Vom Flachdach zum Klimafaktor

Interview mit Julian Wegener, Geschäftsführer der Wegener Bedachungen GmbH

Ein klarer Kurs seit der Gründung

Die Wegener Bedachungen GmbH wurde im Jahr 2002 gegründet – in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und zunächst im kleinen Rahmen. Schon früh entschied sich das Unternehmen für eine klare Ausrichtung: nachhaltige Produkte und Dachbegrünung. 2004 entstand die Marke #gruenaufsdach, unter der das Unternehmen bis heute auftritt.

Heute beschäftigt der Betrieb 32 Mitarbeiter und ist überregional im Umkreis von rund 100 km um Kassel tätig. Seit 2022 führt Julian Wegener das Unternehmen gemeinsam mit seinem Vater in zweiter Generation.

„Für mich war von Anfang an klar, ich will auch Dachdecker werden“, verrät der Leiter des Familienbetriebs. Nach Ausbildung, kaufmännischer Weiterbildung und Meistertitel kehrte er mit zusätzlicher Kompetenz in den Betrieb zurück. Schritt für Schritt übernahm er Verantwortung – insbesondere beim Ausbau des Gründachsegments.

Dächer als Lebensraum und Klimainstrument

Das Unternehmen realisiert komplette Flachdächer im Neubau und in der Sanierung. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Abdichtung. „Ich sage immer vom Keller bis zum Dach, wir sind vom Fach“, betont der Gründachspezialist. Wo abgedichtet werden muss, übernimmt das Team – und wo es grün werden soll, ebenso.

Dachbegrünung war zu Beginn kein Massenmarkt. „Neu würde ich jetzt nicht sagen, aber es war nicht weit verbreitet“, erläutert der Unternehmer. Heute sind begrünte oder mit Photovoltaik ausgestattete Flachdächer in vielen Kommunen vorgeschrieben.

Technisch setzt der Betrieb konsequent auf recycelbare Materialien. Bitumen-Schweißbahnen kommen nicht mehr zum Einsatz. Stattdessen werden Kunststoffbahnen verwendet, für die in Verbindung mit dem Hersteller bis zu 25 Jahre Garantie möglich sind. „Wenn ein Hersteller gemeinsam mit einem Dachdecker 25 Jahre Garantie gibt, dann muss man davon ausgehen, dass das System funktioniert“, unterstreicht der Dachdeckermeister.

Neben klassischen Sedum-Dächern sind auch artenreiche Begrünungen oder Kombinationen mit Photovoltaik realisierbar. Entscheidend ist für Julian Wegener jedoch ein anderer Aspekt: Regenwasser zurückzuhalten, statt es ungebremst in die Kanalisation zu leiten. Retentionsdächer und Rigolen sorgen dafür, dass Niederschläge zunächst gespeichert und zeitverzögert versickern. Angesichts zunehmender Starkregenereignisse ist das ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz, denn große versiegelte Flächen überlasten schnell die Kanalisation.

Wird Wasser dagegen auf dem Dach zurückgehalten, entlastet das die Infrastruktur, fördert die Grundwasserneubildung und verbessert durch Verdunstung das Mikroklima. Für den Firmenchef ist das ein zentraler Bestandteil zukunftsfähiger Baukonzepte.

Verantwortung weiterdenken – für die nächsten 20 Jahre

Zu den wichtigsten Kunden zählen Wohnungsbaugesellschaften sowie Städte und Kommunen. Trotz voller Auftragsbücher – das Unternehmen ist bis ins kommende Jahr hinein ausgelastet – bleibt der Fachkräftemangel ein Thema. Integration und Ausbildung gehören deshalb zur Strategie.

Nachhaltigkeit ist nicht nur Produktmerkmal, sondern Teil der Unternehmenskultur. Eigene Gebäude sind begrünt, E-Fahrzeuge und Photovoltaik gehören zum Standard. „Unsere Mitarbeiter leben diesen Gedanken“, erklärt der Betriebsleiter.

Gleichzeitig denkt er weiter. Alte Dachbegrünungen sollen künftig nicht mehr entsorgt, sondern aufbereitet und wiederverwendet werden. „Es macht keinen Sinn, Material teuer zu entsorgen und anschließend neu einzukaufen“, so der Geschäftsführer.

Sein Blick reicht über das Tagesgeschäft hinaus. „Wir müssen für die nächsten 20 Jahre Produkte und Konzepte entwickeln“, fordert der Unternehmer. Denn für ihn ist klar: Wer nichts verändert, verändert auch nichts.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Bau

Raum für Veränderung

Interview mit Benjamin von Schretter, Geschäftsführer, und Gabriele Tertilt, Head of Marketing der Adapteo GmbH

Raum für Veränderung

Schulen, Kitas, Industrieunternehmen und große Infrastrukturprojekte brauchen Räume, die schnell verfügbar sind und sich veränderten Anforderungen anpassen können. Genau hier setzt die Adapteo GmbH mit modularen Gebäudelösungen an. Geschäftsführer Benjamin…

Wo Zukunft Anschluss findet

Interview mit Florence Fischer, Geschäftsführerin der GPG Glasfaser Projekt GmbH

Wo Zukunft Anschluss findet

Unsere digitale Zukunft braucht vor allem eines: eine leistungsfähige Glasfaserinfrastruktur, sei es im Homeoffice, in Unternehmen oder für smarte Städte und Gemeinden. Daran arbeitet die GPG Glasfaser Projekt GmbH bundesweit…

Beton erhalten, Zukunft ­sichern

Interview mit Thomas Klee, Geschäftsführer der Consolvo GmbH

Beton erhalten, Zukunft ­sichern

Die Instandsetzung bestehender Betonbauwerke gewinnt angesichts alternder Infrastruktur, steigender Kosten und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen zunehmend an Bedeutung. Gefragt sind Lösungen, die Schäden zuverlässig beheben und zugleich möglichst viel Bausubstanz erhalten. Genau…

Spannendes aus der Region Kassel

Starke Mittel gegen Schimmel

Interview mit Andreas Alexander, Geschäftsführer der GLUTOCLEAN Produktions GmbH

Starke Mittel gegen Schimmel

Ob im Badezimmer, Keller oder Schlafzimmer – Schimmel ist mehr als ein optisches Problem, weil oft auch ein Gesundheitsrisiko. Die GLUTOCLEAN Produktions GmbH aus Hann. Münden hat sich auf die…

Präzision unter Druck: Wie Wartung zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Mirko Ruhwedel, Geschäftsführer und Lothar Sommer, Geschäftsführer der RUN-TEC GmbH

Präzision unter Druck: Wie Wartung zum Wettbewerbsvorteil wird

Lieferketten unter Druck, Investitionszurückhaltung und steigende Kosten zwingen Industrieunternehmen dazu, bestehende Maschinen länger und effizienter zu nutzen. Genau hier setzt die RUN-TEC GmbH an. Das Unternehmen aus Nordhessen hat sich…

Baustelle 4.0: GPS statt Schnur und Bandmaß

Interview mit Michael Finette, Geschäftsführer Baubetrieb Finette GmbH

Baustelle 4.0: GPS statt Schnur und Bandmaß

Der deutsche Wohnungsbau bricht ein, Baustoffe verteuern sich, Fachkräfte fehlen. Wer in diesem Umfeld bestehen will, braucht ein klares Profil, verlässliche Qualität und die Bereitschaft, in moderne Technik zu investieren,…

Das könnte Sie auch interessieren

„Unsere Anlagen laufen rund um die Uhr!“

Interview mit Martin Müller, CEO bis 2025 der Polymetrix AG

„Unsere Anlagen laufen rund um die Uhr!“

Martin Müller kennt Polymetrix wie kaum ein anderer: Seit fast fünf Jahrzehnten begleitet er die Entwicklung des Unternehmens aus dem schweizerischen Oberbüren, das weltweit Maßstäbe in Kunststoffverarbeitung und Recycling setzt.…

„Durch uns müssen viele Löcher in der Erde gar nicht erst gegraben werden!“

Interview mit Emiel van Loon, Geschäftsführer der Overdie Deutschland GmbH

„Durch uns müssen viele Löcher in der Erde gar nicht erst gegraben werden!“

Für Overdie ist Kreislaufwirtschaft kein Modewort, sondern seit Jahrzehnten gelebter Alltag: Das Unternehmen sorgt dafür, dass der Schlacke aus der Müllverbrennung Metalle entzogen und diese anschließend sauber voneinander getrennt werden.…

Recycling neu gedacht

Interview mit Andrea Gratzer, Geschäftsführerin und Peter Streinik, Geschäftsführer der UNTHA Deutschland GmbH

Recycling neu gedacht

Ressourcen effizient nutzen, Wertstoffe zurückgewinnen und fossile Energieträger ersetzen – moderne Recyclingtechnik ist ein entscheidender Baustein der Kreislaufwirtschaft. Die UNTHA Deutschland GmbH mit Sitz in ­Gemünden am Main entwickelt und…

TOP