„Positives Denken liegt in unserer DNA“

Interview mit Frank Bartsch, Geschäftsführer der WOW! Würth Online World GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Bartsch, Ihr Unternehmen feiert in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen. Was ist in dieser langen Zeit passiert?

Frank Bartsch: Die WOW! wurde 2000 auf Initiative von Reinhold Würth durch Peter Zürn gegründet, mit dem Ziel, die Diagnose als digitalen Schraubenschlüssel zu verwenden. Durch technische Innovationen haben wir die Entwicklung in dem Diagnosemarkt mitgeprägt. So waren wir zum Beispiel unter den ersten Unternehmen, die eine automatisierte Paralleldiagnose auf den Markt gebracht haben. Wir waren Trendsetter im Updatebereich – WOW!-Systeme wurden von Anfang an online auf den neuesten Stand gebracht. Das war vor 20 Jahren noch ganz neu; damals wurde noch rein mechanisch repariert. Die Diagnosesoftware haben wir dann permanent weiterentwickelt. Das Unternehmen hat sich im Independent After Market als das Unternehmen der Würth-Gruppe etabliert, das mit Testequipment, Trainings und Daten vor allem die freien Werkstätten unterstützt. Auch bei der Abgasuntersuchung war die WOW! ein Innovationstreiber. Durch den Einstieg in den Bereich Klimaservicegeräte konnten wir schließlich alle Leistungen aus einer Hand anbieten.

Wirtschaftsforum: Wie ist das Unternehmen aufgestellt, und wie entwickelt es sich?

Frank Bartsch: Neben unserer Zentrale im Campus Würth in Künzelsau betreiben wir ein Lager in Haag und eine Entwicklungsstätte in Schorndorf. Weitere Standorte befinden sich in Italien, Schweden, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz und in Thailand. Die WOW! beschäftigt rund 150 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und entwickelt sich ausgesprochen erfolgreich, auch in diesem Krisenjahr. Wir hatten so gut wie keinen Umsatzverlust. Das liegt auch daran, dass sich unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen enorm eingebracht und Loyalität gezeigt haben. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar. Wir werden auch weiterhin mutig agieren und blicken positiv in die Zukunft. Das liegt in unserer DNA. Man muss sich nur mit großer Flexibilität auf Situationen einstellen können.

Wirtschaftsforum: Welche Trends beobachten Sie in der Autobranche?

Frank Bartsch: Wir arbeiten sehr erfolgreich mit dem Three-Horizons-Modell. Das bedeutet, wir haben Ingenieure, die sich nur damit befassen, was in fünf bis zehn Jahren im Automarkt geschehen wird. So können wir frühzeitig in die Entwicklung einsteigen. Mit Blick auf das autonome Fahren machen die OEMs zunehmend die OBD-Ports zu. Wir haben schon vor fünf, sechs Jahren begonnen, Lösungen zu entwickeln, die es den Werkstätten trotzdem weiterhin ermöglichen, Mehrmarkendiagnosen anzuwenden. Aktuell gibt es einen Trend zur Connectivity. Hier entwickeln wir gerade Systeme zur Onlinediagnose. Telematiklösungen für die Autobranche werden immer wichtiger. Zudem hat sich die Scheibe als Systemelement enorm entwickelt. Beim Austausch müssen die Funktionen anschließend kalibriert werden. Auch dafür haben wir Systeme entwickelt und bieten entsprechende Trainings. Plattformen werden für Werkstätten ein zusätzliches Tool werden. Das ist ein Top-Thema, zu dem ich im Moment noch nicht mehr verraten kann.

Wirtschaftsforum: Was hat es mit dem Claim ‘WOW! HOW’, der auf Ihrer Webseite auftaucht, auf sich?

Frank Bartsch: WOW! – Würth Online World – steht für die Vision von Reinhold Würth, der schon vor 20 Jahren erkannt hat, dass Daten im Kfz-Bereich die Schrauben der Zukunft waren. Diese Vision ist voll eingetroffen. HOW steht für Know-how vom Kunden für den Kunden. Denn wir fragen unsere Kunden, wo sie Unterstützung brauchen, und entwickeln daraus neue Funktionalitäten. Um den Austausch weiterhin sicherzustellen, haben wir im Oktober begonnen, virtuelle Messen unter dem Namen WOW! HOW SHOW anzubieten und dazu Kunden aus aller Welt einzuladen. Darin sehen wir auch für die Zeit nach Corona großes Potenzial.

Wirtschaftsforum: Welche Aufgaben liegen Ihnen als Geschäftsführer besonders am Herzen?

Frank Bartsch: Ich bin seit 24 Jahren in der Würth-Gruppe und komme ursprünglich aus dem Vertrieb. Gemeinsam mit meinem Kollegen Frank Konietzke darf ich dieses wunderbare Unternehmen weiter ausbauen. Darauf freue ich mich, denn unser Markt wird nie langweilig. Meine größte Freude ist es, wenn ich ein paar Tage im Vertrieb tätig sein kann. Mir macht es auch viel Spaß, Unternehmensbereiche zu restrukturieren, sie mit den Menschen zusammen upzudaten und diese zu motivieren, den Weg dann selbstständig weiterzugehen. Das ist auch mein Führungsstil. Was mich immer wieder antreibt bei dem Bestreben, das Unternehmen größer zu machen, ist der Wunsch, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und ihre Familien glücklich sind.

Wirtschaftsforum: Welche Faktoren halten Sie für besonders wesentlich für den Erfolg?

Frank Bartsch: Eine ganz wichtige Rolle spielt mein Kollege Frank Konietzke. Er hat der WOW! einen Stempel aufgedrückt, indem er Werte geschaffen hat, die die Basis für den weiteren Aufbau waren. Dazu gehört, dass wir emotional positiv ausgerichtet sind und offen kommunizieren.

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