Wahre Freiheit im Banking

Interview mit Maximilian Tayenthal, Mitgründer und Mitinhaber der N26 GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Tayenthal, was hat Sie angetrieben, ein Fintech zu gründen?

Maximilian Tayenthal: Der Drang, etwas nachhaltig zu verändern, war maßgebend dafür, N26 zu gründen. Dass sich der europäische Finanzmarkt bewegen musste, war schon sehr offensichtlich. Zum einen entwickelte sich 2013 der Trend weg von online und hin zu mobilen Anwendungen, aber die Nutzeroberflächen der Banken sahen damals noch aus wie das Internet der 1990er-Jahre. Auf der anderen Seite hat sich das Leben junger Europäer verändert. Man wächst beispielsweise in Wien auf, studiert in Amsterdam, macht ein Praktikum in London und arbeitet irgendwann in Berlin. Es ist unverständlich, warum man in jedem Land ein neues Konto aufmachen muss. So wollen wir mit N26 die Grenzen im Banking einreißen, die es politisch gar nicht mehr gibt.

Wirtschaftsforum: Ein ambitioniertes Ziel, das aber erst einmal umgesetzt werden will.

Maximilian Tayenthal: Wir leben im 21. Jahrhundert und eine Kontoeröffnung dauert immer noch unheimlich lange. Überweisungen sind zeitintensiv und Banking an sich eine Last. Das muss nicht so sein. N26 nutzt die vorhandenen Technologien und das mit Verstand. Wir möchten ein unkompliziertes, transparentes Konto für alle schaffen, die ihr Banking gern und einfach am Smartphone erledigen.

Wirtschaftsforum: Sie haben mit N26 bewegte Zeiten hinter sich. Welche Lehren ziehen Sie daraus? Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit?

Maximilian Tayenthal: In Summe hatten wir ein sehr erfolgreiches Jahr 2016. Die Europäische Zentralbank hat uns eine Banklizenz erteilt. Mit der neuen Finanzierungsrunde über 40 Millionen Dollar ist Li-Kashings Horizons Ventures mit an Bord gekommen. Wir haben in neun weitere Länder expandiert und sind stark gewachsen. Außerdem sind wir erfolgreich auf unsere eigene Bankplattform umgezogen. Die Relevanz von N26 zeigt sich auch daran, dass Apple uns als einzige Bank Europas auf dem WWDC (Worldwide Development Conference) erwähnt hat. Bei einem jungen Unternehmen, das Neuland betritt, kommt es immer wieder zu neuen Herausforderungen. Wir können sagen, dass wir im letzten Jahr viel gelernt haben – auch, wie wir besser mit unseren Kunden kommunizieren können. Dadurch sind wir heute viel besser aufgestellt.

Wirtschaftsforum: Welche Pläne haben Sie für 2017?

Maximilian Tayenthal: In diesem Jahr werden wir unser Angebot der wichtigsten Finanzprodukte in unserer App um ein Sparprodukt sowie um Versicherungen erweitern. Zuletzt haben wir ein Kreditprodukt auf den Markt gebracht, bei dem Kreditprüfung, Identifizierung und Abschluss innerhalb weniger Minuten funktioniert und der Kunde die N26 App nicht verlassen muss. Bei einem erfolgreichen Antrag ist das Geld sofort auf dem Konto verfügbar.

Maximilian Tayenthal, Mitgründer und Mitinhaber der N26 GmbH
„Bankfilialen werden unwirtschaftlich und bringen den Kunden immer weniger Mehrwert!“ Maximilian TayenthalMitgründer und Mitinhaber der N26 GmbH

Wirtschaftsforum: Werden Sie ins Firmenkundengeschäft einsteigen? Falls ja, wie wird das Angebot aussehen?

Maximilian Tayenthal: Wir haben bereits ein Business Konto für SMEs und Freelancer im Rahmen des Umzugs auf unsere eigene Bankplattform angeboten. Aktuell liegt unser Fokus auf Privatkunden und darin, ihnen das beste Banking zu bieten. Sicherlich werden wir auch ins Firmenkundengeschäft einsteigen, denn wir sehen hier großes Potenzial. Geschäftskonten sind unglaublich teuer für Unternehmer und noch ganz weit im hinten beim Thema Digitalisierung.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle werden traditionell regional verwurzelte Banken, wie zum Beispiel die Volksbanken Raiffeisenbanken und die Sparkassen, mittel- und langfristig in der deutschen Bankenlandschaft noch spielen?

Maximilian Tayenthal: Die Rolle der regionalen Banken wird kleiner werden. Das Nutzerverhalten ändert sich definitiv hin zum Smartphone, Filialen werden unwirtschaftlich und bringen immer weniger Mehrwert für die Kunden.

Wirtschaftsforum: Ihre Vision 2020 für N26?

Maximilian Tayenthal: N26 wird einen signifikanten Anteil der jungen Bevölkerung in ganz Europa als Kunden haben und die Benchmark im Mobile Banking sein. Wir werden nicht nur die finanziellen Aspekte des Lebens unserer Kunden einfacher in nur einer App zugänglich machen, sondern auch darüber hinaus.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Finanzen

Investitionen, die die Zukunft gestalten

Interview mit Dr. Christian Koch, Head BB Biotech @ Bellevue Asset Management AG

Investitionen, die die Zukunft gestalten

Die Biotechnologiebranche zählt zu den innovationsstärksten und dynamischsten Sektoren der globalen Wirtschaft. Getrieben von wissenschaftlichem Fortschritt, dem wachsenden Bedarf an neuen Therapien und Medikamenten sowie gesellschaftlichen Megatrends wie dem demografischen…

Garantie mit System

Interview mit Rainer Doerr, Geschäftsführer der mobile GARANTIE Deutschland GmbH

Garantie mit System

Steigende Reparaturkosten, neue Antriebstechnologien und wachsende Dokumentationspflichten verändern den Fahrzeugmarkt – und damit auch die Anforderungen an Garantielösungen. Händler und Flottenbetreiber brauchen Angebote, die verständlich sind, schnell greifen und wirtschaftlich…

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Interview mit Axel Rebien, CEO der Serrala Group GmbH

Wenn Rechnungen sich selbst ­bezahlen

Während CFOs noch vor wenigen Jahren mühsam Excel-Tabellen für Liquiditätsplanung füllten, übernehmen heute KI-Agenten die Arbeit. Sie arbeiten autonom, in Echtzeit und, anders als jeder Mensch, fehlerfrei. Das Hamburger Unternehmen…

Spannendes aus der Region

Einfacher arbeiten. Besser entscheiden. Wie KI den Mittelstand stärkt.

Interview mit Alexander Kintzi, CRO der Scopevisio AG

Einfacher arbeiten. Besser entscheiden. Wie KI den Mittelstand stärkt.

Die Anforderungen an den Mittelstand wachsen und genau darin liegt die Chance: Wer die richtigen Werkzeuge wie KI einsetzt, verwandelt Fachkräftemangel, regulatorische Anforderungen und steigende Prozesskomplexität in einen echten Wettbewerbsvorteil.…

Kontinuität als Erfolgsfaktor im modernen Direktvertrieb

Interview mit Elke Kopp, Geschäftsführerin der Mary Kay Cosmetics GmbH

Kontinuität als Erfolgsfaktor im modernen Direktvertrieb

Direktvertrieb, Frauenförderung und starke Marken: Mary Kay Cosmetics steht weltweit für hochwertige Kosmetik und unternehmerische Chancen für Frauen. Im Gespräch erklärt Geschäftsführerin Elke Kopp, verantwortlich für die Märkte Deutschland, Schweiz…

„Die Zeitarbeit muss ihr Schattendasein hinter sich lassen!“

Interview mit Dr. Eckart Gaude, CEO der ZAG Zeitarbeits-Gesellschaft GmbH

„Die Zeitarbeit muss ihr Schattendasein hinter sich lassen!“

Seit 1984 tritt ZAG als schlagkräftiges Zeitarbeitsunternehmen im Markt auf – und setzt dabei auf einen dezidiert menschlichen Ansatz. Im Interview mit Wirtschaftsforum sprach CEO Dr. Eckart Gaude darüber, wie…

Das könnte Sie auch interessieren

Eine Pfanne namens Olav

Interview mit Christina Neworal, Co-Gründerin von Olav

Eine Pfanne namens Olav

Das Angebot an Bratpfannen ist immens – und doch wollen Christina Neworal und Till von Buttlar eine bedeutsame Marktlücke ausgemacht haben. Eineinhalb Jahre hat das Team in die Entwicklung einer…

„Menschen, die viel arbeiten, sind Leistungssportler unserer Gesellschaft“

Interview mit Marcell Jansen, Gründer und Geschäftsführer der MJ Beteiligungs GmbH

„Menschen, die viel arbeiten, sind Leistungssportler unserer Gesellschaft“

Im Sommer 2015 überraschte diese Nachricht – Marcell Jansen beendet seine Fußballerkarriere mit nur 29 Jahren. Drei Jahre später kann er auf viele neue erfolgreiche Projekte zurückblicken. Mit seinem Unternehmen…

In Deutschland gibt es bisher selten eine zweite Chance, wenn man als Unternehmer scheitert

Interview mit Frank Thelen, Unternehmer, Gründer, Skateboarder und Autor

In Deutschland gibt es bisher selten eine zweite Chance, wenn man als Unternehmer scheitert

Wenn jemand mit 42 Jahren bereits eine Autobiographie vorlegt, dann kann das Ausdruck eines ereignisreichen Lebens oder schlichtweg eines gesunden Selbstbewusstseins sein. Im Fall von Frank Thelen trifft beides zu.…

TOP