Bio ist für uns kein Trend, sondern Überzeugung

Interview mit Volker Schmidt-Sköries, Geschäftsführer der Kaiser.Die Vollkornbäckerei GmbH

„Wir sind leidenschaftliche Bäcker“, erklärt Geschäftsführer Volker Schmidt-Sköries die Philosophie des Unternehmens. „Wir definieren unsere Arbeit nicht nur über Produktion, sondern auch über die fachliche, soziale und spirituelle Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter. Arbeitszeit bedeutet letztendlich Lebenszeit. Deshalb planen wir in die Arbeitszeit auch Mußezeiten oder Weiterbildungszeiten oder sogar Körpertherapie mit ein. Wir haben auch einen Mental-Trainer engagiert, mit dem die Mitarbeiter sich menschlich weiter entwickeln können.“

Gewinne werden geteilt

Ebenfalls eher selten in der Branche: das Unternehmen teilt seine Gewinne ab einer festgesetzten Größenordnung, mit seinen Mitarbeitern, mit Landwirten der Region oder spendet an Klimaschutzprojekte. „Unser Gewinnverständnis ist etwas anders“, so Volker Schmidt-Sköries. „Es ist wirtschaftlich-ethisch geprägt. Gewinn bedeutet für uns immer teilen. Unseren Mitarbeitern bezahlen wir darüber hinaus noch Leistungsprämien – das gibt es in unserer Branche auch eher selten.

Herzensangelegenheit junge Menschen

Eine besondere Herzensangelegenheit ist für Biokaiser – so das Label des Unternehmens – dabei die Weiterentwicklung junger Menschen. Mit rund 40 Auszubildenden beschäftigt man mit Abstand die meisten Auszubildenden in der Rhein-Main Bäckerbranche.

„Wir möchten die jungen Leute nicht nur fachlich weiterbilden“, so Volker Schmidt-Sköries. „Natürlich ist es uns sehr wichtig, dass die jungen Menschen unseren ganzen Bio-Produktionsprozess verstehen, vom Landwirt bis zum fertigen Produkt. Aber darüber hinaus beschäftigen wir eine Sozialtherapeutin, die mit unseren Auszubildenden Personalentwicklung betreibt. Einmal im Moment mache ich selbst einen Azubi-Stammtisch, wo die jungen Leute über ihre Themen und Probleme reden können. All dies entspricht unserer Personalphilosophie, aber auch meiner persönlichen Einstellung.“

Ein Beitrag zum Gemeinwohl

„Unsere Wirtschaftsethik basiert auf einer Balance zwischen verschiedenen Qualitäten und Quantitäten“, erklärt er weiter. „Wir sind Anhänger der Gemeinwohlökonomie und überzeugt, dass ein Unternehmen einen Beitrag zum Gemeinwohl leisten muss.“

Der Biokaiser unterstreicht seine Philosophie regelmäßig mit spürbaren Taten und Aktionen. So hat das Unternehmen zum Beispiel im vergangenen Jahr an jedem Fridays for Future eine Stunde lang seinen gesamten Ertrag an Fridays for Future gespendet. Ebenfalls im vergangenen Jahr hat man den Landwirten in Stolberg insgesamt 50.000 EUR über dem Marktpreis bezahlt. Gemeinsam mit den Bauern vor Ort engagiert man sich in Saatgut-Entwicklungen.

„Über solche Aktionen und Kooperationen wachsen individuelle Partnerschaften – aber auch die Erträge“, erklärt der Geschäftsführer. Zudem merken die Leute, dass wir mehr als Produkte bieten: wir bieten eine Haltung und Überzeugung.“

Mit rund 70% Anteil am Gesamtgeschäft sind Brot und Brötchen die Hauptprodukte von Biokaiser. Rund 30% entfällt auf Produkte der Feinbäckerei, auf Snacks und belegte Brötchen. Das Sortiment ist groß und abgestimmt auf die jeweiligen Verkaufsstellen. Biokaiser verkauft seine Produkte über 18 eigene Bäckereifilialen, aber hauptsächlich über den Biohandel in der Region, zum Beispiel über Bio-Supermärkte. Auch Kindertagesstätten zählen zum festen Kundenkreis des Biokaisers.

„In unseren Läden tragen wir ebenfalls unsere wirtschaftsethische Philosophie nach außen“, so Volker Schmidt-Sköries. „Jeder Laden ist individuell und einladend und man kann und muss ihn neu entdecken. Das wissen unsere Kunden sehr zu schätzen und unterscheidet uns von den Bäckereiketten.“

Biokaiser – ein Bekenntnis

Seit zwei Jahren vertreibt man die Produkte unter der Marke Biokaiser. „Mit der Entwicklung der Marke haben wir uns noch einmal ganz eindeutig zu unserem Bio- und wirtschafts- und sozialethischen Ansatz bekannt“, erklärt der Geschäftsführer.

„Natürlich müssen unsere Produkte gut sein, schmecken und gute Preise haben, sonst nützt uns unsere ganze Ideologie gar nichts. Deshalb sind alle unsere Rohstoffe biologisch und wir arbeiten stetig an der Verbesserung unserer Produkte, zum Beispiel durch Slow-Baking Verfahren oder Verfahren ganz ohne Enzyme. Zurzeit bauen wir einen ethischen Algorithmus auf, ein Schema, nach dem wir im Einkauf entscheiden, zum Beispiel, aus welchen Ländern die Rohstoffe kommen. Wir stellen alle Fragen, die man heute rund um Rohstoffe stellen kann. Selbstverständlich arbeiten wir hier transparent und unsere Kunden können dies einsehen.“

Die Strategie von Biokaiser geht auf. Das Unternehmen verzeichnet seit 2012 jährlich zweistellige Wachstumsraten und beschäftigt inzwischen rund 300 Mitarbeiter. Für 2020 erwartet man das beste Geschäftsergebnis in der Unternehmensgeschichte. Ein schöner Beweis, dass Wirtschaftlichkeit und Ethik doch miteinander in Einklang gebracht werden können.

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