Den Ideen Gestalt geben

Portrait

Christof Liemke und sein Cousin Hans-Georg Liemke bilden heute die Geschäftsleitung der ELHA-MASCHINENBAU Liemke KG. „Wir bauen keine Serienmaschinen“, beschreibt Christof Liemke die Aktivitäten des Familienunternehmens. „Der Kunde kommt mit einem Werkstück und einer Aufgabenstellung zu uns und wir entwickeln dann eine Maschine, die aus den Rohteilen Fertigteile herstellt. Wir liefern Prozesslösungen. Wir sind kein Maschinenlieferant, der Dinge von der Stange bietet.“

Üblicherweise dauert die Auslieferung einer neuen Maschine nach Eingang des Auftrags zwischen 8 und 18 Monate. Dabei hängt die Lieferzeit auch davon ab, ob es sich um das Duplikat einer bereits bestehenden Maschine handelt oder um eine komplette Neuentwicklung.

Wichtige Automotivindustrie

Bei den zerspanenden Werkzeugmaschinen gliedert sich das Portfolio von ELHA in zwei Gruppen: Sondermaschinen und halb-standardisierte Transferzentren. Erstere werden ausschließlich in kleinen Stückzahlen geliefert, unter anderem vertikale Dreh-Fräszentren, Rundtisch-Bohr-Bearbeitungszentren, Spezial-Bearbeitungszentren, Sondermaschinen sowie Horizontal-Vertikal-Bearbeitungszentren.

Transferzentren werden hauptsächlich für die Automotivindustrie eingesetzt, die Fahrzeugteile in großen Mengen produzieren. Christof Liemke: „Kaum ein aktuelles Modell von Daimler wurde gebaut, ohne dass eine solche ELHA-Maschine an der Herstellung von Komponenten beteiligt war.“

Viele renommierte Kunden

„Wir sind ein Prozesslösungslieferant und gehen stark auf die Bedürfnisse des Kunden ein, indem wir maßgeschneiderte und nicht selten völlig neue Lösungen bereitstellen“, unterstreicht Christof Liemke die große Stärke von ELHA. „In unserem Team haben wir viel Prozess-Know-how. Wir orientieren uns immer an dem, was die Kunden brauchen und nicht an dem, was es bereits auf dem Markt gibt. Deshalb bauen wir eher komplexe Maschinen und nicht solche, die es standardmäßig bereits gibt.“

Anspruchsvolle Lösungen liefert ELHA unter anderem an Daimler, Danfoss, Deutsche Bahn, MAN, Miele, Nissan, thyssenkrupp, Bosch und Volkswagen.

Zwei Standorte in Hövelhof

Das 1930 vom Großvater von Hans-Georg und Christof Liemke gegründete Unternehmen fertigte zunächst Maschinen für die lokale holz- und metallverarbeitende Industrie. Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte sich die Firma auf Bohrmaschinen. In den 1960er-Jahren und der zweiten Generation wurde das Stammwerk um ein neues Verwaltungsgebäude und weitere Fertigungs-hallen erweitert und die ersten Sonderlösungen kamen auf den Markt.

Weitere Meilensteine in der Unternehmenshistorie waren die Weiterentwicklung der Mehrspindelbohrmaschine und der Bau der ersten Rundtaktmaschinen in den 1970er-Jahren, die Vorstellung des Fertigungsmoduls FM 3+X im Jahr 1997 sowie die Inbetriebnahme eines Montagewerks für Fertigungsmodule 2002.

Weiter ging es mit Spezial-Bearbeitungszentren für unterschiedlichste Branchen wie zum Beispiel die Energietechnik und Großwälzlager. Heute beschäftigt das Unternehmen an zwei Standorten in Hövelhof 240 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt zwischen 40 und 50 Millionen EUR.

Diagnose aus der Ferne

„Mit unseren Industrie 4.0-Systemlösungen bieten wir Technologien an, die Zugriff auf Maschinen geben, die im Feld sind“, sagt Christof Liemke. „Diese Maschinen liefern wir weltweit, zum Beispiel in die USA und nach Asien. Der Fernzugriff spielt natürlich eine große Rolle, aber auch Diagnosemöglichkeiten im Prozess und in der Maschine. Die Ergebnisse stellen wir auf Wunsch dem Kunden zur Verfügung. Wenn eine Anlage in Mexiko ausfällt, können wir durch unser System die entsprechenden Daten abrufen, die uns zeigen, was das Problem ist und wie es am besten gelöst werden kann.“

Tradition fortsetzen

Vor der Wirtschaftskrise 2008 zählten viele Zulieferunternehmen zu den Kunden. „Während der Krise haben sich die OEMs primär aus eigener Fertigung selbst versorgt“, erklärt das Mitglied der Geschäftsleitung. „Weil wir sehr produktive Maschinen haben, wurden viele davon direkt unsere Kunden. Mittlerweile kaufen OEMs wieder mehr zu. Deswegen sind aktuell die meisten unserer Kunden erneut die Zulieferer.“

Die Sondermaschinen liefert ELHA für unterschiedlichste Anwendungen. Dazu zählen etwa Drehkreuze für Waschmaschinen, Lagerkränze für Windturbinen und Komponenten für Triebwerke der Aerospace-Branche. „Wir unterhalten ein Netzwerk von Handelsvertretern, machen mittlerweile aber ebenso viel im Direktvertrieb. Wir gehen auf Fachmessen, sind online und in sozialen Medien tätig.“

Wichtigste Märkte sind Europa, Asien und Nordamerika. Um künftigen Nachwuchs anzusprechen, arbeitet ELHA mit Schulen und Universitäten zusammen und lädt sogar Kindergärten ins Unternehmen ein. „Ich möchte die Tradition des Familienunternehmens weitertragen, technische Lösungen finden und mit einem engagierten Team erfolgreich Projekte umsetzen“, nennt Christof Liemke seine Wünsche für die Zukunft. „Die Diversifizierung unserer Produkte und unseres Kundenstamms stehen ebenso auf dem Programm wie die kontinuierliche technologische und personelle Weiterentwicklung.“

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