Intelligente Parkkonzepte

Interview mit Markus Hofheinz, CEO der WÖHR Autoparksysteme GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Hofheinz, das Unternehmen wurde vor über 120 Jahren als kleine Schlosserei gegründet. Was sind heute die wichtigsten Säulen Ihres Geschäfts?

Markus Hofheinz: Unser Geschäft steht im Grunde auf vier Säulen. Das sind Parklifte, halbautomatische Combilifte und Combiparker, vollautomatische Systeme mit Übergabekabinen und Fahrradparklösungen. Wir bauen und entwickeln alle Parksysteme selbst, vertreiben unsere Produkte weltweit und montieren sie auch in Deutschland.

Wirtschaftsforum: Gibt es Neuheiten oder Innovationen?

Markus Hofheinz: Ganz neu, das haben wir vor Kurzem auf der BAU in München verkündet, ist eine Partnerschaft mit der Firma Koch & Partner, Bike Parking Systems AG aus der Schweiz zur Erweiterung unserer Fahrradparklösungen. Unser Bikesafe wird durch den Bike-Safe-Tower ergänzt, ein Paternostersystem mit Einzelboxen. Ebenfalls neu ist der Bike-Parking-Lift für den Einbau in neue und bereits vorhandene Fahrradkeller oder anderweitige Fahrradparkstationen.

Wirtschaftsforum: Wie digital sind Ihre Lösungen?

Markus Hofheinz: Wir haben die WÖHR Smartparking-App entwickelt. Digitale Themen sind bei uns vor allem die Vernetzung und die Fernsteuerung. Die Kunden erwarten heutzutage smarte Lösungen. Für uns ist das Thema Remote Control wichtig, da wir darüber extern schnell und unkompliziert einen Remote Service anbieten können.

Wirtschaftsforum: Wir sprechen über Parklösungen und damit über Autos. Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit für Ihre Kunden, aber auch für Sie als Unternehmen?

Markus Hofheinz: Nachhaltigkeit ist ein Megatrend. Kompaktes Parken ist von Grund auf nachhaltig. Mit unseren Systemen kann man bis zu 50% CO2 gegenüber konventionellen Parkgaragen einsparen. Darüber hinaus sparen wir auch in unserer Produktion Energie durch den Einsatz neuster Produktionsmaschinen. Auf der Produktseite verwenden wir zukünftig Fahrbleche mit Magnesium-Zink-Aluminium-Beschichtung und ersetzen die Feuerverzinkung. Feuerverzinkung benötigt einen hohen Einsatz von Energie sowie zusätzliche Transporte zur Verzinkerei und zurück. Wir nähern uns dem Thema Nachhaltigkeit auch unter sozialen Aspekten. Wir sind ein Familienunternehmen mit einer langfristig angelegten Strategie, begegnen unseren Mitarbeitern wertschätzend und bieten gute Sozialleistungen an.

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist der deutsche Markt für Sie? Sind Sie auch international vertreten?

Markus Hofheinz: Mit rund 50% Anteil am Gesamtgeschäft ist Deutschland nach wie vor unser wichtigster Markt. Aktuell sind wir in circa 60 Ländern weltweit vertreten, möchten aber unsere internationale Präsenz in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen. Wachstumsperspektiven sehen wir in vielen Ländern dieser Welt, zum Beispiel in Indien, wo wir seit vielen Jahren mit einem Joint Venture vertreten sind. Darüber hinaus sehen wir auch in allen anderen Regionen der Welt weiteres Wachstumspotenzial.

Wirtschaftsforum: Was erwarten Sie in der nächsten Zeit von der DACH-Region?

Markus Hofheinz: Aufgrund der massiven Zinserhöhungen, der stark gestiegenen Baukosten und gleichzeitig schlechter Materialverfügbarkeit werden viele Neubauprojekte aktuell verschoben oder gestrichen. Noch merken wir in unserem Geschäft nichts davon, da unsere Bauprojekte bereits begonnen wurden und auch fertiggestellt werden. Deshalb erwarten wir ein erfreuliches Wachstum in diesem Jahr. Die Materialkosten und -verfügbarkeiten sind allerdings auch bei uns belastend. Bislang konnten wir diese Herausforderungen jedoch gut meistern. Mit den Auftragseingängen für 2024 sind wir zufrieden. Für 2025 erwarten wir jedoch eine schwächere Nachfrage in der DACH-Region. Allerdings ist der Bedarf an Wohnraum ungebrochen. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass es weitergeht und sich nach einer Abkühlungsphase die Nachfrage wieder deutlich erholt.

Wirtschaftsforum: Was sind Ihre Themen für die kommenden Jahre?

Markus Hofheinz: Unser Thema ist die Transformation des städtischen Wohnraums mit effizienten und komfortablen Parklösungen. Leider geht die Politik mit ihren Entscheidungen aktuell häufig an der Realität der Menschen und des Alltags vorbei, wenn zum Beispiel ganze Quartierlösungen ohne Autos geplant werden. Das Auto ist ein Teil der Mobilität und der Individualisierung. Man darf das Parken nicht verbieten, sondern muss es intelligent weiterentwickeln. Dafür bieten wir vielfältige und innovative Parklösungen für Autos und Fahrräder an. Darüber hinaus werden wir unsere internationalen Vertriebsaktivitäten dieses Jahr in Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern weiter ausbauen.

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