SuperComputer: stark durch energieeffiziente Lösungen

Interview mit Dr. Axel Auweter, CTO und André Singer, COO der MEGWARE Computer Vertrieb und Service GmbH

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1990 begann MEGWARE mit sechs Mitarbeitern mit der Fertigung von Computern. In den ersten zehn Jahren seines Bestehens eröffnete das Unternehmen 37 Filialen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern. „Dann kamen Großmärkte wie MediaMarkt und Saturn auf den Markt, und wir mussten uns neu aufstellen“, berichtet COO André Singer, der bereits 1993 zu MEGWARE kam und seit drei Jahren Mitglied der Geschäftsleitung ist. Er erzählt weiter: „Da wir ein Faible für spezielle IT-Produkte hatten, sind Universitäten an uns herangetreten. Für sie haben wir ein System aus einzelnen PCs als ersten Großrechner gebaut. Das war unser Einstieg in das High-Performance-Computing.“

Im Lauf der Zeit hat sich MEGWARE zu einem High-Performance-Anbieter entwickelt. Die Filialen wurden aufgegeben. Auch CTO Dr. Axel Auweter ist seit drei Jahren in der Geschäftsleitung bei MEGWARE. 2016 ist der Informatiker als Entwicklungsleiter eingestiegen. Er hatte sich zuvor mit wissenschaftlichen Hochleistungsrechnern beschäftigt und forschte zum Thema Stromverbrauch und Energieeffizienz der Rechner. „Im Zuge dessen sind Prototypen energieeffizienter Rechner entstanden; einer davon mit MEGWARE“, erzählt er.

Effiziente Wasserkühlung

MEGWARE hat auch ein Systemhausgeschäft aufgebaut, mit einer Sparte für IT-Dienstleistungen für Behörden und den Bildungssektor. „Damit schließt sich ein Kreis: Großrechner digitalisieren die Forschung, mit den Tafelsystemen in den Klassenzimmern digitalisieren wir die Bildung“, sagt Axel Auweter. Er berichtet außerdem von einem weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte: „Wir haben das Thema Wasserkühlung im Rechnerbetrieb mit der Energieeffizienz verbunden. Das Ergebnis war eine eigene Entwicklung im Design der Kühlung, des Gehäuses und der Stromversorgung.“

Der Informatiker erklärt, wie effizient diese Kühlung ist: „Ein klassisches Rechenzentrum wird auf eine Raumtemperatur von 25 Grad heruntergekühlt. Wir konnten diese Rechner mit einer Temperatur von 45 Grad auf dem gleichen Niveau kühlen. Das funktioniert selbst an heißen Sommertagen ohne zusätzliche Energie.“

Die ersten Systeme wurden 2012 gebaut und seitdem immer weiterentwickelt. Heute weiß man um die Vorteile, so Axel Auweter: „Drei Viertel der großen Systeme werden inzwischen mit Wasserkühlung gekühlt. Mit zehn Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet wissen wir sehr genau, was wir tun.“

Wettbewerbsvorteile durch Computersimulationen

Das Unternehmen beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und realisiert Projekte von bis zu zehn Millionen EUR. Dabei handelt es sich um die Entwicklung und Installation von HPC-Systemen und Linux Clustern. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen Computersimulationen. Axel Auweter erklärt, warum: „In den Naturwissenschaften wie der Physik oder der Chemie sind sie schon lange ein Thema. In den Bereichen Lebens- und Pharmawissenschaften hat es jetzt richtig Fahrt aufgenommen. Hier geht es oft um Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Wirkstoffen oder Vorgänge auf molekularbiologischer Ebene. Das ist auch jetzt bei Covid relevant.“

Doch auch die Industrie setzt immer häufiger auf das Vehikel der Simulation, etwa bei Strömungsberechnungen oder Crashtests. „Selbst in den Geisteswissenschaften vermischt sich das Thema mit der Analyse großer Datenmengen“, fügt Axel Auweter hinzu. Die Tatsache, dass in Wissenschaft und Wirtschaft durch HPC und Simulationen Wettbewerbsvorteile entstehen, beschäftigt inzwischen auch die Politik – auch auf europapolitischer Ebene. 70% der Kunden von MEGWARE kommen aus dem öffentlichen Bereich, 30% mittlerweile aus der Industrie.

Anbieter von Komplettlösungen

Die beiden Geschäftsführer sehen im Wettbewerb mit großen Konzernen für MEGWARE als KMU den Vorteil, dass man aufgrund der Größe relativ flexibel sei. Zudem bietet das Unternehmen ein eigenes Produktportfolio mit allem, was an CPU- und Speichertechnologie am Markt verfügbar ist, und ist in der Industrie mit Zulieferern und Partnern gut vernetzt. Der geografische Fokus liegt auf der DACH-Region, MEGWARE hat aber in fast allen europäischen Ländern bereits Installationen durchgeführt.

Allein in Deutschland sind mehr als 100 kleinere Hochleistungsrechner an Universitäten in Betrieb, die zum großen Teil von MEGWARE gebaut wurden. Auch die großen Hochleistungsrechenzentren, deren Systeme regelmäßig eine Platzierung in der Top-500-Liste der schnellsten Supercomputer der Welt erreichen, greifen regelmäßig auf die Expertise der Sachsen zurück. Geplant ist, sich immer mehr zum Anbieter von Komplettlösungen zu entwickeln.

„Wir holen den Kunden da ab, wo er steht, und wollen ihn noch besser mit Services unterstützen – vom Naturwissenschaftler, der ein zuverlässiges System sucht und weiß, was er braucht, bis hin zu Neulingen wie den Geisteswissenschaftlern“, sagt Axel Auweter. André Singer weist außerdem auf eine wichtige beratende Rolle von MEGWARE hin: „Wir sind in den europäischen Gremien vertreten, um die Prozessortechnologie der nächsten Jahre mitzubeeinflussen.“

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