Klimafreundliche Kältetechnik

Interview mit Mathias Gaffke, Geschäftsführer der pakt GmbH

Die pakt GmbH – die Abkürzung pakt steht für Potsdamer Anlagenbau und Kältetechnik – ist auf die Entwicklung, die Projektierung und den Bau von kältetechnischen Anlagen für Industrie und Gewerbe spezialisiert. Zu den Kunden des mittelständischen Unternehmens mit Sitz in Potsdam gehören Brauereien und Molkereien, Lebensmittelproduzenten, insbesondere fleisch- und fischverarbeitende Betriebe, Logistikzentren und Industriehallen sowie eine Vielzahl weiterer Branchen im In- und Ausland.

„Derzeit sind wir neben Deutschland hauptsächlich in Mexiko, Afrika und Südostasien tätig“, erläutert Geschäftsführer Mathias Gaffke, der seit 1997 bei pakt ist und an seiner Arbeit vor allem die stets wechselnde Herausforderung bei neuen Projekten schätzt. „Ein Kunde hat mich einmal auf einer Baustelle in Russland gefragt, ob ich schon mal so eine Anlage gebaut hätte. Meine Antwort war ‘Nein’, was bei dem Kunden großes Erstaunen auslöste. Jede Anlage ist anders und auf die jeweiligen Kundenanforderungen abgestimmt. Das macht die Sache so spannend. Unser Fokus liegt auf dem direkten Kundenkontakt. Wir realisieren jede Anlage individuell, von der Planung bis zur schlüsselfertigen Übergabe.“

Eines sei jedoch immer gleich, wie der Geschäftsführer betont: „Jede Kälteanlage ist so ausgelegt, dass sie möglichst effizient läuft und ökologisch nachhaltig ist. Deshalb nutzen wir schon seit langer Zeit das natürliche Kältemittel Ammoniak, das keinen direkten Treibhauseffekt hat und dessen ‘Global Warming Potential’ so gleich null ist.“

Umsatz schwankt projektabhängig

pakt arbeitet herstellerunabhängig und realisiert Kälteanlagen im Leistungsbereich von 5 kW bis zu zweistelligen MW-Zahlen. Die Ursprünge des Unternehmens gehen auf einen 1946 gegründeten Handwerksbetrieb zurück, der mit Kühlschränken handelte und diese reparierte. Später wurde hieraus der Volkseigene Betrieb Kältetechnik, welcher 1990 im Rahmen eines Management-Buy-out privatisiert wurde. pakt wurde damit zum größten Anbieter für Kältetechnik in Brandenburg.

„1996/97 haben wir dann beschlossen, uns auf Industriekältetechnik zu konzentrieren und bevorzugt das natürliche Kältemittel Ammoniak einzusetzen“, so Mathias Gaffke. Heute erwirtschaften 55 Mitarbeiter einen Umsatz zwischen 11 und 16 Millionen EUR. „Aufgrund der Größe der Anlagen schwankt der Umsatz projektabhängig relativ stark“, erklärt Mathias Gaffke.

Mathias Gaffke, Geschäftsführer der pakt GmbH
„Wir nutzen das natürliche Kältemittel Ammoniak, dessen ‘Global Warming Potential’ gleich null ist.“ Mathias GaffkeGeschäftsführer

Zum aktuellen Thema Industrie 4.0 kooperiert pakt mit der Technischen Hochschule Wildau. „Durch die ständige Überwachung von Kälteanlagen wird eine vorbeugende Instandhaltung möglich“, sagt Mathias Gaffke. „Durch die Vernetzung können auch Wetterprognosen einbezogen werden, sodass zum Beispiel ein Tiefkühllager in der Nacht vor einem Wärmeanstieg zwei bis drei Grad tiefer gekühlt werden kann. Das trägt auch zur Energieeffizienz bei, denn nachts ist Strom günstiger und tagsüber kann man die Kühlanlage ausschalten, da genug Speichervolumen vorhanden ist. Wir bauen gerade eine Versuchsanlage hierzu.“

Für die Zukunft sieht sich pakt gut gerüstet: „Die neue F-Gas-Verordnung verlangt die Ablösung von Kältemitteln mit hohem ‘Global Warming Potential’“, erklärt Mathias Gaffke. „In Gegensatz zu vielen anderen Kälteanlagenbauern müssen wir uns nicht umstellen. Leider sind die zuständigen Ämter für die Genehmigung nicht immer mit dem Stand der Technik vertraut, und die Gesetzgebung für den Bau von Anlagen wird immer mehr verschärft. Ammoniak als Kältemittel ist ein Naturstoff und nicht so umweltschädlich wie andere, die nach der neuen Kältemittelverordnung verschwinden müssen.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Dr.-Ing. Ansgar Kaupp, CEO und Partner der EyeC GmbH

Fehlerfreiheit als Wettbewerbsvorteil

Fehlerhafte Verpackungen können Millionen kosten – durch Rückrufe, Lieferengpässe oder regulatorische Folgen. Genau hier setzt die EyeC GmbH mit intelligenten Inspektionssystemen an, die Druckbilder, Barcodes und selbst Brailleschrift zuverlässig prüfen.…

Engineering für besondere Aufgaben

Interview mit Dr. Wolfgang Heimberg, Geschäftsführer der HTI Automation GmbH

Engineering für besondere Aufgaben

Vom Physiker in der Automobilentwicklung zum Unternehmer in der Laborautomation: Dr. Wolfgang Heimberg hat mit der HTI Automation GmbH einen Spezialisten aufgebaut, der sich bewusst zwischen Standard und Individualität positioniert.…

Im (Material-)Fluss bleiben

Interview mit Patrick Schlotter, Geschäftsführer der Flexco Europe GmbH

Im (Material-)Fluss bleiben

In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, volatiler Lieferketten und steigender Anforderungen an Effizienz und Anlagenverfügbarkeit rückt die Zuverlässigkeit industrieller Prozesse zunehmend in den Fokus. Gerade in automatisierten Materialflüssen sind stabile, wartungsarme Lösungen…

Spannendes aus der Region Potsdam

Die Harmonie des Ganzen

Interview mit Robert Patzschke, Geschäftsführer der Patzschke Planungsgesellschaft mbH

Die Harmonie des Ganzen

Berlin – eine Stadt mit vielen Gesichtern, eine Stadt der Umbrüche, Neuanfänge, des beständigen Wandels. Patzschke Planungsgesellschaft mbH bringt mit ihrer klassisch-traditionellen Architektursprache Ruhe und Harmonie in das Berliner Stadtbild.…

Tiefe statt Breite: Spezialisierung als strategische Antwort im Tiefbau

Interview mit Steffen Runge, Geschäftsführer der Gottlieb Tesch Kanal- und Rohrleitungsbau GmbH

Tiefe statt Breite: Spezialisierung als strategische Antwort im Tiefbau

Nur wenige Unternehmen im Bauwesen können auf eine Geschichte von eineinhalb Jahrhunderten zurückblicken – und noch wenigeren ist es gelungen, sich dabei immer wieder neu zu erfinden. Beständigkeit, Anpassungsfähigkeit und…

Großbau auf sicherer Basis

Interview mit Thomas Meyer, Gründer und Geschäftsführer der Meyer Erdbau GmbH

Großbau auf sicherer Basis

Bevor Bauwerke entstehen, müssen komplexe Aufgaben im Untergrund gelöst werden – präzise, terminsicher und in großen Dimensionen. Genau hier liegt die Stärke der Meyer Erdbau GmbH mit Sitz in Schönwalde-Glien…

Das könnte Sie auch interessieren

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Interview mit Thomas Waggershauser, Geschäftsführer der acontis technologies GmbH

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Ihre Lösungen kommen beim Start der Ariane 6 genauso zur Anwendung wie im Automotive-Segment oder in der Halbleiterindustrie. Trotzdem dürften nur Brancheninsider jemals von acontis technologies gehört haben. Dem Erfolg…

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Interview mit Stephan Riese, CEO der reputatio systems GmbH & Co. KG

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Was braucht ein Unternehmen wirklich, um zu funktionieren? Für Stephan Riese ist die Antwort klarer, als viele denken. Mit reputatio systems entwickelt er Lösungen, die Komplexität reduzieren. Ein Gespräch über…

Vom Familienbetrieb zur  Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Interview mit Antonio ­Cervino, Geschäftsführer der Steegmüller Kaminoflex GmbH

Vom Familienbetrieb zur Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Volatile Energiemärkte, politische Unsicherheiten und steigende Qualitätsanforderungen prägen die Schornsteinbranche. Die Steegmüller Kaminoflex GmbH steht für Systemkompetenz und Fertigungstiefe. Mit der Integration in die italienische EXPO Inox Gruppe beginnt ein…

TOP