Mehr Wildnis als Wohlfühlzone: Was Unternehmer von Otto Bulletproof lernen können

Interview mit Ottogerd Karasch, Geschäftsführer der Bulletproof GmbH

Sein Weg vom Soldaten zum Unternehmer erzählt viel über Resilienz – und darüber, wie sich Unternehmertum in einem Land anfühlt, in dem die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden.

Mit 21: Erstes Unternehmen, noch in der Kaserne

Wenn Ottogerd Karasch von seinen Anfängen erzählt, klingt das fast beiläufig: Mit 21 gründet er sein erstes Unternehmen – einen Handel mit amerikanischen Lebensmitteln. Während andere ihre erste richtige Stelle antreten, jongliert er Dienstpläne und Lieferketten.

Der Start erfolgt klassisch klein: erst als GbR, dann sehr schnell als GmbH & Co. KG. Der Webshop wächst, irgendwann werden nicht mehr nur Endkunden beliefert, sondern auch bekannte Handelsketten. Aus einem Nischenprojekt für US-Süßigkeiten, Grillsoßen und Softdrinks wird ein veritables Handelsgeschäft.

Bemerkenswert: In dieser Zeit ist Ottogerd Karasch noch Vollzeitsoldat. Was für viele unvorstellbar wirkt – tagsüber Verantwortung in der Truppe, abends Verantwortung für ein wachsendes Unternehmen – beschreibt er nüchtern. Disziplin, klare Abläufe, Belastbarkeit: Was andere sich in Gründerseminaren aneignen, bringt Ottogerd Karasch aus dem militärischen Alltag mit.

Nach einigen Jahren verkauft er das erste Unternehmen, mit klassischem Exit und anschließendem Wettbewerbsverbot. Ganz los lässt ihn der Handel mit US-Produkten aber nicht: Nach der Sperrfrist steigt Ottogerd Karasch wieder ein, diesmal stärker in Richtung Großhandel, mit Listungen bei namhaften Handelsketten und Aktionen im Rahmen von „Amerika-Wochen“.

Ehrenkreuz der Bundeswehr und die Lehre aus Extremsituationen

Parallel zur ersten Firmengründung läuft eine Karriere, die viel darüber sagt, warum Ottogerd Karasch heute so denkt, wie er denkt: Er ist lange Soldat, unter anderem Fallschirmjäger. Die Firma baut er buchstäblich „nebenher“ auf.

Irgendwann wird er für seine Leistungen mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr in Gold gewürdigt, eine der höchsten Auszeichnungen, die es in diesem Kontext gibt. Diese Kombination – Einsatz, Verantwortung, Auszeichnung – ist kein schmückender Lebenslaufpunkt, sondern prägt seine Sicht auf Unternehmertum.

Krisen sind für Ottogerd Karasch kein theoretisches Szenario. Er kennt Situationen, in denen Entscheidungen unter Druck getroffen werden müssen und die Konsequenzen real sind. Genau dieses Mindset überträgt er in seine Unternehmen: vorbereitet sein, handlungsfähig bleiben, nicht in Panik verfallen.

Heute ist Ottogerd Karasch mit mehreren Firmen unter einer Holdingstruktur aufgestellt, die langfristig in eine Stiftung eingebracht wird. Das Ziel: nicht nur operativ, sondern strukturell resilient sein – weniger abhängig von einzelnen Standorten oder politischen Wetterlagen. Über alle Gesellschaften und Beteiligungen hinweg spricht er von rund 100 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich.

Abenteuer als Geschäftsmodell – aber mit unternehmerischer Tiefe<

Das zweite Standbein baut Ottogerd Karasch sich auf, als er vor knapp fünf Jahren mit Abenteuertouren und Kamera experimentiert. Was zunächst wie ein persönliches Projekt wirkt, entwickelt sich schnell weiter: Er dreht Formate in extremeren Umgebungen, lebt mit Ureinwohnern in Brasilien, lässt sich in der kanadischen Wildnis aussetzen, baut anspruchsvolle Touren auf – und dokumentiert das. Ein Großteil der Inhalte landet auf seinem YouTube-Kanal, der inzwischen über 1 Million Follower erreicht. Weitere Produktionen verkauft Ottogerd Karasch an Fernsehsender und Streamingdienste; Formate mit ihm laufen unter anderem bei bekannten Privatsendern und auf Plattformen wie Joyn.

Dabei ist „Abenteurer“ für Ottogerd Karasch mehr als ein Marketinglabel. Er beschreibt sich selbst als professionellen Abenteurer, dessen Alltag aus Drehs, Projekten und Touren besteht – mit einem Team im Hintergrund, das Marketing, Produktion und Handel zusammenhält.

Für ihn ist das mehr Freiheit als Inszenierung: Er kann ortsunabhängig arbeiten, neue Formate ausprobieren, Kooperationen eingehen – und gleichzeitig aus genau dieser Freiheit ein stabiles Geschäftsmodell formen. Die Bulletproof GmbH bündelt diese Aktivitäten: Medien, Markenkooperationen, Abenteuerformate und die Verbindung zum Handel mit amerikanischen Produkten.

„Es macht einem unternehmerisch immer weniger Spaß, in Deutschland zu sein“

So sehr Ottogerd Karasch Abenteuer liebt, so wenig romantisch spricht er über den Wirtschaftsstandort Deutschland. Im Gespräch mit dem Wirtschaftsforum wird deutlich, wie sehr ihn die Entwicklungen der letzten Jahre beschäftigen.

Er beobachtet, dass die Menschen vorsichtiger geworden sind, Ausgaben verschieben und genau überlegen, wofür sie noch Geld in die Hand nehmen. Gerade der physische Handel spürt das. Hinzu kommen Auflagen, Regularien und europäische Vorgaben, die den Import von Lebensmitteln aus den USA zunehmend komplex machen.

„Es macht einem unternehmerisch immer weniger Spaß, in Deutschland zu sein“, sagt Ottogerd Karasch offen. Er schaut sich deshalb längst bewusst auch außerhalb des Landes um – nicht aus kurzfristiger Frustration, sondern als strategische Option. Länder, in denen Unternehmertum stärker gefördert und weniger misstrauisch betrachtet wird, sind für ihn zunehmend attraktiv.

Gleichzeitig denkt Ottogerd Karasch als Vater über die nächste Generation nach: über die Frage, wie sich ein Land entwickelt, das hohe Sozialleistungen verspricht, gleichzeitig Schulden anhäuft und Unternehmen immer stärker reguliert. Wenn ein Land ein hohes Bruttoinlandsprodukt ausweist, aber trotzdem „Kosten bis zum Abwinken“ und wachsende Schulden hat, dann laufe erkennbar etwas schief, so seine Einschätzung.

Seine eigene Antwort darauf ist konsequent: Strukturen schaffen, die auch in schwierigen Zeiten funktionieren, Verantwortung übernehmen – und nicht darauf warten, dass politische Rahmenbedingungen ideal werden.

Die Geschichte von Ottogerd Karasch zeigt, wie eng Resilienz, Unternehmertum und persönliche Biografie zusammenhängen können. Aus dem Soldaten ist ein Unternehmer geworden, der gelernt hat, mit Unsicherheit umzugehen – und der genau deshalb sehr klar auf die wirtschaftliche Lage blickt. „Otto Bulletproof“ ist für ihn kein Spitzname, sondern Programm.

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