So gelingt die Energie-Wende

Interview

Unter rund 700 Gasversorgern in Deutschland hat sich die erdgas schwaben gmbh nach dem Volumen des Gasabsatzes einen Platz unter den ersten 100 Unternehmen erarbeitet. Eine ideale Unternehmensgröße attestiert Prokurist Dipl.-Ing. Georg Radlinger der erdgas schwaben gmbh.

Er ist seit 1972 im Unternehmen und hat in seiner beruflichen Laufbahn alle Entwicklungen in der Energiewirtschaft seit der Ölkrise mitgemacht. Bei der erdgas schwaben gmbh erlebt er derzeit die zukunftweisende Umgestaltung der Energieversorgung.

„Mit unserem Bio-Erdgas-Projekt sind wir Vorreiter in Deutschland. Dadurch leisten wir einen Beitrag zumehr Autarkie und fördern die lokale Wertschöpfung.“ Dipl.-Ing. Georg Radlinger Prokurist

Erste Gaspipeline Bayerns

Die erdgas schwaben gmbh kann auf eine verdienstvolle Geschichte zurückblicken. Deren Gaswerk wurde schon 1911 in Göggingen, einem Stadtteil von Augsburg, in Betrieb genommen. Damit war der Grundstein für eine lange Erfolgsgeschichte gelegt.

1952 wurde schließlich das Vorgängerunternehmen der heutigen erdgas schwaben gmbh gegründet: die Ferngasversorgung Schwaben (FGS). "Wir hatten die erste Gaspipeline in Bayern", erzählt Georg Radlinger. Sie führte über 60 km von Augsburg nach Kaufbeuren und versorgte die dortige Glasindustrie mit Energie.

Noch heute beliefert die erdgas schwaben gmbh private wie gewerbliche Kunden. Schließlich weiß auch Georg Radlinger: "Gasleitungen sind die Lebensadern der Industrie." Inzwischen hat das Netz der erdgas schwaben eine Länge von etwa 5.500 km und versorgt rund 170 Städte und Gemeinden.

Seit 1972 firmiert die ehemalige FGS als erdgas schwaben gmbh und gehört zu 35 Prozent der Stadt Augsburg. Die übrigen 65 Prozent hält die Münchner Thüga AG, wobei beide Anteilseigner die Stimmrechte zu je der Hälfte wahrnehmen.

Vorreiter in Deutschland

Sechs Betriebsstätten unterhält das Unternehmen im Regierungsbezirk Schwaben: Günzburg, Kempten, Kaufbeuren, Augsburg, Schwabmünchen, und Nördlingen. Außer der Gasversorgung ist hier besonders die kompetente Beratung ein Markenzeichen des Unternehmens. Die erdgas schwaben gmbh hat nämlich äußerst attraktive Produkte anzubieten.

Da ist zum einen der Ökostrom aus Wasserkraft. Ein absolutes Highlight aber sind die vier Anlagen für Bio-Erdgas. erdgas schwaben kauft Biogas an und wandelt es durch den Entzug von CO2 in netzkompatibles Erdgas um. Das wird dann ins Netz eingespeist. "Mit unserem Bio-Erdgas-Projekt sind wir Vorreiter in Deutschland. Dadurch leisten wir einen Beitrag zu mehr Autarkie und fördern die lokale Wertschöpfung", erklärt Georg Radlinger.

Das Gas aus biogenen Reststoffen hat in Gersthofen bereits eine vorbildliche Karriere gemacht. Dort gibt es eine Bio-Gas-Tankstelle, an der nicht nur der ÖPNV betankt wird, sondern auch die kommunale Fahrzeugflotte von Gersthofen.

„Mit unseren Mikro-BHKWs kann praktisch jeder seinen eigenen Atom-Ausstieg vollziehen.“ Dipl.-Ing. Georg Radlinger Prokurist

Faszinierend innovativ

Seit zwei Jahren betreibt die erdgas schwaben gmbh zudem eine Pilotanlage in Stuttgart, in der ein revolutionäres Konzept heranreift: "Power-to-Gas" heißt das Stichwort. In diesem Projekt wird mittels Elektrolyse Erdgas hergestellt. Dazu werden der CO2-Überschuss aus der Bio-Erdgas-Produktion und der überschüssige Strom aus Windkraftanlagen verwendet.

Damit gibt es endlich eine Möglichkeit, erneuerbare Energien in Form von Erdgas zu speichern. "Unser 'Power-to-Gas-Konzept' ist effizienter als alle bisher genutzten Speichermethoden", weiß Georg Radlinger. Der Ausbau und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien sind ein wichtiger Beitrag von erdgas schwaben zum hoch-relevanten Thema Klimawandel. Das Unternehmen richtet sein Handel seit Jahren an dieser Problematik aus.

Mit Erfolg - der TÜV Süd stellte fest: erdgas schwaben ist klimaneutral. Im Frühjahr 2009 konnte das Unternehmen die entsprechende Zertifizierung entgegennehmen.

Vorbildlicher Weg

"Mit unseren Mikro-BHKWs kann praktisch jeder seinen eigenen Atom-Ausstieg vollziehen", bestätigt auch Geschäftsführer Klaus-Peter Dietmayer. Die Bio-Erdgas-Kraftwerke seien die derzeit effizientesten Energieanwendungen überhaupt. Damit ließen sich dezentral Wärme und Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen.

Wie begehrt dieses Konzept inzwischen ist, zeigen auch die Zahlen. Mit ihren 270 Mitarbeitern schreibt die erdgas schwaben einen Umsatz von 350 Millionen Euro – und die Tendenz ist steigend. Grund genug, diesen Weg auch in Zukunft zu verfolgen. Energieeinsparung, Energieeffizienz und erneuerbarer Energie aus Schwaben werden auch künftig das Handeln bestimmen.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Energie & Umwelt

Genug Energie für mehr

Interview mit Thomas Stephanblome, CEO der GETEC Deutschland

Genug Energie für mehr

Ambitionierte Klimaziele, volatile Energiemärkte, steigende Energiekosten, immer strengere Regulierung: Viele Unternehmen stehen unter hohem Druck. Energie-Contracting wird dabei zu einem entscheidenden Hebel. GETEC begleitet Industrie, Immobilienwirtschaft und öffentliche Einrichtungen als…

Wie ein Familienunternehmen die Kreislaufwirtschaft revolutioniert

Interview mit Lars Jennissen, Chief Technology & Innovation Officer der N+P Group B.V.

Wie ein Familienunternehmen die Kreislaufwirtschaft revolutioniert

Seit 1992 verwandelt die niederländische N+P Group B.V. ʻAbfallʼ in wertvolle Rohstoffe und klimaneutrale Energieträger. Mit technologischem Pioniergeist, einer gelebten Familienkultur und europaweiter Präsenz beweist das Unternehmen aus Nieuw-Bergen, dass…

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Interview mit Michael Luccisano, Geschäftsführer der Biothys GmbH

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Gerüche sind selten plakativ – aber immer präsent. In Industrieparks, Kläranlagen, auf Deponien oder Asphaltwerken entscheiden sie oft über Akzeptanz, Genehmigungen und Investitionsentscheidungen. Die Biothys GmbH aus Willstätt hat genau…

Spannendes aus der Region Augsburg

Kunststoff: Viel besser als sein Ruf

Interview mit Daniel Sieberer, Geschäftsführer und Eigentümer der GIWA GmbH

Kunststoff: Viel besser als sein Ruf

In einer Welt, in der nachhaltige Lösungen wichtiger sind als je zuvor, muss immer mehr auf innovative Technologien gesetzt werden. Mit Produkten aus recyceltem Kunststoff von höchster Qualität trägt die…

Vom Automotive-Ingenieurdienstleister zum General Industry-Anbieter

Interview mit Michael Böhler, Gründer und Geschäftsführer von sbp

Vom Automotive-Ingenieurdienstleister zum General Industry-Anbieter

Aus S&B Automotive wird nun das Unternehmen sbp, womit es seine Ambitionen für die Zukunft nachdrücklich unterstreicht: Denn der etablierte Ingenieurdienstleister aus der Automobilindustrie will seine gewachsene Lösungskompetenz in der…

Wie Schallschutz zur Schlüsseltechnologie wird

Interview mit Wilfried Thies, Geschäftsführer der FAIST Anlagenbau GmbH

Wie Schallschutz zur Schlüsseltechnologie wird

Schallisolierung, die Maßstäbe setzt: Die FAIST Anlagenbau GmbH ist ein führender Anbieter innovativer Schallschutzlösungen für Industrie und Energieerzeugung. Mit über 100 Jahren Erfahrung und einer Marktführerschaft im Bereich Luftansaugsysteme und…

Das könnte Sie auch interessieren

Fertigung wieder regional gedacht

Interview mit Frank Caser, Geschäftsführer der C.F.K. CNC- Fertigungstechnik Kriftel GmbH

Fertigung wieder regional gedacht

Als viele Industrieunternehmen ihre Fertigung in den vergangenen Jahren international verzweigten, blieb die C.F.K. CNC-Fertigungstechnik Kriftel GmbH dem Standort Deutschland treu – und baute zugleich Kompetenzen aus, die heute wieder…

Technologische Souveränität für die Versicherungswelt

Interview mit Thomas Ludwig, COO der Novum-RGI Germany GmbH

Technologische Souveränität für die Versicherungswelt

Versicherer stehen unter massivem Transformationsdruck: Steigende IT-Kosten, regulatorische Anforderungen und der Anspruch auf schnelle digitale Prozesse verlangen stabile Kernsysteme. Die Novum-RGI Germany GmbH entwickelt spezialisierte Softwarelösungen für den deutschsprachigen Versicherungsmarkt…

Wenn Kollaboration zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Christopher Neuwirth, Geschäftsführer der Meondi GmbH

Wenn Kollaboration zum Wettbewerbsvorteil wird

Der Mittelstand muss schneller innovieren und Digitalisierung konsequent nutzen. Die Meondi GmbH aus Stuttgart unterstützt vor allem Maschinenbauunternehmen dabei, Strategie zügig in messbare Umsetzung zu bringen – durch eine klare…

TOP