„Pflege braucht Verlässlichkeit“

Interview mit Alexander Gusev, Geschäftsführer der Pacura med GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gusev, lassen Sie uns mit einem Blick zurück beginnen. Was war Ihre Idee hinter der Gründung von Pacura med?

Alexander Gusev: Wir sind 2018 zu zweit gestartet – mit der Idee, Menschen für die Pflege zu begeistern und für mehr Wertschätzung zu sorgen. Damals war Pflege kein großes gesellschaftliches Thema und vielerorts fehlte die Wertschätzung für die Leistungen, die Pflegekräfte jeden Tag erbringen. Wir wollten zeigen, dass es möglich ist, Arbeitsbedingungen zu schaffen, unter denen Menschen gern in der Pflege arbeiten. Deshalb haben wir sofort eine 35-Stunden-Woche eingeführt und garantiert, dass Urlaub auch Urlaub bleibt. Das war unser Startpunkt.

Wirtschaftsforum: Das klingt nach einem klaren Bekenntnis zu den Mitarbeitern. Welche weiteren Schritte waren entscheidend?

Alexander Gusev: 2020 haben wir das Konzept der People Manager eingeführt. Jede unserer Pflegefachkräfte hat einen festen Ansprechpartner – auch wenn sie deutschlandweit verteilt im Einsatz sind. Damit setzen wir Wertschätzung täglich praktisch um. Wir waren einer der ersten Dienstleister, die das so konsequent durchgezogen haben. Und ja, das war auch ein Signal: Bei uns werden die Mitarbeiter nicht nur in schönen Worten auf der Website gelobt, sondern stehen jeden Tag im Mittelpunkt.

Wirtschaftsforum: Sie selbst haben einen persönlichen Bezug zur Pflege, richtig?

Alexander Gusev: Ja. Ich komme aus der Zeitarbeit, aber Pflege kenne ich seit meiner Kindheit. Meine Mutter war lange Altenpflegerin und später Pflegedienstleitung. Zu Hause habe ich hautnah erlebt, wie fordernd und zugleich wichtig dieser Beruf ist. Das hat meinen Weg stark geprägt.

Wirtschaftsforum: Wie hat die Coronapandemie Ihr Unternehmen verändert?

Alexander Gusev: Anfangs war es eine harte Zeit. Während der ersten Welle standen viele Stationen still, wir konnten zeitweise bis zu 400 Pflegekräfte nicht einsetzen – trotzdem haben wir niemanden entlassen, weil wir daran geglaubt haben, dass sich Treue auszahlt. Und das hat sich bestätigt. In der zweiten Phase, als der Bedarf wieder stieg, konnten wir mit voller Stärke unterstützen. Wir haben dabei bewusst keine Preise verdoppelt, wie es manche Wettbewerber getan haben. Das zahlt sich bis heute aus: Unsere Kunden schätzen uns als verlässlichen Partner.

Wirtschaftsforum: Wie groß ist Pacura med heute?

Alexander Gusev: Wir beschäftigen rund 1.600 Pflegefachkräfte und leisten etwa 300.000 Dienste pro Jahr. Mit einem Umsatz von rund 160 Millionen EUR gehören wir zu den größten Anbietern im Bereich Pflege in Deutschland – und sind bundesweit einzigartig aufgestellt.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet Sie vor diesem Hintergrund von anderen Personaldienstleistern?

Alexander Gusev: Erstens sind unsere Mitarbeiter zufrieden, und das merken die Kunden sofort. Zweitens bringen unsere Fachkräfte enormes Know-how mit, weil sie in kurzer Zeit viele Stationen und Einrichtungen kennenlernen. Das schafft Erfahrung, die anderen oft fehlt. Drittens stehen wir für faire Bedingungen – wir haben die Preise stabil gehalten und unterstützen Tarifstandards in der Pflege-Zeitarbeit. Diese Haltung hat uns Vertrauen gesichert. Für unsere Mitarbeiter spielt natürlich auch Geld eine Rolle. Wir zahlen im Schnitt 10 bis 15% mehr als das Durchschnittsgehalt. Aber viel wichtiger sind verlässliche Urlaubsplanung und keine kurzfristigen Einspringdienste. Unsere Befragungen zeigen: Das sind die Top-Gründe, warum Pflegekräfte zu uns kommen und bleiben. Dazu kommt unsere Unternehmenskultur – wir legen Wert auf persönlichen Austausch, regelmäßige Feste und echte Gespräche. Unsere People Manager sind dafür da, die Menschen im Blick zu behalten und nicht nur die Einsätze.

Wirtschaftsforum: Und was schätzen die Einrichtungen an Ihrer Arbeit?

Alexander Gusev: Unsere Kunden erleben Verlässlichkeit, Qualität und Kontinuität. Viele unserer Pflegekräfte sind seit 2018 bei uns. Zudem bringen sie wie gesagt viel Erfahrung mit – manche sammeln in einem Jahr mehr als andere in einem Berufsleben. Das sorgt für Qualität und Zuverlässigkeit. Und nicht zuletzt: Wir wollen Partner sein, keine Dauerlösung. Zeitarbeit ist für uns eine Übergangslösung, wenn es brennt – aber wir unterstützen auch beim Aufbau langfristiger Strukturen.

Wirtschaftsforum: Welche Themen stehen aktuell und für die kommenden Jahre im Fokus?

Alexander Gusev: Wir wollen unser Angebot erweitern: Neben der klassischen Zeitarbeit setzen wir auf Personalvermittlung, Pflegepools und Springerpools. Wir können Personal flexibel disponieren und Einrichtungen bei komplexen Strukturen unterstützen. Das wird ein großes Thema 2026 und da­rüber hinaus. Langfristig habe ich ein Ziel: Pacura med soll der beste Arbeitgeber im Bereich Pflege werden – und zwar über Ländergrenzen hinaus. So sind wir seit 2023 auch in der Schweiz und in Norwegen aktiv.

Wirtschaftsforum: Persönlich gefragt: Was treibt Sie an?

Alexander Gusev: Mich begeistert es, die Entwicklung von Menschen zu sehen. Viele unserer Führungskräfte haben bei uns angefangen und sind mit uns gewachsen. Das zu begleiten, motiviert mich. Und ja, ich bin jemand, der gern gegen den Strom denkt: Wenn alle nach links gehen, probiere ich es rechts. Es klappt nicht immer – aber wenn es funktioniert, ist es ein großartiges Gefühl.

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