Benzin- oder Elektroflotte?

Mobilität

Die Zukunft des Fuhrparks neu bedenken

Abgasskandal und Dieselaffäre auf der einen, Subventionen und innovative Software für Elektrowagen auf der anderen Seite: Der Wandel in der Fahrzeugbranche ist unübersehbar. Kleinbetriebe wie auch Großunternehmen können von einer zukunftsorientierten Aufstellung ihrer Fahrzeugflotte profitieren. Nicht nur in finanzieller und logistischer Hinsicht – eine nachhaltige Firmenstrategie kann auch dem Markenimage einen Schub geben.

Dabei gibt es keine Standardlösung für alle. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von Umweltkomponenten wie E-Mobilität und Corporate Car Sharing bis hin zu automatisierten Lösungen wie digitalem Reifenservice und sogenannten Telematik Systemen.

Welche Faktoren bei der Umstellung von einer herkömmlichen auf eine zukunftsorientierte Fahrzeugflotte relevant sind und ein effizientes Fuhrparkmanagement erlauben, richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall. Einige grundlegende Faktoren können die Entscheidungsfindung allerdings in jedem Fall erleichtern.

Batterie, Benzin oder Diesel?

Nach mehrfachen international und unabhängig voneinander durchgeführten Vergleichen sollen Elektroautos noch in diesem Jahr in Größe und Ausstattung vergleichbare Fahrzeugmodelle mit Verbrennungsmotoren in der finanziellen Gesamtbetrachtung hinter sich lassen.

Werden die höheren Anschaffungskosten durch sinkende Batteriepreise und der Bundes-Umweltprämie von bis zu 9.000 Euro auch noch nicht ganz ausgeglichen, sorgen zusätzliche Gesichtspunkte bereits nach einigen Jahren für eine Amortisierung und damit auch für Unternehmen, die bei ihrer Wagenflotte auf Leasingangebote setzen:

● Mit elektrischen Firmenwagen lassen sich Steuern sparen. Selbst private Nutzungen von Geschäftswagen mit einem Neuwert von bis zu 60.000 Euro müssen im Monat nur noch mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises versteuert werden. Durch diese sogenannte 0,25-Prozent-Regel lässt sich künftig mehr Ausstattung ohne Mehrkosten in Dienstwagen integrieren

● Die finanziellen Aufwendungen für den erforderlichen Ladestrom variieren abhängig von Stromtarif, Ort und Art der Station. Wer sich auf dem firmeneigenen Gelände eigene Stromtankstellen einrichtet oder auf digitalisierte Tankkarten zurückgreift, wird garantiert günstiger fahren als mit Benzinern oder Dieseln.

● Der Verschleiß des Fahrzeugs hängt neben der Bereifung, Fahrweise und Kilometerleistung auch von einer effizienten und kostengünstigen Wartung und Reparatur ab. E-Fahrzeuge punkten grundsätzlich durch geringen Verschleiß: ohne benötigten Ölwechsel, Abgasuntersuchung und Getriebe sind Bremsen und Batterien die einzigen Achillesfersen.

Doch ganz ohne Probleme lässt sich auch nicht einfach alles auf Grün schalten: Trotz steigender Reichweiten lohnen E-Wagen in erster Linie für Betriebe, die innerhalb eines beschränkten Radius unterwegs sind.

Zudem steigt aufgrund der gewährten Subventionen derzeit die Nachfrage nach E- und Hybridfahrzeugen. Das Resultat: verlängerte Wartezeiten bis zur Auslieferung und Zulassung der bestellten Wagen.

Wunsch und Wirklichkeit bei Online-Zulassungen

Wer sich eine neue Fahrzeugflotte anschaffen möchte, hat die Auswahl zwischen Single- und Multi-Sourcing. Dabei liegen die Vorteile eines exklusiven Lieferanten in einer normalerweise langfristigen und engen geschäftlichen Partnerschaft, Zeit- und Kosteneinsparungen durch logistische und prozessorientierte Abstimmungen sowie Spezialkonditionen. Sich im Gegenteil für mehrere Lieferanten zu entscheiden entbindet von einer Abhängigkeit und möglicherweise hohen Preisen. Allerdings steigt der Koordinationsaufwand aufgrund der Einzelverträge und unterschiedlichen Ansprechpartner.

Auf wen auch immer die Wahl fällt: Für die Zulassung der Wagen kann ebenfalls ein externer Dienstleister eingeschaltet werden. Höhere Effizienz und Datenschutz bieten Online-Zulassungen durch das eigene Unternehmen.

Welche Behörde im betroffenen Fall zuständig ist, lässt sich anhand des Nummernschildes bzw. der Region schnell im Internet herausfinden. Mit seinem sogenannten internetbasierten Fahrzeugzulassungsprojekt plant das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Fahrzeughaltern eine erleichterte Zulassung ihrer Wagen. Wege und Wartezeiten zu und bei Behörden sollen vermieden und vor allem für juristische Personen effizienter gestaltet werden. Zudem ist geplant, durch eine verpflichtende digitale Übermittlung der Fahrzeug-Datensätze durch die Hersteller an eine zentrale Datenbank dem Kraftfahrt-Bundesamt eine Überprüfung technischer Fahrzeugeigenschaften und damit das Online-Zulassungsverfahren zu ermöglichen. Doch noch steht nicht alles zu einhundert Prozent – die jeweilige Umsetzung der Richtlinien obliegt den Kommunalverwaltungen.

Trotz Forderungen zu einer schnelleren Digitalisierung in Deutschland nutzen bislang nur wenige Verbraucher internetbasierte Angebote. Mehr als die Hälfte, der in einer repräsentativen Studie befragten Teilnehmer tritt noch den persönlichen Gang ins Amt an, 14 Prozent versenden relevante Schriftstücke per Post. Für Unternehmen mit Fuhrparks hingegen erweist sich die Nutzung der digitalisierten Zulassungsangebote in jedem Fall als lohnend.

Intelligente E-Fleets

Nach Smartphones und Smart Homes wird derzeit die Vernetzung von E-Autos, Ladestationen und Fahrern in Angriff genommen. Sie soll Fuhrparkmanagern den hohen Planungsaufwand einer umweltfreundlichen Flotte erleichtern. Denn im Gegensatz zu Benzinern und Dieselwagen stehen bei einem Unternehmenspool von Elektrofahrzeugen folgende Fragen im Raum:

  • ● Lässt sich die gesamte Flotte umrüsten?
  • ● Welche Strecken legen die einzelnen Fahrzeuge zurück?
  • ● Wo können sie überall aufgeladen werden?
  • ● Wie wird am Ende abgerechnet?

Bis ins Jahr 2022 ist das Berliner Pilotprojekt zwischen den örtlichen Verkehrs- und Wasserbetrieben, der Stadtreinigung sowie dem städtischen Energieversorger angelegt, in dem die Effizienz der innovativen Software auf ihre Tauglichkeit im Alltag verschiedener Unternehmensgrößen geprüft wird.

Nach einer Anmeldung per App durch die Mitarbeiter wird diesen bedarfsgerecht einer der verfügbaren Wagen zugewiesen, dessen Batterie bei der Rückkehr an der hauseigenen Tanksäule wieder geladen wird.

Mittels einer Kombination aus Buchungssoftware und Lademanagement erfolgt die Berechnung der optimalen Auslastung durch verkürzte Standzeiten der Fahrzeuge automatisch. Wird ein Wagen nicht wie veranschlagt abgegeben oder legt längere Strecken zurück als geplant, berechnet das System eigenständig neue Optionen.

Zudem kann die Kilometerleistung über ein elektronisches Fahrtenbuch jederzeit von der Software abgerufen und analysiert werden. Sobald die E-Autos an eine entsprechend ausgerüstete Ladesäule angeschlossen werden, beginnen neben dem Strom auch die Daten zu fließen: Die Säule taktet den vereinbarten Tarif mit dem Energieversorger ein und sendet im Anschluss die Rechnung auf digitalem Wege an die Buchhaltung des Unternehmens.

Von elektronischen Tankkarten und digital unterstützten Reifenwechseln

Während sich die innovativen Ideen einer E-Smart-Flotte noch in der Testphase befinden, sind digitale Tankkarten bereits jetzt wertvolle Hilfen für Kostentransparenz und Preisklarheit firmeneigener Fahrzeugflotten. Fahrer müssen Quittungen wie Tankbelege nicht mehr sammeln, zusätzliche Dienstleistungen wie Reifenwechsel oder Werkstattbesuche werden automatisch auf die Karten gebucht und erleichtern die administrative Arbeit in Logistik und Buchhaltung.

Apropos Reifenwechsel: Auch hier geht der Trend zu digital. Die Reifen selbst werden selbstverständlich noch manuell getauscht. Doch elektronische Erfassungen der Profiltiefen bei der Umlagerung von Sommer- und Winter-Reifensätzen, Online-Terminvereinbarung sowie der Einsatz von Tablets in den Werkstätten ermöglichen ein kosten- und zeitsparendes Reifenmanagement. Darüber hinaus ist das intelligente System in der Lage, eine gleichzeitige Führerscheinkontrolle durchzuführen oder an die regelmäßig erforderliche Inspektion zu erinnern.

Bereits patentiert ist zudem ein innovatives Techniksystem zur Fahrzeugdiagnose, durch das im Falle eines Unfalls schnelle Hilfe herbeigerufen und mit dem Unternehmen verbundene Werkstätten in Echtzeit auf Fahrzeugdaten zugreifen können.

Corporate Car Sharing statt eigener Flotte?

Unter Privatverbrauchern erfreut sich Car Sharing vor allem in Ballungsräumen steigender Beliebtheit. Auch für Unternehmen kann sich eine Teil-Verlagerung auf eine gemeinschaftliche Nutzung von E-Autos vor allem in Hochzeiten wie zu Messen rentieren. Dank spezieller Hard- und Software lassen sich die Poolfahrzeuge aufwandslos buchen und schlüssellos verwalten. Die Verfügbarkeit der einzelnen Fahrzeuge ist für den Flottenmanager digital ständig ersichtlich. Daten von der Terminorganisation über GPS-Signale und Kilometerstände bis hin zum Reifendruck werden automatisch ausgelesen und in einer Cloud gespeichert.

Schätzungen gehen davon aus, dass sich abhängig vom Einzelfall durch Car Sharing beinahe ein Drittel des eigenen Fuhrparks einsparen und der administrative Aufwand für die Fahrzeugnutzer um fast 60 Prozent reduzieren lassen. Eine Abholung der Autoschlüssel entfällt ebenso wie manuelle Aufzeichnungen.

Datensicherheit garantieren

So viele Vorteile die zunehmende Digitalität auch bereithalten mag, steht gleichzeitig stets die Sicherheit der übertragenen und gespeicherten Daten im Raum. Mit der unabhängigen Plattform CarPass sollen private und gewerbliche Fahrzeughalter die alleinige Entscheidungshoheit über ihre Fahrzeugdaten behalten. Als objektive Instanz sammelt CarPass fahrzeug- und personenrelevante Daten und stellt sie ausschließlich dem Flottenverantwortlichen zur Verfügung. Dieser entscheidet, ob und inwiefern Hersteller, Versicherungsfirmen oder Werkstätten auf Informationen zugreifen dürfen.

Nutzung digitaler und automatisierter Lösungen

Automatisierte Datenbanksysteme stellen grundsätzlich eine effektive Wahl für E-Fahrzeug-Flotten dar. Einmal angelegt, sammeln und übertragen Telematik Systeme drahtlos Daten über Fahrzeugnutzung, Verbrauchswerte und Instandhaltung und ermöglichen jederzeit eine effiziente Koordinierung der einzelnen Fahrzeuge.

Bild 1: Adobe Stock, © Photocreo Bednarek / 300317405
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