Burghard Vossen in Gütersloh gegründet. „Burghard Vossen hat das Material Frottee in Deutschland groß gemacht“, erzählt Geschäftsführer Werner Blohmann.

Der Diplom-Ingenieur für Textil- und Bekleidungstechnik und Wirtschaft leitet VOSSEN gemeinsam mit Paul Moor, der für das Marketing verantwortlich ist. „Außerdem hat Burghard Vossen 1951 den Frottee-Bademantel erfunden – eine Erfindung, die noch heute Millionen Menschen täglich benutzen!“

1963 ging die Produktionsstätte im österreichischen Jennersdorf in Betrieb. Zu Hochzeiten gab es auch Zweigstellen in der DDR, auf Mauritius und sogar in Südafrika. Doch die Wende setzte VOSSEN zu und so musste in den 1990er-Jahren Insolvenz angemeldet werden.

Das Handtuch zu werfen kam allerdings nicht in Frage: Das Unternehmen kämpfte und schließlich erwarb die Republik Österreich die Markenrechte. „Ein Glücksgriff für uns, aber auch für die strukturschwache Gegend im Burgenland – zeitweise waren hier bis zu 800 Leute beschäftigt.“ Seit 2004 ist VOSSEN eine 100%ige Tochter der traditionsreichen Linz Textil AG.

Auf Tuchfühlung mit den VOSSEN-Produkten

Als Frotteehersteller produziert VOSSEN alles vom Handschuh bis zum großen Badetuch. „Zusätzlich haben wir Badeteppiche und natürlich Bademäntel im Programm. Letztere lassen wir in der Türkei nach unseren Vorgaben fertigen“, sagt Werner Blohmann.

Werner Blohmann, Geschäftsführer der Vossen GmbH & Co. KG
„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist bei uns kein Lippenbekenntnis, sondern eine Selbstverständlichkeit.“ Werner BlohmannGeschäftsführer

Nachhaltigkeit steht dabei an erster Stelle. „Wir recyceln 98% der anfallenden textilen Abfälle. Unser Abwasser ist so sauber, dass es ohne Weiteres in die lokale Kläranlage eingeleitet werden darf.“ Das Jahr 2016 brachte VOSSEN einen Umsatz von etwa 34 Millionen EUR. Davon stammen gut 70% aus dem Export. „Wir liefern vor allem nach Deutschland, aber auch viel ins Vereinigte Königreich sowie mehr und mehr nach Asien.“

Mitverantwortlich für den Erfolg sind neben dem ansprechenden Design insbesondere die zahlreichen innovativen Marketing-Ideen. „Wir haben kein Budget für TV-Werbung, aber wir wachsen in den sozialen Medien und machen viele Aktivitäten direkt am Point of Sale. Unsere lebenden Schaufenster sind immer ein Hingucker!“

Fest verwoben mit der Belegschaft Jährlich investiert VOSSEN bis zu zwei Millionen EUR in den Ausbau des Standorts Jennersdorf und in neue Technologien. Noch wichtiger ist jedoch eine andere Investition: die in die 160 Mitarbeiter, die aktuell im Betrieb tätig sind. „Unser Personal ist unser größtes Kapital“, betont Werner Blohmann. „Es ist einfach, Maschinen zu kaufen, aber man braucht Menschen, die sie auch bedienen können.“

Da die heimische Textilindustrie in den letzten zehn Jahren stark zurückgegangen ist, gibt es kaum noch lokale Ausbildungsstätten. Aus diesem Grund hat das Unternehmen die VOSSEN-Denkwerkstatt gegründet. Hier wird im technischen und im kaufmännischen Bereich mit internen, aber auch externen Maßnahmen Nachwuchs ausgebildet.

Insgesamt deckt das VOSSEN-Team ein breites Altersspektrum ab. Auch beim Thema Gleichberechtigung ist VOSSEN Vorreiter. „Bei uns sind über 50% der Beschäftigten Frauen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist bei uns kein Lippenbekenntnis, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wir entlohnen Tätigkeiten, nicht Geschlechter. Übrigens gibt es auch in unserer Führungsebene mehr Frauen als Männer“, weiß Werner Blohmann zu berichten.

Mit seiner cleveren Personalpolitik ist VOSSEN für die nächsten Jahre gut gewappnet. Kein Zweifel: Die anstehenden Herausforderungen wie beispielsweise das zunehmende Online-Geschäft bieten dem sympathischen Textilunternehmen ausgeprägte Wachstumschancen.

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