„Wir brauchen Mut zur Veränderung!“

Interview mit Axel Bürger, Geschäftsführer der BFI Stahlbausysteme GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Bürger, wie umfassend fällt das Leistungsspektrum von BFI aus?

Axel Bürger: Ursprünglich stammt unser Unternehmen aus dem Bauhauptgewerbe, wo wir vornehmlich für verschiedenste Industrie- und Gewerbekunden ganze Hallen, oftmals samt den entsprechenden Einbauten, planen und umsetzen. Die jeweiligen Komponenten werden von uns entworfen, konstruiert, gefertigt, global versendet und anschließend vor Ort montiert; dazu liefern wir auch die gesamte erforderliche Fachdokumentation.

Wirtschaftsforum: Und global heißt bei BFI auch wirklich global.

Axel Bürger: Unser Platz ist in der Welt und nicht daheim. Wir haben schon Projekte in Mexiko, Brasilien, Angola, Benin, Nigeria und vielen weiteren Ländern in Afrika, Asien und auf dem amerikanischen Doppelkontinent umgesetzt. Demnächst möchten wir uns bei einem spannenden Auftrag in Kamerun engagieren.

Denn fest steht, dass die Nachfrage der Weltbevölkerung in den Marktsegmenten, in denen wir tätig sind, in den nächsten Jahren deutlich steigen wird. Daran wollen auch wir Anteil haben – und einen starken Beitrag leisten, damit diese Bedürfnisse gedeckt werden können.

Wirtschaftsforum: Gleichzeitig hat BFI in jüngerer Vergangenheit einige Veränderungen bei seinen Branchenschwerpunkten erfahren.

Axel Bürger: Lange Jahre sind wir viel für Automobilzulieferer tätig gewesen, für die wir komplexe Projekte für ihre Fertigung und (Lager-)Logistik umgesetzt haben. Dort waren jedoch keine sonderlich attraktiven Umsätze mehr zu generieren. Deshalb sind wir viel auf Fachmessen in anderen Branchensegmenten gegangen, um uns neue Märkte zu erschließen – mit beachtlichem Erfolg. Denn trotz einer stark schwankenden konjunkturellen Lage konnten wir unsere Umsätze auch in Krisenzeiten halten und bisweilen sogar stark zulegen. Inzwischen engagieren wir uns vornehmlich in der lebensmittelverarbeitenden und Getränkeindustrie sowie im Pharmabereich – dort, wo global ein besonders starkes Wachstum zu erwarten ist.

Wirtschaftsforum: Wie komplex muss man sich den Wissens­transfer in diese Segmente vorstellen?

Axel Bürger: Der Stahlbau, wie wir ihn ausführen, ist immer nur als Projektgeschäft umsetzbar – egal ob es sich dabei um Systeme für die Zuführung von Karosserieteilen in der Automotive-Industrie oder um Treppenstufen in einer Brauerei handelt. Diese nicht nur branchen- sondern vielmehr anwendungsspezifische Vorgehensweise ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil unserer DNA. Das hat uns diese Transformation spürbar erleichtert.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt für Sie und Ihre Kunden das Thema Nachhaltigkeit?

Axel Bürger: Nachhaltigkeit verbinde ich mit dem verantwortungsvollen und schonenden Umgang mit unseren Ressourcen. Ich meine hier ausdrücklich nicht allein die benötigten Rohstoffe, sondern auch den fairen Umgang mit den Menschen, die für oder bei uns arbeiten. Denn wir haben diese Welt nur von unserer nachfolgenden Generation geliehen und nicht von unseren Vorfahren zur freien Verfügung geschenkt bekommen. Also wollen wir alles in einem besseren Zustand weitergeben, als wir es einst übernommen haben. Niemand soll auf einer Müllhalde vegetieren müssen, aller Mittel und Ressourcen beraubt! Deshalb fordern unsere Kunden nicht nur entsprechende Zertifizierungen von uns, sondern vielmehr, dass wir diesen Gedanken in unserem Unternehmen lebendig werden lassen.

Wirtschaftsforum: Sie möchten den Menschen Mut für Veränderungen machen – ist BFI dafür prädestiniert?

Axel Bürger: Wir leben in einer Welt voller Veränderungen – denken Sie nur an die Digitalisierung und die KI. BFI kommt aus dem Projektgeschäft, wo kein Tag wie der andere ist. Und selbst wenn sich ein Projekt, rein theoretisch gesprochen, einmal tatsächlich wiederholen ließe, sind die konkreten Rahmenbedingungen dann doch wieder andere, sodass man sich der entsprechenden Lösung ohnehin wieder völlig neu widmen muss. Das gilt genauso auch für unser weltweites Engagement – denn in jedem Land bestehen völlig andere Bedürfnisse, an die wir uns anpassen müssen. Klar, auch ich betrat früher gerne sichere, ausgetretene Pfade. Aber das hat uns nur in den Rückschritt geführt, technologisch und gesellschaftspolitisch!

Wirtschaftsforum: Wie sieht dann der Weg nach vorne aus?

Axel Bürger: Wir müssen nun unter Schmerzen Reformen angehen, uns verändern und modernisieren. Es ist auch völlig in Ordnung, wenn daran auch einmal eine Regierung scheitert. Denn die alten Methoden führen eben nicht in die Zukunft. Ich finde, wir sollten uns dabei auch nicht an Kategorien wie rechts oder links oder einzelnen politischen Farben orientieren – das spaltet nur. Stattdessen müssen wir uns viel stärker den einzelnen Sachfragen widmen: Was ist richtig, was ist falsch? Und was funktioniert oder eben nicht? Nur dann finden wir wirklich wirksame Lösungen für unsere Probleme.

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