Präzision in Gold

Interview mit Dan Mutschler, Geschäftsführer der WEGHV GmbH

Die Abkürzung WEGHV steht für Westfälischer Edelmetallgroßhandel und Verwertung. Das Unternehmen ist rund 13 Jahre alt und bildet heute, gemeinsam mit seinem Schwesterunternehmen MTM Ruhrzinn, die MTM Group.

Geschäftsführer Dan Mutschler ist Gründer von MTM. Da sich dieses Unternehmen mit dem Recycling von Zinn und Metallen aus der Elektronikbranche beschäftigt, passte der Kauf von WEGHV im Oktober 2021 in sein Konzept: „WEGHV ist mehr auf Edelmetalle ausgerichtet und hat somit eine andere Zielgruppe. Unser Ziel ist, die Synergien innerhalb der Gruppe zukünftig stärker zu nutzen“, erklärt er. 40 Mitarbeiter sind in der MTM Group beschäftigt. WEGHV erwirtschaftet allein einen Jahresumsatz von 60 Millionen EUR.

Umfassender nachhaltiger Ansatz

Dan Mutschler beschreibt das Geschäftsmodell von WEGHV: „Wir kaufen Abfallstoffe in Form von Dentalgold, Schmuck, Tafelsilber und versilberten Bestecken oder oberflächenveredelten Abfällen auf und schmelzen sie ein. Dafür haben wir mehrere Schmelztiegel mit einem Fassungsvermögen von bis zu 60 kg. Nach dem Einschmelzen erfolgt die Analyse. Anschließend verkaufen wir das Edelmetall an eine Scheideanstalt oder eine spezialisierte Raffinerie weiter. Wir arbeiten also am nachhaltigen Rohstoffkreislauf.“

Bei Verkauf des Rohstoffs zählt für WEGHV nicht nur der Preis, macht Dan Mutschler deutlich – auch hier verfolge man einen umfassenden nachhaltigen Ansatz. „So berücksichtigen wir zum Beispiel, welche Prozesse sich vermeiden lassen, wie hoch der CO2-Ausstoß ist und ob mit regenerativen Energiequellen gearbeitet wird. Mit diesem Ansatz treffen wir im Consumer-Bereich genau den Zeitgeist. Denn auch beim Kauf von Schmuck spielen immer häufiger Nachhaltigkeitskriterien eine Rolle“, erklärt er. Durch den Kauf von WEGHV sei man nun in der Lage, neben zinnhaltigen Produkten auch Edelmetalle umweltgerecht zu verwerten.

Verkauf ist Vertrauenssache

Bei den Edelmetallen handelt es sich meist um Gold, Silber, Platin oder Palladium. Auch Produkte aus Zinn werden angenommen. „Das Kundenmaterial wird binnen 24 Stunden eingeschmolzen, analysiert und vergütet. Daneben bekommt der Kunde von uns eine transparent aufbereitete Dokumentation und die Analyse. Außerdem kümmern wir uns um einen gesicherten Transport“, so der Geschäftsführer.

Die Kunden von WEGHV sind in der Regel Juweliergeschäfte. Doch auch wenn sich Privatleute von ihren ‘Schätzen’ trennen wollen, werden sie nicht abgewiesen. Zuverlässigkeit und Schnelligkeit stehen für WEGHV an erster Stelle, macht Dan Mutschler deutlich: „Auch unter Zeitdruck liefern wir eine sehr präzise Dienstleistung. Ein Gramm Gold kostet am Goldmarkt aktuell 51 EUR. Wird bei der Beprobung nicht präzise und akkurat gearbeitet, kann das sehr teuer werden.“

Ohnehin sei Goldrecycling eine Vertrauenssache: „Die Kunden vertrauen uns wertvolles Gut an, das sie in guten Händen wissen wollen. Wir gehören zu den 2% der deutschen Unternehmen, die laut Creditreform eine außergewöhnlich gute Bonität haben. Deshalb wurden wir im Oktober 2021 mit dem Bonitätsgütesiegel ‘CrefoZert’ ausgezeichnet.“

WEGHV ist überwiegend im deutschsprachigen Raum, darüber hinaus aber auch in ganz Europa aktiv. In Frankreich betreibt das Unternehmen eine eigene Niederlassung. Die Strategie sei auf Expansion ausgerichtet, so Dan Mutschler. Die Coronazeit war für das Unternehmen eine wechselvolle, berichtet er: „In der Zeit des ersten Lockdowns hatten die Juweliere geschlossen, zudem waren die Goldpreise sehr niedrig. Daher wurde in dieser Phase relativ wenig Gold veräußert. Während des zweiten Lockdowns begannen jedoch die Rohstoffpreise stark zu steigen. Bei uns führte das in den letzten Monaten zu einem deutlichen Auftragswachstum.“

Auf der Verkaufsseite machen sich gleichzeitig die Inflation und die Negativzinsen bemerkbar. „Aufgrund der aktuellen Geldpolitik legen die Leute vermehrt in Gold an, weil es als sichere Geldanlage gilt“, sagt Dan Mutschler.

Eine Anlaufstelle für alles

In der Außendarstellung möchte Dan Mutschler zukünftig noch mehr aus dem Unternehmen herausholen. „Wir sind in der Vergangenheit nicht aktiv genug auf dem Markt in Erscheinung getreten. Das möchten wir ändern und unsere Mehrwerte für den Kunden kommunizieren. Er könnte auch direkt an die Scheideanstalten verkaufen. Der Zwischenschritt über uns lohnt sich aber für ihn, weil er bei uns innerhalb von 24 Stunden eine Analyse bekommt und dadurch viel schneller in der Lage ist, sich zu refinanzieren.“

Die Arbeiten erfordern ein extrem großes Know-how sowie präzise Geräte. Beides bietet WEGHV mit seiner personellen und maschinellen Ausstattung. Darüber hinaus hat der Verkäufer den Vorteil, dass nicht nur Gold, sondern auch Produkte wie versilbertes Besteck oder Geschirrzinn, etwa aus Haushaltsauflösungen, angenommen werden und er somit nur eine Anlaufstelle hat.

Insgesamt beobachtet Dan Mutschler ein neues Bewusstsein für die Werthaltigkeit, Nachhaltigkeit und Regionalität von Produkten. „Der Bedarf an Aufarbeitungsmöglichkeiten und der Durst nach Wissen für korrekte Verwertung wird daher weiter steigen“, ist er überzeugt.

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