Die Schrittmacher

Interview mit Dr.-Ing. Klaus-Peter Tiemann, Geschäftsführer der RFT kabel Brandenburg GmbH

Der Warenzeichenverband Rundfunk- und Fernmelde-Technik, 1948 gegründet, war in der DDR seinerzeit eine ganz große Nummer: Die landesweit bedeutendste Marke bestand aus drei Kombinaten, bei denen insgesamt 90.000 Menschen arbeiteten. Mit der Wende war das vorbei. Überlebt hat als einziges Unternehmen dieses Zusammenschlusses die RFT kabel Brandenburg GmbH.

Zu verdanken ist das nicht zuletzt ihrem Geschäftsführer Dr.-Ing. Klaus-Peter Tiemann, der das Unternehmen 1994 im Rahmen eines Management-Buy-outs übernahm, um das traditionelle Warenzeichen mit neuen Managementstrukturen und Ideen weiterzuführen.

Der gelernteRadio- und Fernsehtechniker war bereits zu DDR-Zeiten beim Kombinat Rundfunk und Fernsehen und nach dem Abschluss seines ersten von drei Ingenieurstudiengängen in der RFT-Forschungsstätte in Dresden beschäftigt. Hier arbeitete er an der Entwicklung des ersten voll transistorisierten Farbfernsehers der Welt mit, entwickelte unter anderem den ersten Herzschrittmacher und DC-Defibrillator der DDR sowie ein Analysegerät für Mukoviszidose. So verwundert es nicht, dass er sagt: „Mein Leben war schon immer durch Forschung und Entwicklung geprägt.“

Einen hohen Stellenwert hatte für ihn die rechtzeitige Einleitung der Unternehmensnachfolge. Beste Voraussetzungen brachte der einzige Sohn Stefan mit, der nach einem Jahr Auslandsaufenthalt in den USA das Studium der Wirtschaftsingenieurwissenschaften (Elektro-/Informationstechnik) an der Universität Magdeburg absolvierte.

Im Internet auf der Überholspur

Sein Forschergeist hat sicherlich viel dazu beigetragen, dass sich RFT kabel zum Technologieführer entwickelt hat. In Sachen Schnelligkeit der Internetdienstleistungen hat das Unternehmen traditionell den Standort Brandenburg an der Havel und zusätzlich das durch Stefan Tiemann entwickelte und errichtete zweite Zentrum in Neuruppin (in Betrieb seit 2016).

Geschäftsführer, Klaus-Peter Tiemann
„Die Kanzlerin spricht noch von der 50-Mbit-Verbindung, aber die ist schon Geschichte.“ Klaus-Peter TiemannGeschäftsführer

Das Unternehmen hat die großen Player technologisch längst überholt. „Die Kanzlerin spricht noch von der 50-Mbit-Verbindung, aber die ist schon Geschichte. Wir versorgen bereits 20 Städte mit einer 450-Mbit-Verbindung. Schon 2025 werden wir die Gigabyte-Gesellschaft erreicht haben“, prognostiziert der Geschäftsführer und kündigt an: „Unser Weg in der Netzentwicklung wird weiter in Richtung Gigabyte- und Glasfaserausbau gehen.“

Im gesamten Land Brandenburg ist RFT kabel mit eigenen Netzen vertreten. Ihre Kunden sind überwiegend Privathaushalte, doch auch Geschäftskunden nutzen ihre Dienstleistungen. Zu diesen gehören neben schnellem Internet auch Rundfunk- und Fernsehsignale, Telefonie und Rechenzentrumsleistungen wie Hosting und Housing sowie Backups. „Wir schaffen autarke Rechenzentren, die durch keinen anderen Versorger gestört werden. Der NSA-Skandal hat gezeigt, wie wichtig das ist.“ Bereits dreimal wurde das Unternehmen mit dem höchsten Wirtschaftspreis Deutschlands, dem Großen Preis des Mittelstandes, ausgezeichnet.

Die Zukunft mitgestalten

Zurücklehnen könne man sich in seiner Branche nie, betont Klaus- Peter Tiemann: „Wir sind ständig gefordert, mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten.“ So werde das lineare Fernsehen an Bedeutung verlieren, während die Zukunft dem Internetfernsehen und den Social Media-Angeboten gehöre.

„Netflix und Co. Benötigen hohe Datenraten, damit sie funktionieren. Das eine bedingt das andere. Schnelle Autos brauchen gute Straßen und hochbitratiger Content braucht hochbitratige Breitbandanbindungen.“ Auch das Smart Home durch entsprechende Netzwerkstrukturen mitzugestalten, ist laut Klaus-Peter Tiemann ein Thema der Zukunft.

Die Zukunft des Unternehmens selbst zu gestalten, liegt in den Händen seines Sohnes Stefan, der sich nicht nur mit Technologie, sondern auch mit kaufmännischen Belangen beschäftigt. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur ist seit 2010 bei RFT kabel, seit 2011 auch Gesellschafter.

„Ich habe ihm all meine Anteile übergeben“ berichtet der Senior, der in diesem Jahr 73 wird und sich in zunehmendem Maße aus dem Geschäft zurückziehen will. Auch unter der nächsten Generation wird das Ziel klar definiert sein: „Wir müssen immer weiter neue Produkte entwickeln und unseren Kunden guten Service bieten“, steht für Klaus-Peter Tiemann fest.

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