Die gesamte Wertschöpfung in der Windkraft
Interview mit Mika Lange, General Manager der neowa GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lange, die neowa GmbH tritt als starker Partner für den Rückbau von Windenergieanlagen im Markt auf – Ihr genaues Leistungsspektrum hat mit den Jahren aber einen deutlichen Wandel erfahren.
Mika Lange: Wir haben ursprünglich zunächst Verwertungsleistungen für Rotorblätter erbracht, wofür es in Deutschland seit dem 2005 beschlossenen Deponieverbot keine vernünftigen Lösungen gab. Zu dem Zweck haben wir dann ein Unternehmen gegründet, mit dem wir Rotorblätter und andere Abfälle aus glasfaserverstärktem Kunststoff gesammelt und mechanisch für die thermische und stoffliche Verwertung aufbereitet haben. Dafür wurde uns 2017 der erste Platz bei den GreenTec Awards verliehen.
Im Grunde sind wir damals als Industrieberater für Unternehmen mit hohem Abfallvolumen aufgetreten; wir haben sie dabei unterstützt, die anfallenden Mengen zu reduzieren und sich höherwertige Verwertungswege zu erschließen. Bis Ende 2024 haben wir selbst Abfallbehandlungsanlagen mit einer Jahresleistung von mehreren 200.000 t betrieben – diese sind im Zuge der Restrukturierung und der Konzentration auf das Rückbaugeschäft geschlossen worden. Auslöser dafür war ein Brand in der Abfallbehandlung in 2023.
Wirtschaftsforum: Infolgedessen haben Sie dieses Geschäftsfeld komplett eingestellt – und widmen sich seitdem allein der Windkraft. Wie groß war der Shift auf der Unternehmensebene?
Mika Lange: Immens. Dieser Schritt war schließlich mit einigen Risiken verbunden – aber wir mussten entscheiden. In diesem Zuge waren auch eine personelle Neuaufstellung, die Implementierung neuer IT-Strukturen sowie weitreichende Veränderungen bei unseren internen Prozessabläufen unvermeidbar. Da wir uns jedoch schon lange für alle rotorblätterproduzierenden Unternehmen im Markt um die Verwertung gekümmert hatten, bestanden bereits gute Kontakte in die Branche und ein entsprechend belastbares Vertrauensverhältnis zu unseren Partnern. Seit 2020 haben wir unser Rückbauportfolio wesentlich erweitert. Neben bodengebundenen Arbeiten übernehmen wir seither auch Rückbauarbeiten in der Höhe, inklusive Kran‑ und Teamleistungen.
Wirtschaftsforum: Wie umfassend fällt Ihr Leistungsspektrum heute aus – und wie früh ist neowa bereits in die Projektphase involviert?
Mika Lange: Prinzipiell engagieren wir uns in der strategischen Planung gern schon von den ersten Gedankengängen an und beraten dabei zu Kostengesichtspunkten, Arbeits- und Umweltschutzmaßnahmen und Möglichkeiten zur Verbesserung der CO2-Bilanz. Im Repowering übernehmen wir die vorbereitenden Rückbauarbeiten und bauen die Altanlagen sowie gegebenenfalls bestehende Nebengebäude wie Trafohäuser oder Fundamente zurück. Idealerweise brechen wir hierbei den Beton, um ihn anschließend wieder direkt vor Ort einzusetzen und den Stoffkreislauf somit vollständig zu schließen. Bestehende Synergien nutzen wir dabei so gut wie möglich aus – etwa Infrastruktur, die schon für die anstehenden Neubaumaßnahmen errichtet worden ist. Neben unserer umfassenden Projektarbeit haben wir das Ziel, mit unserer Tätigkeit Branchenstandards zu setzen: Dazu engagieren wir uns als Gründungsmitglied der RDRWind in der Erarbeitung von Normen zu Rückbau, Demontage und Recycling, die auch Behörden und vielen weiteren Stakeholdern wichtige Anhaltspunkte an die Hand geben sollen.
Wirtschaftsforum: Perspektivisch möchten Sie Ihre Kunden als Teil der Wind Services Group mit einem noch weitreichenderen Leistungsspektrum unterstützen.
Mika Lange: Neowa engagiert sich heute im selektiven und rechtssicheren Rückbau samt der fachgerechten Zerlegung der relevanten Bauteile wie der Rotorblätter. Darüber hinaus kümmern wir uns um attraktive Zweitmarktoptionen von ganzen Windkraftanlagen wie auch von einzelnen Komponenten, die dementsprechend an andere Betreiber verkauft, anderswo in Europa wiederaufgebaut und dort ihrem ursprünglichen Zweck gemäß wieder betrieben werden. Zusammen mit anderen Unternehmen aus der Wind Services Group möchten wir uns dem Lebenszyklus der Windkraftanlage nun aber noch umfassender widmen und dazu auf das 400 Mitarbeiter starke vorhandene Installations- und Servicepersonal der gesamten Wind Services Group zurückgreifen. So können wir unsere Partner von der ursprünglichen Errichtung über die Wartungsarbeiten bis hin zum Rückbau und zur Wiederverwendung stillgelegter Anlagen betreuen. Dabei arbeiten wir eng mit den Originalherstellern der Windkraftanlagen zusammen.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie dabei auf die aktuelle Marktlage im Windenergiesegment?
Mika Lange: Die Nachfrage nach unseren Leistungen wird vornehmlich von der Errichtung von Neuanlagen getrieben, in deren Zuge dann Rückbaumaßnahmen der bestehenden Windkraftinfrastruktur am jeweiligen Standort erforderlich werden. In den nächsten Jahren werden etliche Anlagen das Ende ihrer technischen und wirtschaftlichen Lebensdauer erreichen. Als Rückbau-Spezialist empfehlen wir die rechtzeitige Planung, um frühzeitig über Weiterverwendung, Verwertung oder Entsorgung der Komponenten entscheiden zu können.













