Alte Maschine – neues Leben

Interview mit Sven Röcker, Fertigungsleiter der RSV-Service GmbH

„Die Kunden wollen eine veraltete Steuerung und Mechanik erneuern, aber ohne die Maschine wesentlich zu verändern“, beschreibt Fertigungsleiter Sven Röcker die Wünsche der Auftraggeber der RSV-Service GmbH Kompetenz- und Service-Center. „Man braucht Hersteller-Know-how, um das machen zu können, gerade in der Mechanik. In Steuerungsbelangen sind wir herstellerunabhängig und arbeiten hier mit Siemens zusammen. Somit können wir flexibel auf die Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden eingehen.“

Ein großer Vorteil des Retrofit-Verfahrens ist die Ressourceneffizienz. Es werden wertvolle Rohstoffe eingespart, zum Beispiel Gussteile. So kann einer vorhandenen Maschine ein- bis zweimal neues Leben eingehaucht werden.

Neue Maschinengeneration

Das 2008 von Claus Stegmaier, der das Unternehmen bis heute als Geschäftsführer leitet, und einem bereits ausgeschiedenen Partner gegründete Unternehmen bot zu Beginn ausschließlich Service, Reparaturen und Wartung für Index-Drehmaschinen an.

Mit der ersten Retrofit-Maschine inklusive neuester Steuerungsgeneration im Haus etablierte sich das innovative Unternehmen schnell am Markt. 2014 kamen Zu- und Abführungen für Werkstücke hinzu, die den Wünschen der Kunden angepasst wurden, sowie die Anmeldung von Gebrauchsmustern.

2017 folgte die Markeneinführung von Boostech, dem kompletten Retrofit-Angebot. Durch die Anschaffung von zwei weiteren Maschinen – V 200 und V 300 – zu den bereits vorhandenen G 200 und G 300 wurde das Portfolio erweitert. Noch in diesem Jahr soll mit der Index ABC der Prototyp einer völlig neuen Maschinengeneration gebaut werden. Heute macht Retrofit 60% des Auftragsvolumens aus, 40% entfallen auf den Service für ältere Maschinen.

Empfehlungs-Marketing

„Es gibt nur wenige Anbieter und wir haben viele Stammkunden“, betont Sven Röcker. „Wir überzeugen durch unsere Qualität und unsere Dienstleistung rund um Retrofit. Wir können Sonderwünsche relativ schnell umsetzen, weil wir klein und flexibel sind. Sehr wichtig ist aber die Qualität. Darauf achten auch die großen Automobilzulieferer, die zu unseren Stammkunden gehören.“

„Wir können Sonderwünsche relativ schnell umsetzen, weil wir klein und flexibel sind.“ Sven RöckerFertigungsleiter

Neben den Automobilzulieferern sind Medizintechnik und Luftfahrt weitere der ganz unterschiedlichen Branchen. Die meisten neuen Aufträge kommen durch Empfehlungen zufriedener Kunden zustande. Viel Resonanz bekam RSV auch bei der Präsenz auf der letztjährigen AMB in Stuttgart, der Fachmesse für Metallbearbeitung. Neben Deutschland ist RSV in Österreich, Tschechien und Italien aktiv. „Wir möchten in Europa weiter wachsen“, erläutert Sven Röcker den Anspruch und hat dabei als nächstes Land Polen im Blick.

Industrie 4.0

Einen hohen Stellenwert im Unternehmen hat die Digitalisierung. „Die Kundenansprüche auf diesem Gebiet steigen“, sagt der Fertigungsleiter. „Wir reagieren darauf mit virtuellen Inbetriebnahmen, Live-Reporting sowie dem Ablesen aller Daten und Fakten, die wichtig für die Produktion sind, zum Beispiel Temperaturen und Hydraulikdruck. Doch auch Fernwartung ist ein wichtiges Thema. In der Zukunft werden wir uns auch mit Predictive Maintenance befassen. Das ist eine Herausforderung, für die noch viel Entwicklungsleistung nötig ist und auch Datenschutzbelange berücksichtigt werden müssen.“

Grundsätzlich zufrieden

Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind für Sven Röcker die Mitarbeiter. „Sie sind hochqualifiziert und liefern deshalb bei den Maschinen und im Service hohe Qualität. Weil wir ein kleines Team mit 25 Beschäftigten sind, herrscht bei uns eine entspannte und lockere Arbeitsatmosphäre. Doch natürlich muss bei uns auch etwas geleistet werden.“

Wie viele andere Unternehmen leidet auch RSV unter dem Mangel an Facharbeitern. Deshalb bildet die schwäbische Firma, die einen Umsatz von 5,5 Millionen EUR erwirtschaftet, in jedem Jahr drei Industriemechaniker und Mechatroniker aus. Trotz Corona ist RSV voll einsatzfähig. So wurde die Belegschaft in unterschiedliche Teams aufgeteilt, die sich nicht begegnen.

Generell zeigen sich die Kunden aktuell zurückhaltend, doch zeichnet sich schon wieder ein leicht positiver Trend ab. „Wir wollen uns am Markt da halten, wo wir jetzt sind“, erläutert Sven Röcker das Ziel für die Zukunft. „Das passt zu uns und unserer Größe. Mit der Index ABC wollen wir im nächsten Jahr trotz Krise einen neuen Typ Maschine aufnehmen. Dafür sehen wir einen großen Markt. Diese Neuentwicklung wird den Absatz hoffentlich nach oben treiben. Grundsätzlich sind wir aber zufrieden.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Fördertechnik ohne Grenzen

Interview mit Stefano Ferrari, Global Sales Manager der Trasmec s.r.l.

Fördertechnik ohne Grenzen

Wer eine Holzwerkstoffplatte kauft, denkt kaum an die Fördertechnik, die den Holzstaub zur Presse transportiert. Die Trasmec s.r.l. aus Casalbuttano in der Provinz Cremona ist auf genau diese unsichtbaren Prozesse…

„Eigentlich hat jeder schon den Startschuss gehört!“

Interview mit Tassilo Hibler, Technical Director der SD GmbH Klaus Hirsch

„Eigentlich hat jeder schon den Startschuss gehört!“

Die SD GmbH Klaus Hirsch fertigt seit 30 Jahren hochpräzise Rohrformteile, die vorwiegend in der Automobilindustrie sowie in der Energietechnik eingesetzt werden. Inzwischen knüpft das Unternehmen aber auch Kontakte in…

Präzision, die in der Hand liegt

Interview mit Sascha Zmiskol, Geschäftsführer der Rennsteig Werkzeuge GmbH

Präzision, die in der Hand liegt

Präzise Werkzeuge sind im professionellen Einsatz weit mehr als einfache Hilfsmittel. Sie entscheiden über Effizienz, Sicherheit und Qualität: ob im Handwerk, in der Industrie, in der Kabelverarbeitung oder in hoch…

Spannendes aus der Region Landkreis Esslingen

„Entscheidend sind Qualität und Termintreue!“

Interview mit Alexander Schaal, Geschäftsführer Sport der SPORTSTÄTTENBAU Garten-Moser GmbH u. Co. KG

„Entscheidend sind Qualität und Termintreue!“

Die Unternehmensgruppe Garten Moser engagiert sich nicht nur im klassischen Garten- und Landschaftsbau, sondern auch in der Errichtung und Pflege von Outdoor-Sportanlagen: Zu den Auftraggebern zählen neben Bundesligisten auf allen…

„Uns liegt der Mehrwert unserer Kunden am Herzen!“

Interview mit Christian Kreutzer, Vertriebsleiter der Gawronski GmbH

„Uns liegt der Mehrwert unserer Kunden am Herzen!“

Mit ihrer sogenannten Goodyear-Palette, die im Reifensegment inzwischen zum Branchenstandard avanciert ist, hat sich die Gawronski GmbH längst einen Namen gemacht. Inzwischen engagiert sich das Unternehmen auch mit Förderbändern und…

Menschen, Wissen und ­Lösungen verbinden

Interview mit Thomas Knopp, CEO und geschäftsführender Gesellschafter der TK Baupartner GmbH

Menschen, Wissen und ­Lösungen verbinden

Die Bau- und Immobilienbranche steht vor großen Veränderungen: Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und komplexe Förderstrukturen prägen den Markt. Gefragt sind Partner, die technische Kompetenz mit praktischer Erfahrung und digitalen Lösungen verbinden.…

Das könnte Sie auch interessieren

„Je ausgefallener, desto lieber!“

Interview mit Gernot Ramsauer, Geschäftsführer der Langguth + Co. GmbH

„Je ausgefallener, desto lieber!“

Erst, wenn es herausfordernd wird, macht es so richtig Spaß. Das ist die Einstellung von Gernot Ramsauer, Geschäftsführer der Langguth + Co. GmbH. Das familiengeführte Unternehmen mit Sitz im Nürnberg…

„Wir lösen das“ – Ganzheitliche Systemkompetenz für die Industrie

Interview mit Henning Vogler, Geschäftsführer der Armbruster Engineering GmbH & Co. KG

„Wir lösen das“ – Ganzheitliche Systemkompetenz für die Industrie

Vom ersten Handgriff bis zur finalen Dokumentation: Die Armbruster Engineering GmbH & Co. KG aus Bremen digitalisiert industrielle Prozesse ganzheitlich. Anders als viele Wettbewerber liefert das Unternehmen nicht nur…

Zwischen Verbrenner-Aus und  Technologieoffenheit

Interview mit Rudolf Becker, Geschäftsführer und Marvin Becker, Betriebsleiter der IVP IAVF-Volke Prüfzentrum für Antriebssysteme GmbH

Zwischen Verbrenner-Aus und Technologieoffenheit

Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Elektrifizierung, neue Emissionsvorgaben und politische Unsicherheiten prägen die Entwicklung. Für Prüfdienstleister bedeutet das nicht nur neue Anforderungen, sondern auch strategische Neuausrichtungen. Die…

TOP