Energie im Einklang mit Natur

Interview mit Steffen Knauthe, Geschäftsführer der Holzkontor und Pelletierwerk Schwedt GmbH

Bis zu 120.000 Tonnen kann das Werk in Schwedt im Jahr produzieren. „Unser Hauptprodukt sind heute ENplus A1 Pellets“, sagt Steffen Knauthe, der als Geschäftsführer von Prokuristin Sylvia Senczyszyn unterstützt wird, die für den Verkauf von Pellets und den Kauf von Rohmaterialien mitverantwortlich ist. Bei den sogenannten Haushaltspellets handelt es sich um ein Hightech-Produkt, das sämtliche Qualitätsstandards des ENplus-Zertifikats erfüllt.

Strenge Kontrollen

Das bedeutet, dass Brennwert, Wassergehalt, Asche, Härte und Feinstaubanteil der Pellets strengstens kontrolliert werden. „Das lassen wir regelmäßig vom Institut Fresenius überprüfen“, erklärt Steffen Knauthe. Das zweite Produkt, die Industriepellets, unterscheiden sich von den Haushaltspellets durch einen höheren Aschegehalt und einen minimal geringeren Heizwert. Sie kommen vor allem in Großfeueranlagen wie zum Beispiel in Kraftwerken zum Einsatz. Beide Produkte stellt HPS sowohl lose als auch in Bigbags zur Verfügung.

Um noch enger mit seinen Kunden in Kontakt zu kommen, baut HPS derzeit einen Onlineshop auf. „Wir haben hier eine eigene Sacklinie in Planung, die 15-Kilo-Säcke. Wir wollen mit dieser Strategie bis zu 15.000 Tonnen pro Jahr zusätzlich absetzen“, wirft Steffen Knauthe einen Blick nach vorn. Die Absatzsteigerung ist Bestandteil einer groß angelegten strategischen Neuausrichtung, an der HPS aktuell intensiv arbeitet.

„HPS agiert in einem herausfordernden Marktumfeld. Wir sind in einer Zeit, in der solitäre Pelletsfirmen vor besonderen Herausforderungen stehen, zum Beispiel beim Einsatz der Ressourcen. Das erfordert strategische Lösungen“, sagt Steffen Knauthe. Mittelfristig soll HPS deutlich vergrößert, die Produktionsanlagen erweitert werden. „Mindestens verdoppeln wollen wir“, sagt der Geschäftsführer mit Blick auf die Produktionskapazitäten. Je größer die Kapazität, umso günstigere Rohstoffpreise – lautet die Devise. Seit 2015 ist HPS eine 100%-ige Tochter der polnischen Stabos Holzhandels-Biomasse-Gruppe. „Unsere Mutter ist gleichzeitig unser großer Partner“, beschreibt Steffen Knauthe.

Regionale Rohstoffe

Die Rohstoffe für die Pellets ordert HPS ausschließlich aus der Region. Dank eines hochmodernen Maschinenparks kann das Unternehmen vom Sägespan bis zum ganzen Baum jedes Holzprodukt verarbeiten. Das Gros der Rohstoffe aber besteht aus Hobel- und Sägespanen aus heimischer Kiefer, die den Pellets von HPS ihre typische dunkle Farbe verleihen. „Wir müssen auf Material aus der näheren Umgebung bestehen“, betont Steffen Knauthe. Lange Transportwege für den Rohstoff sind wirtschaftlich nicht darstellbar. Trotz der Herausforderungen der Branche schätzt Steffen Knauthe die Verantwortung, die er als Geschäftsführer trägt. „Das ist für mich keine Last, sondern ein Muss.“

Als Prokuristin unterstützt ihn Sylvia Senczyszyn, die für den Verkauf von Pellets und den Kauf von Rohmaterialien mitverantwortlich ist. Steffen Knauthe mag die Arbeit im und mit dem HPS-Team. „Unsere Stärke ist das Team. Alle 27 Mitarbeiter sind ein Teil davon. Und auch als Chef bin ich mir nicht zu schade, mal einen Besen in die Hand zu nehmen“, betont er. Er empfindet eine soziale Verantwortung für jeden seiner Leute. Schließlich ist die Region Uckermark wirtschaftlich nicht auf Rosen gebettet, so dass jeder Arbeitsplatz zählt. Genau in diesem Punkt fordert der Geschäftsführer ein kluges Handeln der Politik. Vor allem in Sachen Infrastruktur sieht er großen Nachholbedarf in der Region: „Ich fordere die Landespolitik auf, die infrastrukturellen Grundvoraussetzungen zu schaffen, damit ein Werk wie HPS den Warenzufluss und -abfluss so gestalten kann, dass sich damit wirtschaftlich arbeiten lässt.“ Zudem wünscht er sich eine deutlich verbesserte Würdigung von Pellets als klimaneutralem Rohstoff. „Pellets stehen für echte nachhaltige Energie. Das wird meiner Meinung nach von den politisch Verantwortlichen noch immer nicht ausreichend gewürdigt.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Energie & Umwelt

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Interview mit Michael Luccisano, Geschäftsführer der Biothys GmbH

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Gerüche sind selten plakativ – aber immer präsent. In Industrieparks, Kläranlagen, auf Deponien oder Asphaltwerken entscheiden sie oft über Akzeptanz, Genehmigungen und Investitionsentscheidungen. Die Biothys GmbH aus Willstätt hat genau…

Wie ein Familienunternehmen die Kreislaufwirtschaft revolutioniert

Interview mit Lars Jennissen, Chief Technology & Innovation Officer der N+P Group B.V.

Wie ein Familienunternehmen die Kreislaufwirtschaft revolutioniert

Seit 1992 verwandelt die niederländische N+P Group B.V. ʻAbfallʼ in wertvolle Rohstoffe und klimaneutrale Energieträger. Mit technologischem Pioniergeist, einer gelebten Familienkultur und europaweiter Präsenz beweist das Unternehmen aus Nieuw-Bergen, dass…

„Brauchen Verlässlichkeit in der Energiewende“

Interview mit Dipl.-Ing. (FH) Michael Raschemann, geschäftsführender Gesellschafter der Energiequelle GmbH

„Brauchen Verlässlichkeit in der Energiewende“

Sonne und Wind sinnvoll zu nutzen, darin sieht die Energie­quelle GmbH mit Sitz in Kallinchen bei Berlin ihre Hauptaufgabe. Der Inhaber und Gründer Dipl.-Ing. (FH) Michael Raschemann sprach mit Wirtschafts­forum…

Spannendes aus der Region Landkreis Uckermark

Die Medizin wird ambulanter und digitaler

Interview mit Dr. Steffi Miroslau, Geschäftsführerin der GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH

Die Medizin wird ambulanter und digitaler

Die GLG Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH ist ein bedeutender Akteur im Gesundheitswesen Brandenburgs. Mit einer zentralen Verwaltung in Eberswalde und insgesamt elf eigenständigen GmbHs, darunter mehrere Krankenhäuser und…

Wenn es ganz genau sein soll ...

Interview mit Michael Zintl, Geschäftsführer der DZG Metering GmbH

Wenn es ganz genau sein soll ...

Die schrittweise Umstellung des Stromnetzes hin zu Smart Energy ist in vollem Gange. Bis 2032 sollen alle Haushalte in Deutschland mit digitalen Stromzählern ausgestattet sein. Smart Meter spielen für die…

Die Zukunft gestalten

Interview mit André Reichmann, Geschäftsführer der Schneider & Partner ­Computervernetzung GmbH

Die Zukunft gestalten

Die Glasfasertechnologie ist für die Digitalisierung in Deutschland von grundlegender Bedeutung. Aber: Mit einer Verfügbarkeit von rund 36% hinkt Deutschland im internationalen Vergleich deutlich hinterher. Das soll sich ändern. Bis…

Das könnte Sie auch interessieren

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Interview mit Jörg Herre, Leiter Vertrieb und Marketing der Friedemann Wagner GmbH

„Es muss nicht immer gleich ein Roboter sein“

Die deutsche Industrie steht unter Druck. Investitionen werden verschoben, Projekte gestoppt. Und doch gibt es Unternehmen, die Kurs halten – mit Bodenhaftung, technischer Klarheit und einem langen Atem. Jörg Herre…

Energiewende als Mammutaufgabe

Interview mit Dipl.-Wirt.-Ing. Jörg Kogelheide, Geschäftsführer der Stadtwerke Versmold GmbH und Dipl.-Kfm. (FH) Manuel Drossard, Geschäftsführer der Stadtwerke Versmold GmbH

Energiewende als Mammutaufgabe

Energiekrise, Digitalisierung, Energiewende: Regionale Versorger stehen unter Druck. Umso wichtiger ist es, dass Kommunen auf Partner setzen können, die in Krisenzeiten Verantwortung übernehmen. Die Stadtwerke Versmold sind ein solcher Partner,…

Den Netzausbau weiter vorantreiben

Interview mit Dr. Thomas Schoenemann, Geschäftsführer der IMD Infrastruktur GmbH

Den Netzausbau weiter vorantreiben

Was haben die Gas-, Wasser-, Strom- und Fernwärmenetze in Deutschland gemeinsam? Bei allen besteht deutlicher Ausbau- und Sanierungsbedarf – und genau an dieser Stelle engagiert sich die IMD Infrastruktur GmbH…

TOP