Stahl, der Brücken schlägt

Interview mit Christian Rduch, Business Area Director und Christopher M. Hartmann, Geschäftsführer der ViaCon Hamco GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Rduch, Sie sind seit fast 20 Jahren im Unternehmen. Wie hat sich ViaCon Hamco in dieser Zeit gewandelt?

Christian Rduch: Ich bin seit Dezember 2007 dabei, damals noch als Verkaufsingenieur bei der Hamco Dinslaken Bausysteme GmbH, dem Vorgänger der heutigen ViaCon Hamco. Nach der Akquisition durch die schwedische ViaCon-Gruppe bin ich seit Anfang 2024 als Business Area Manager tätig. Seither hat sich viel getan: Standortverlagerung von Dinslaken nach Mülheim an der Ruhr, Übertragung der Produktion an unsere polnische Schwestergesellschaft und eine erhebliche Erweiterung unseres Produktportfolios.

Wirtschaftsforum: Herr Hartmann, was genau macht ViaCon Hamco?

Christopher M. Hartmann: ViaCon ist international tätig und spezialisiert auf anspruchsvolle Lösungen für Infrastrukturprojekte vor

allem im Straßenbau, Verkehrswegebau, Eisenbahnbau. Wir sind in zwei Geschäftsbereiche unterteilt: Brücken und Durchlässe einerseits, Stormwater Solutions sowie Geotechnical Solutions andererseits. In Deutschland liegt unser Fokus klar auf dem ersten Bereich. Rund 85 bis 90% unseres Geschäfts läuft über Bauunternehmen, die als Generalunternehmer öffentliche Ausschreibungen gewinnen – wir treten dann als Subunternehmer auf und liefern und montieren die Wellstahlkon­struktionen direkt auf der Baustelle.

Wirtschaftsforum: Warum montieren Sie selbst?

Christian Rduch: Das Produkt sieht im ersten Moment relativ einfach aus. Beim zweiten Hinsehen ist es das aber nicht. Unsere Monteure machen das seit 30 oder 40 Jahren, die wissen genau, was sie tun. Das ist zum einen eine Frage der Gewährleistung, zum anderen schlicht der Effizienz. Wir sind deutlich schneller als jedes Bauunternehmen, das

zum ersten Mal mit Wellstahl arbeitet. Das kommt letztlich auch dem Auftraggeber zugute: weniger Straßensperrungen, kürzere Bauzeiten.

Wirtschaftsforum: Was sind die entscheidenden Vorteile gegenüber konventionellen Bauweisen?

Christian Rduch: Wellstahllösungen haben gegenüber Betonbau erhebliche Vorteile. Keine Aushärtezeiten, extrem schnelle Montage, sofortige Belastbarkeit nach der Hinterfüllung. Das reduziert Bauzeit und Verkehrsbeeinträchtigungen erheblich. Dazu kommt die modulare Bauweise: Mit verhältnismäßig leichten Elementen können wir auch in unwegsamem Gelände bauen, wo schwere Betonfertigteile schlicht nicht hinzutransportieren wären. Wir haben Bauwerke in der Antarktis realisiert und den Zugspitzbahnhof in Wellstahl errichtet. Unser Produktportfolio reicht heute von 30 cm Durchmesser bis über 30 m Spannweite. Das größte Wellstahlbauwerk der Welt hat ViaCon gebaut.

Wirtschaftsforum: Wie bewerten Sie die aktuelle Marktlage – Stichwort Investitionsstau und Sondervermögen?

Christian Rduch: Wir spüren das Sondervermögen in 2026 noch nicht direkt. Infrastrukturprojekte dieser Größenordnung lassen sich nicht innerhalb eines Jahres planen. Von der Planung bis zur Umsetzung vergehen in der Regel drei bis sieben Jahre. Wir erwarten aber ab 2027 erste Effekte. Deutschland hat einen erheblichen Sanierungsbedarf. Allein auf Bundesebene sind es Tausende sanierungsbedürftige Brücken. Genau hier sehen wir enormes Potenzial: Wir können alte Bauwerke ohne Verkehrsstopps sanieren – das ist ein echter Wettbewerbsvorteil.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in Ihrem Geschäft?

Christopher M. Hartmann: Nachhaltigkeit ist für ViaCon ein wichtiges Thema, wird aber ehrlich gesagt im Tagesgeschäft noch selten aktiv nachgefragt. Dabei haben Wellstahlbauwerke von Natur aus erhebliche ökologische Vorteile: weniger Materialeinsatz, weniger Lkw-Fahrten, kürzere Bauzeiten und damit geringere CO2-Emissionen. Der Stahl ist am Ende der Lebensdauer zu 100% recycelbar. Im Vergleich zu herkömmlichen Betonbauweisen sind Einsparungen von mehr als 50% an CO2 möglich. Und was die Lebensdauer betrifft: Gemäß der aktuellen Ablösungsbeträgeberechnungsverordnung sind moderne Wellstahlbauwerke mit korrektem Korrosionsschutz vollständig gleichwertig mit Betonbauwerken. Wir arbeiten zudem an unserer sogenannten Zero Steel Initiative: Ziel ist es, bis 2035 ausschließlich 100% recycelten Stahl einzusetzen und die Produktionsenergie zunehmend aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Das macht uns unabhängiger von den Preisschwankungen, die globale Krisen mit sich bringen.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen?

Christopher M. Hartmann: Das größte Wachstumspotenzial liegt für uns in größeren Bauwerken. Mit unseren neuen Produkten, die auf einer deutlich größeren Wellung basieren, können wir Querschnittsformen und Spannweiten realisieren, die mit Wellstahl bisher nicht möglich waren. Das verändert die interne Produktverteilung erheblich. Parallel wollen wir uns etwas ausschreibungsunabhängiger aufstellen, vor allem in der Schüttgutindustrie. Das ist ein wachsender Markt mit privatem Investitionskapital. Wir haben den Rückhalt der gesamten ViaCon-Gruppe mit rund 700 Mitarbeitern in 18 Ländern, und der deutsche Markt gilt unserem schwedischen Management als einer der wichtigsten im Konzernverbund. Wir sind bereit – jetzt warten wir darauf, dass die Mittel aus dem Sondervermögen fließen und wir unseren Beitrag zu einer modernen, klimaneutralen Infrastruktur leisten können.

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