Datenretter und Legal Tech-Anbieter: Alle Daten im Visier

Interview mit Peter Böhret, Geschäftsführer der KLDiscovery Ontrack GmbH

Der Ursprung von KLDiscovery Ontrack liegt in den USA, wo 1985 das Softwareunternehmen Ontrack gegründet wurde. Schon bald begann dieses, sich mit der Wiederherstellung von Daten auf beschädigten Festplatten zu beschäftigen.

In den 1990-er-Jahren wurde die Dienstleistung eDiscovery angeboten, um Daten für Rechtsstreitigkeiten, interne Untersuchungen und behördliche Anfragen zum Beispiel für kartellrechtliche Untersuchungen zur Verfügung zu stellen.

Die erste deutsche Niederlassung mit Datenrettungslabor und Reinraum entstand 1996 in Böblingen. Seit 2017 firmiert das Unternehmen unter KLDiscovery Ontrack. Peter Böhret, seit 1999 Geschäftsführer der KLDiscovery Ontrack GmbH, berichtet über die heutige Aufstellung: „Das Headquarter befindet sich nach wie vor in den USA. Im DACH-Raum sind wir mit Standorten in Deutschland und der Schweiz vertreten. Weltweit haben wir 21 Niederlassungen, darunter eine Tochterfirma der deutschen GmbH in Polen.“

Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 1.200 Mitarbeiter. Der Umsatz des Standorts in Böblingen liegt bei zehn Millionen EUR.

Von DIY-Software über Datenrettungsservices bis zur Unterstützung bei rechtlichen Anforderungen

KLDiscovery betreibt die zwei Divisionen Data Storage Technology und Legal Technology. „Data Storage Technology beinhaltet Softwarelösungen, Datenrettung in Labor, Reinraum und über Remoteverbingung sowie Datenlöschung-Software und Hardware. Der Dienstleistungsanteil beträgt hier 82%“, erklärt Peter Böhret. Im Bereich Legal Technology bietet KLDiscovery Lösungen für Anwaltskanzleien und Firmen, mit denen für rechtliche oder interne Angelegenheiten relevante Daten aus großen Datenmengen gesammelt, gefiltert und aufbereitet überprüft werden können. Ein ähnliches Verfahren wird zur Spurensuche auch im Bereich Computerforensik eingesetzt.

„In dieser Division erbringen wir zu 95% Dienstleistungen“, so der Geschäftsführer. Bei den Kunden von KLDiscovery handelt es sich um IT-Dienstleister und IT-Abteilungen großer Unternehmen. Peter Böhret ist in Böblingen ein 'Mann der ersten Stunde' und hat beobachtet: „Die Wünsche der Kunden sind größer geworden. Alles soll sofort passieren. Dementsprechend müssen unsere internen Systeme größer sein.“ Die 'Cloud-Welle', die sich vor zehn Jahren aufgebaut habe, habe sich nicht so wie erwartet entwickelt. „Damals sollten alle Daten in die Cloud gehen. Das ist nicht passiert. Nur einige Daten liegen heute in der Cloud. Unternehmen haben zwar eigene Cloud-Lösungen, dennoch sind viele Daten weiterhin auf Datenträgern gesichert.“

Die Festplatte bleibt

Der Geschäftsführer fasst zusammen, was das Unternehmen besonders auszeichnet: „Wir haben eine eigene Entwicklungsabteilung. Dadurch vereinen wir Service und Entwicklung und können notwendige Anpassungen jederzeit vornehmen. Außerdem haben wir hohe Qualitätsstandards.“ Mit 62 Mitarbeitern sei man noch klein genug, um intensiv auf den Kunden eingehen zu können. Für Peter Böhret steht fest: „Auch in Zukunft werden wir auf die Festplatte nicht verzichten können. Dieser Markt wird bestehen bleiben und ist für uns der Weg in die Zukunft.“

Die Digitalisierung im Kundenbereich ist ein Thema, das er weiter vorantreiben will. „Hier sind wir noch nicht da, wo ich gern wäre“, sagt er. Dass KLDiscovery oft auch als Retter in der Not agiert, ist für Peter Böhret besonderer Antrieb. Er betont: „Die größte Motivation ist für mich den Kunden zu helfen, besonders in Situationen, die für sie ausweglos erscheinen. Ich bin seit über 20 Jahren dabei, und die Motivation ist mir noch nie abhandengekommen.“

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