Wie man Hygiene herstellt – an Land und auf dem Wasser

Interview mit Stephan Rein, Geschäftsführer der Rein Medical GmbH

Rein Medical ist deutschland- und europaweit führend bei Hardware und Software für medizinische Anwendungen. Als Systemdienstleister bietet das Unternehmen umfassende IT-Lösungen für Krankenhäuser und Arztpraxen. Das Leistungsspektrum reicht von Wandmonitoren und Workstations für den OP über leistungsstarke All-In-One-PCs, medizinische Monitore und speziell angepasster Software bis hin zu hygienischen Mäusen und Tastaturen auf Silikonbasis.

Rein Medical wurde im Jahr 1994 von Stephan Rein und Dieter Cyganek gegründet; damals hieß das Unternehmen noch Rein EDV-Systeme. „Wir waren beide zuvor bei einem Hardware-Distributor“, berichtet Geschäftsführer Stephan Rein. „Als dieser jedoch das Geschäft verkaufte, haben wir eine eigene Firma ins Leben gerufen. Anfangs als reines Handelshaus, vor allem für den Vertrieb von Monitoren des japanischen Herstellers Totoku. Damit erhielten wir Zugang zum Medizinmarkt.“

In der Folge hat sich Rein Medical immer mehr zum erfolgreichen Nischenanbieter von IT-Medizintechnik entwickelt. „Wir haben eine kleine Business Unit zu einem langfristigen Geschäftsmodell ausgebaut und konzentrieren uns seit 2010 ausschließlich auf den Bereich Medical IT“, so Stephan Rein.

Mit der strategischen Neuausrichtung einher ging die Umbenennung in Rein Medical; neben eigenen Produktentwicklungen kamen Softwarelösungen hinzu, insbesondere für hygienesensible Bereiche im Krankenhaus wie OP-Säle und Intensivstationen.

Nachdem Totoku von JVC akquiriert wurde, bekam auch Rein Medical engere Kontakte zu dem japanischen Hightech-Konzern. „2018 bot uns JVC ebenfalls eine Übernahme an und so sind wir heute ein Teil der großen japanischen Gruppe“, erklärt Stephan Rein, der ebenso wie Dieter Cyganek in geschäftsführender Position bei Rein Medical geblieben ist. „Obwohl wir zu JVC gehören, sind wir ein familiengeführtes Unternehmen, haben sehr loyale Mitarbeiter und flache Hierarchien.“

Vom Handelshaus zum Hersteller

Rein Medical beschäftigt über 70 Mitarbeiter am Hauptsitz in Mönchengladbach sowie in zwei Niederlassungen in der Schweiz und in Spanien. Der Umsatz beträgt rund 20 Millionen EUR. Das Unternehmen hat sich vom Handelshaus zum Hersteller entwickelt.

„Wichtig bei allen Produkten ist, dass wir Hardware und Software miteinander verbinden und damit ganzheitliche Lösungen anbieten.“ Stephan ReinGeschäftsführer
Stephan Rein, Geschäftsführer der Rein Medical GmbH

„Wir sind heute auch selber Hersteller, entwickeln und konzipieren eigene Produkte, die teilweise auch bei uns zusammengebaut werden“, erläutert Stephan Rein. „Wir sind in einem Nischenmarkt aktiv, bedienen die Medizintechnik. Hier liefern wir sowohl Hardware als auch Software, ganzheitliche Lösungen, die speziell auf medizinische Anwendungen mit hohen Hygienestandards abgestimmt sind. Aber wir decken natürlich auch andere Bereiche in Krankenhäusern ab. Dabei ist der Bereich vor und nach der Operation für uns ein wichtiges Entwicklungsfeld.“

Einen Schwerpunkt des Produktportfolios stellen Monitore und All-In-One-Computer dar: Mit seinen zwei Produktreihen CLINIO® und SILENIO® bietet Rein Medical Lösungen für alle medizinischen Einsatzgebiete, von der endoskopischen und chirurgischen Bildgebung bis zur Patientenüberwachung und Visualisierung von Röntgenaufnahmen.

Eine Besonderheit sind wasserfeste Mäuse und Tastaturen auf Silikonbasis für den medizinischen Bereich. Die Produkte der Reihe MEDIGENIC® werden unter anderem auf TUI Kreuzfahrtschiffen eingesetzt. „Wichtig bei allen Produkten ist, dass wir Hardware und Software miteinander verbinden und damit ganzheitliche Lösungen anbieten“, betont Stephan Rein. „Einzelne Produkte werden von uns auch selber entwickelt. Zum Beispiel müssen Gehäuse den Reinigungsprozeduren im Krankenhaus standhalten, das heißt geschlossen sein, aber trotzdem die eigene Hitzeentwicklung aushalten.“ Um ganze Infrastrukturprojekte abzuwickeln, hat Rein Medical vor einigen Jahren einen Netzwerkentwickler in das Unternehmen integriert.

Europaweit erfolgreich

Zu den Kunden von Rein Medical zählen hauptsächlich Krankenhäuser – und das in ganz Europa. „Außerdem sind wir in China, Indien und Japan vertreten“, sagt Stephan Rein. „Eigentlich wollten wir dieses Jahr den amerikanischen Markt aufbauen, aber durch Corona wurde dieses Projekt erstmal verschoben.“

Grundsätzlich jedoch bewegt sich Rein Medical in einem klaren Wachstumsmarkt. „Wir sind auf eine Nische spezialisiert und haben hier ein besonderes Know-how aufgebaut“, erklärt Stephan Rein. „Außerdem haben wir durch unsere starke Muttergesellschaft einen guten Rückhalt sowie ein sehr motiviertes Team, das schon lange bei uns ist.“ Gleichzeitig hat Corona den Kundenkontakt erschwert. „Videokonferenzen sind zwar ein Hilfsmittel, können aber nicht den direkten Kontakt ersetzen“, meint Stephan Rein. „Daher setzen wir in Zukunft wieder auf eine enge Kundenbindung. Wir wollen uns weiter mit dem Markt entwickeln und für unsere Kunden ein gewinnbringender Partner sein.“

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