Nichts läuft ohne Wälzlager

Interview mit Michael Hartmann, Geschäftsführer der FLT-Wälzlager GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hartmann, würden Sie uns zunächst einen Einblick in die Historie des Unternehmens geben?

Michael Hartmann: FLT wurde 1949 in Polen gegründet. 1973 – sehr früh für ein polnisches Unternehmen – trat man in den westeuropäischen Markt ein. Ein weiterer Meilenstein war das Jahr 2000, als die Zusammenarbeit mit starken chinesischen Fertigungspartnern begann, die das Portfolio sinnvoll ergänzten. Seit 2021 sind wir Teil der XCC Gruppe, einem chinesischen Wälzlagerkonzern – für uns ein wichtiger Schritt, denn seitdem wird wieder massiv in die Fertigung investiert. Ich selbst bin 2017 von einem anderen Wälzlager-Unternehmen als technischer Leiter zu FLT gewechselt und seit Kurzem Geschäftsführer.

Wirtschaftsforum: Welche Produkte stellt FLT im Einzelnen her?

Michael Hartmann: Unsere Kernprodukte sind Wälzlager, Gelenkköpfe und Schmiedeteile. Darüber hinaus verfügen wir über ein komplettes Sortiment an Edelstahlprodukten, Keramiklagern, Hybridlagern und stromisolierenden Lagern. Meistens handelt es sich um kundenspezifische Produkte, basierend auf Normgrößen. Wir liefern aber auch Sondertypen. Besonders stark sind wir in den Bereichen industrielle Getriebe und Elektromotoren, aber auch in der Landtechnik, bei Fahrzeugachsen und allgemein in der Automobilindustrie. Die Produkte beziehen wir von den weltweiten Fertigungsstandorten. Die FLT-Wälzlager GmbH ist ein reiner Vertriebsstandort für die DACH-Region, Benelux und Skandinavien mit sechs Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 23 Millionen EUR. 

Wirtschaftsforum: Was zeichnet Ihr Unternehmen im Wettbewerb besonders aus?

Michael Hartmann: Eine unserer Stärken ist, dass wir auch kleinere Jahresmengen oder Stückzahlen fertigen können. Andere fangen erst bei fünfstelligen Mengen an. Unsere Kunden schätzen außerdem unsere kurze Reaktionszeit und den in vielen Fällen besseren und schnelleren Service. Wir liefern sehr schnell und können dank der weltweiten FLT- und XCC-Werke nahezu alles anbieten. Die Spannbreite reicht von wenigen Millimetern bis zu Großwälzlagern von mehreren Metern Durchmesser.

Hinzu kommt, dass sich die Entwicklungszeiten im Vergleich zu früher erheblich verkürzt haben. Heute wird erwartet, dass bereits nach zwei Wochen ein Ergebnis vorliegt – und genau das können wir leisten: Wir gehören zu den wenigen Anbietern im mittleren Marktsegment, die über das Simulationssoftwarepaket der Firma ROMAX verfügen. ROMAX ist führend in der Simulation von Wälzlagern innerhalb kompletter Antriebsstränge. Mit dieser Software lassen sich Antriebssysteme präzise nach Kundenvorgaben modellieren. So ermöglichen wir eine äußerst genaue Simulation der technischen Gegebenheiten. Die Software ist sehr kostenintensiv und wir sind stolz darauf, sie für unsere Kunden einzusetzen und ihnen diesen Service kostenlos anzubieten. Es mag bekanntere Marken als uns geben, aber wir fühlen uns im oberen Mittelfeld wohl, weil wir hier unsere Werte hochhalten können.

Wirtschaftsforum: Welche Themen beschäftigen Ihre Kunden gerade am meisten?

Michael Hartmann: Die Produktqualität wird stärker hinterfragt; die Dokumentation hat hier stark zugenommen. Dass das System bei uns funktioniert ist daran zu erkennen, dass es in den acht Jahren, die ich bei FLT bin, keine nennenswerten Reklamationen in Bezug auf die Qualität gab. Der allgemeine Preisdruck ist in der Branche immens, es gibt viele Player am Markt. Immer wichtiger wird das Thema regenerative Energiegewinnung. Unsere Werke haben bereits Solarpaneele auf den Dächern, Abwässer können wir zunehmend selbst reinigen und in der Fertigung gehen wir neue Wege, zum Beispiel indem wir im Härtevorgang ein Salzbad statt eines Ölbades verwenden. Die Kunden fragen aktiv Umweltzertifikate nach, aber auch Zertifikate, die belegen, dass die Produkte nicht in Kinder- oder Zwangsarbeit gefertigt wurden. 

Wirtschaftsforum: FLT ist schon eine lange Zeit am Markt. Was macht das Unternehmen Ihrer Meinung nach so erfolgreich?

Michael Hartmann: Ich denke, ein wichtiger Faktor ist, dass wir sehr lösungsorientiert sind. Wir sind immer ansprechbar in Bezug auf Kundenwünsche. Mit unseren Kunden sind wir in engem Kontakt und haben dabei stets den Blick nach außen. Unsere wichtigsten Kunden sind uns schon seit Jahrzehnten treu. Sie wissen, dass wir unkompliziert und unbürokratisch sind.

Wirtschaftsforum: Wie sehr trifft Sie der Fachkräftemangel? 

Michael Hartmann: Wir haben zum Glück sehr wenig Fluktuation. Die Mitarbeiter sind zufrieden und grundsätzlich lange im Unternehmen. Das liegt sicher an unserem humanen Arbeitsklima. Aber auch unsere Internationalität macht uns als Arbeitgeber interessant. Im Umkreis des Standorts Düsseldorf haben wir bisher immer passendes Personal gefunden, das wir intern weiterqualifizieren. Wir bieten verschiedene Trainingsmaßnahmen an, auch im Bereich Fremdsprachen. 

Wirtschaftsforum: Abschließend noch eine persönliche Frage: Was ist für Sie die größte Motivation bei Ihrer Arbeit?

Michael Hartmann: Meine Motivation kommt aus dem Produkt selbst. Wälzlager sind unglaublich vielseitig. In jedem Pkw stecken bis zu 100 davon in verschiedensten Größen und Materialien. Ich lerne jede Woche dazu, und neue Lösungen sowie das wachsende Portfolio begeistern mich immer wieder.

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