Medizin, die zuhört und weiterdenkt

Interview mit Florian König, Geschäftsführer der HNO-Klinik Bogenhausen Dr. Gaertner GmbH

Wirtschaftsforum: Herr König, die HNO-Klinik Bogenhausen hat eine besondere Geschichte. Was macht sie heute aus?

Florian König: Unsere Klinik wurde 1953 gegründet und befindet sich bis heute in Familienhand. Dieses inhabergeführte Modell ist selten geworden – und es ist ein echter Vorteil. Wir haben kurze Entscheidungswege, können schnell reagieren und Veränderungen aktiv gestalten. Unser Standort besteht aus drei denkmalgeschützten Gründerzeitvillen in exponierter Lage in München-Bogenhausen. Das ist ein außergewöhnliches Umfeld für eine Klinik: klein, persönlich und mit hoher Aufenthaltsqualität. Wir verfügen über 20 stationäre Betten, 40 Plätze in unserer HNO-psychosomatisch ausgerichteten Tagesklinik, ein Schlaflabor mit fünf Plätzen sowie ein vorgelagertes MVZ. Mit 25 Belegärzten und insgesamt rund 125 Mitarbeitenden behandeln wir jährlich über 2.800 Patienten. Diese Größe erlaubt uns, sehr individuell auf jeden Menschen einzugehen – genau das macht unseren Charakter aus.

Wirtschaftsforum: Ihr Haus gilt als ‘Klinik des Volkes’. Was verstehen Sie darunter?

Florian König: Ganz einfach: Wir versorgen alle Patienten – gesetzlich Versicherte genauso wie Privatversicherte. Viele Menschen im Umfeld glauben aufgrund der Lage oder der Architektur, wir seien ein reines Privatkrankenhaus. Das Gegenteil ist der Fall. Unser Anspruch ist es, hochwertige Medizin für jeden zugänglich zu machen. Hinzu kommt unser ganzheitliches Selbstverständnis: Wir betrachten den Menschen nicht allein aus medizinischer Perspektive, sondern auch psychologisch und sozial. Dieses biopsychosoziale Modell prägt besonders unsere Tagesklinik, in der wir Patienten mit Tinnitus, Hörstörungen oder Schwindel interdisziplinär behandeln – von der HNO-Diagnostik über Psychotherapie bis zu Sinnes- und Bewegungstherapien.

Wirtschaftsforum: Der Gesundheitsmarkt steht stark unter Druck. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen im Alltag?

Florian König: Die Liste ist lang: Personalmangel, steigende Kosten, überbordende Bürokratie, komplexe Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsvorgaben sowie die Unsicherheiten rund um die Krankenhausreform. Viele Kliniken arbeiten am Limit – und das gilt auch für kleinere Häuser wie unseres. Gerade im administrativen Bereich sind die Anforderungen enorm gestiegen. Wir müssen immer mehr nachweisen, dokumentieren, melden. Gleichzeitig steigen Energie- und Lebensmittelpreise, während die Refinanzierung nur teilweise mithält. Für denkmalgeschützte Gebäude gelten zusätzliche Auflagen, etwa beim Thema Energieeffizienz. Das ist eine große Herausforderung.

Wirtschaftsforum: Was hilft Ihnen, diesen Druck abzufedern?

Florian König: Erstens unsere Größe. Als kleines, flexibles Haus können wir schneller Entscheidungen treffen als große Klinikkonzerne. Zweitens Digitalisierung. Wirklich sinnvoll umgesetzt, erleichtert sie viele Prozesse und entlastet das Personal. Wir arbeiten an umfassend digitalen Patientenakten, digitalen OP-Dokumentationen, automatisierten Verwaltungsprozessen und KI-gestützten Anwendungen, etwa in der Abrechnung oder Terminplanung. Das schafft Zeit für das, was im Mittelpunkt stehen soll: den Patienten. Drittens ein breites Leistungsportfolio. Neben der HNO-Chirurgie und unserer Tagesklinik bauen wir die Mund-, Kiefer- und Gesichts­chirurgie aus, weil wir hier eine wachsende Nachfrage sehen. Gleichzeitig entlasten wir große Maximalversorger, indem wir unkomplizierte Eingriffe übernehmen, damit Universitätskliniken sich stärker auf komplexe Fälle konzentrieren können.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Ihr Haus besonders von größeren Krankenhäusern?

Florian König: Unser Setting: Die drei Villen wirken nicht wie ein klassisches Krankenhaus – und genauso erleben es unsere Patienten. Es ist ruhig, überschaubar und persönlich. Dazu kommt unsere eigene Küche, die frisch kocht. Auch das trägt zur Genesung bei. Außerdem arbeiten unsere Belegärzte eng mit unseren eigenen Fachkräften zusammen. Für Patienten bedeutet das Kontinuität – vom ersten Praxisbesuch bis zur Nachsorge. Diese durchgehende Betreuung ist ein echter Qualitätsgewinn.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft – trotz aller Unsicherheiten?

Florian König: Mit Realismus, aber auch Zuversicht. Die Gesundheitsversorgung wird sich weiter verändern müssen. Wir arbeiten an einer langfristigen strategischen Aufstellung, die verschiedene Standbeine vereint: operative HNO-Medizin, konservative Behandlung, HNO-psychosomatische Versorgung und spezialisierte Bereiche wie die MKG-Chirurgie. Damit wollen wir zukunftsfähig bleiben und weiterhin das tun, was unsere Klinik seit 70 Jahren auszeichnet: Menschen helfen, Lebensqualität verbessern und ein Umfeld schaffen, das medizinische Exzellenz und persönliche Zuwendung vereint.

Wirtschaftsforum: Was motiviert Sie persönlich an Ihrer Aufgabe?

Florian König: Ganz klar der Einfluss auf das Wohl der Patienten. Wenn wir dazu beitragen können, Beschwerden zu lindern, Ängste zu nehmen und den Alltag der Menschen spürbar zu verbessern, dann ist das jede Herausforderung wert. Unsere Arbeit hat direkte Wirkung – und das ist jeden Tag mein Antrieb.

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