Profil aus dem Sole Valley

Interview mit Germano Ercoli, Gesellschafter und Geschäftsführer der Eurosuole S.p.A.

Mitten in Italien an der Adriaküste liegt Civitanova Marche, der Firmensitz von Eurosuole.

„Die Stadt liegt im Zentrum des italienischen Silicon Valley der Schuhindustrie“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Germano Ercoli. „Die Region ist bekannt für Schuhzubehör und besonders für Schuhsohlen, man kann sagen, sie ist ein Sole Valley.“

In Civitanova Marche hat Eurosuole damit einen traditionellen, strategisch sehr günstig gelegenen Standort und das Unternehmen hat viel dazu beigetragen, den Ruf der Region zu stärken und weiter zu verbreiten.

Unaufhaltsamer Aufstieg

1976 gründete Germano Ercoli mit Partnern das Unternehmen und begann, Sohlen aus Polyurethan zu produzieren, mit großem Erfolg. Gegen Ende der 1970er-Jahre ergänzte Eurosuole das Angebot durch Gummisohlen. Seither wuchs das Unternehmen durch weitere Diversifizierung auf Sohlen für unterschiedliche Anwendungen, modische, sportliche und elegante Sohlen, Sohlen für den Alltagsgebrauch, Sohlen für Sicherheitsschuhe für die Feuerwehr oder das Militär.

Heute ist Eurosuole einer der größten Hersteller von Sohlen in Italien. Mit 250 Mitarbeitern erzielen die italienischen Spezialisten einen Umsatz von 41 Millionen EUR. „Wir sind vor allem in Italien aktiv“, betont Germano Ercoli. „Rund 25% der Produkte gehen ins Ausland. Unsere wichtigsten Märkte sind Deutschland und Spanien, wo wir eigene Agenten haben, gefolgt von Portugal, Polen, der Ukraine, Rumänien, Serbien, Albanien und außerhalb Europas China und die USA.“

Fokus auf Innovation

Das Geheimnis des Erfolgs ist die Philosophie des Gründers, Profite zu reinvestieren. Eurosuole hat immer wieder den Gewinn in Forschung und Entwicklung investiert, in neue Materialien, neue Produkte und neueste Technik. Die eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung bringt immer wieder neue Materialien und Zusammensetzungen auf den Markt, welche die Eigenschaften der Schuhe deutlich verbessern.

 Gewicht ist ein wichtiges Kriterium, die Schuhe sollen stabil, robust und zugleich leicht sein. Mit dem patentierten GLE Material hat Eurosuole das Gewicht von Gummisohlen um 40% reduziert, ohne Abstriche bei der Präzision, der Standfestigkeit und der Haltbarkeit.

„Wir haben GLE vor zwei Jahren auf den Markt gebracht“, erklärt Germano Ercoli. „Heute ist GLE von vielen Schuhherstellern akzeptiert, darunter viele namhafte Marken. Unsere jüngste Innovation, das extrem leichte, rutschfeste Wellfeet-Material mit hervorragenden chemischen und physikalischen Eigenschaften, eignet sich ideal für die modischen Plateausohlen.“

70.000 Paar pro Tag

Eurosuole entwickelt aber nicht nur neue Materialien, sondern auch bessere und rationellere Produktionsprozesse. Die Produktion von Polyurethanansohlen ist heute voll automatisiert mit Hochleistungsmaschinen, Robotern und automatischer Qualitätskontrolle.

Germano Ercoli
„In zwei Jahren werden wir Europas größter Hersteller von geformten Schuhsohlen sein.“ Germano ErcoliGründer, Gesellschafter und Geschäftsführer

„Wir produzieren 70.000 Paar Sohlen am Tag“, sagt Germano Ercoli stolz. „Davon entfallen 40 bis 45.000 auf Polyurethansohlen und 28 bis 30.000 auf Gummisohlen. 2016 haben wir eine neue 6.000 m2 Halle für die Lackiererei und die Endbearbeitung in Betrieb genommen. In diesem Jahr werden wir die Gummisohlenproduktion weiter rationalisieren und in zwei Jahren wird unsere Fabrik die modernste und produktivste in Europa sein.“

Mit Qualität, Innovationen und dem breiten Spektrum an Sohlen für alle Anforderungen hat Eurosuole Kunden in allen Bereichen der Schuhindustrie gewonnen, darunter viele namhafte Marken. Für Adidas beispielsweise produziert Eurosuole 13.000 Paar Sohlen für Badeschuhe am Tag und das seit 20 Jahren.

„Es ist ein preiswertes Produkt, aber es ist eine Freude für Adidas zu arbeiten“, sagt der Geschäftsführer, der besonders stolz ist auf die Zuverlässigkeit, die Eurosuole seit 40 Jahren bewiesen hat. „Die Kunden können auf unser Wort bauen, heute und in Zukunft.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Interview mit Michael Luccisano, Geschäftsführer der Biothys GmbH

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Gerüche sind selten plakativ – aber immer präsent. In Industrieparks, Kläranlagen, auf Deponien oder Asphaltwerken entscheiden sie oft über Akzeptanz, Genehmigungen und Investitionsentscheidungen. Die Biothys GmbH aus Willstätt hat genau…

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Interview mit Holger Putze, Geschäftsführer über die Kälte- und Klimatechnik Holger Putze GmbH

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Man muss sich das mal vorstellen: 1995 fangen die in einem ehemaligen Kinderzimmer an. Vier Leute, eine Garage, der pure Wille. Heute, 30 Jahre später, stehen sie da mit 20…

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Interview mit Alex Noake, Managing Director der Sabert Corporation Europe SA

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Der Food-and-Beverages-Markt steht vielfach im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn Verpackungsmaterialien im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsbilanz weiter optimiert werden sollen. Der multinationale Sabert-Konzern hält hierfür spannende Lösungen bereit, die er gemeinsam…

Spannendes aus der Region Civitanova Marche (MC)

Perfektion des Fehlerhaften

Interview mit Luigi Gironacc, Geschäftsführer der Frago Srl

Perfektion des Fehlerhaften

Seit einigen Jahren ist er in aller Munde – der Vintage-Look. Egal ob Mode, Musik oder Möbel, der Retro-Trend ist allgegenwärtig. Die angesagte Vintage-Mode steht im krassen Gegensatz zur fast…

„Innovation ist unser Tagesgeschäft“

Interview mit Federica Sartor, Geschäftsführerin der Marcolin Covering s.r.l.

„Innovation ist unser Tagesgeschäft“

Was auf den ersten Blick nach einer sehr speziellen Nische klingt, ist in Wahrheit ein hochdynamischer und technisch anspruchsvoller Markt: Verdecksysteme für Nutzfahrzeuge. Die Marcolin Covering s.r.l. aus dem norditalienischen…

Kreativität trifft Markenstrategie

Interview mit Koici Tschang, CEO der Osama S.p.A.

Kreativität trifft Markenstrategie

Ob Schreibwaren, Kreativprodukte oder Designobjekte für den Wohnbereich – der italienische Markenanbieter Osama S.p.A. hat sich in fast sechs Jahrzehnten vom Importeur japanischer Schreibgeräte zu einem diversifizierten, internationalen Unternehmen entwickelt.…

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn der Schuh passt: Erfolg im Lizenzgeschäft

Interview mit David Friedrich, CSO und Moritz Hamm, CEO der Hamm Footwear GmbH

Wenn der Schuh passt: Erfolg im Lizenzgeschäft

Die Lizenzierung einer Modemarke im Bereich Accessoires kann das Markenimage erheblich stärken und die Marktpräsenz erweitern. Im Interview mit Wirtschaftsforum erläutern Moritz Hamm, CEO, und David Friedrich, CSO der Hamm…

Klarer Kurs und Transformation in der Sportmode

Interview mit Marco Hoffmeyer, Geschäftsführer der Scoretex GmbH

Klarer Kurs und Transformation in der Sportmode

Die Sport- und Freizeitbranche steht unter hohem Veränderungsdruck – von globalen Lieferketten bis zu wachsenden Onlinemärkten. Die Scoretex GmbH, die fünf Marken unter dem Plattformansatz Home of Brands bündelt, reagiert…

Blauer Faden, grüne Vision

Interview mit Alberto Candiani, Geschäftsführer der Candiani Denim S.p.A.

Blauer Faden, grüne Vision

Seit über 85 Jahren setzt Candiani Denim aus Italien Maßstäbe in der Herstellung von hochwertigem Denim. Als Familienunternehmen in 4. Generation kombiniert Candiani handwerkliches Geschick mit innovativen Ansätzen für nachhaltige…

TOP