Energie neu denken: Wie Kölns Uni­klinik Effizienz und Zukunft sichert

Interview mit Prof. Dr. Peter Heinen, Geschäftsführer der medfacilities Energie GmbH und Dipl.-Ing. Bernd Oerder, Bereichsleiter Energie- und Produktmanagement der Uniklinik Köln

Wirtschaftsforum: Herr Prof. Dr. Heinen, welche Schritte waren prägend in der Entwicklung der medfacilities Energie GmbH?

Peter Heinen: Ganz klar der Übergang zur Anstalt öffentlichen Rechts im Jahr 2000. Vorher waren wir eine Landesoberbehörde ohne ökonomische Verantwortung. Mit der neuen Struktur mussten wir erstmals unternehmerisch handeln – das hat unsere gesamte Denkweise verändert und die Grundlage für spätere Innovationen geschaffen. Mit der neuen Vorstandsstruktur konnten wir uns komplett neu aufstellen. Unter ­Dr. Blattmann entstanden mehrere Tochtergesellschaften – darunter 2009 die medfacilities Energie. Das war für uns der Startpunkt, Energieeffizienz mit eigenen Lösungen strategisch zu denken.

Wirtschaftsforum: Herr Oerder, welche Rolle spielt Energieeffizienz heute für Sie?

Bernd Oerder: Sie ist unser Kerngeschäft. Wir erzielen unsere Leistung nicht über Umsatzsteigerung, sondern über Einsparungen für die Uniklinik. Die Blockheizkraftwerke waren dafür ein großer Hebel: Seit 2010 haben wir insgesamt 15 bis 20 Millionen EUR eingespart – durch günstigeren Eigenstrom, KWK‑Förderung und frühere EEG‑Umlagebefreiungen.

Wirtschaftsforum: Ein Hauptthema für das Unternehmen ist Geothermie.

Peter Heinen: Wir arbeiten hier an einem der größten Projekte oberflächennaher Geothermie in Deutschland. Es ist technisch extrem anspruchsvoll, weil wir die Systeme in eine bestehende, hochkomplexe Infrastruktur inte­grieren müssen.

Bernd Oerder: Externe Vorbilder gibt es kaum. Wir entwickeln vieles selbst – gemeinsam mit Geologen, Planern und Spezialisten. Aber wir sind überzeugt, dass Geothermie ein zentraler Baustein der künftigen Energieversorgung wird.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr aktuelles Energie‑Portfolio aus?

Bernd Oerder: Wir arbeiten an einem durchgehenden Einsparprojekt – von BHKW über kleinere Intracting‑Maßnahmen bis hin zur Dekarbonisierung. Zudem sind wir seit Jahren nach ISO 50001 zertifiziert und müssen kontinuierlich Verbesserungen nachweisen. Das gelingt uns sehr gut.

Wirtschaftsforum: Ist Ihr Modell auch auf andere Branchen übertragbar?

Bernd Oerder: Grundsätzlich ja. Wir haben unser Energieversorger‑Modell auch in anderen Kliniken implementiert. Allerdings sind frühere Vorteile wie die EEG‑Umlagebefreiung heute geringer. Zudem haben wir auf dem Campus der Uniklinik selbst mehr als genug Projekte.

Wirtschaftsforum: Herr Prof. Dr. Heinen, wie sehen Sie Ihre Rolle heute?

Peter Heinen: Ich übergebe bald die Leitung der ursprünglichen Muttergesellschaft und konzen­triere mich weiter auf die Energiegesellschaft – gemeinsam mit Herrn Oerder. Energie ist mein Steckenpferd, und die kommenden Jahre werden hochspannend.

Wirtschaftsforum: Wie arbeiten Sie beide im Alltag zusammen?

Peter Heinen: Wir sind ein Tandem – nicht immer ist klar, wer vorne sitzt.

Bernd Oerder: Unsere Projekte laufen über viele Jahre. Wir planen heute schon bis 2030. Da braucht es Erfahrung und eingespielte Zusammenarbeit.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf KI im Energiemanagement?

Peter Heinen: Sie wird zuerst im Gebäudebetrieb und Ticketing große Wirkung entfalten. Wir sitzen auf Daten, nutzen sie aber noch nicht umfassend.

Bernd Oerder: Versorgungssicherheit steht im Krankenhaus über allem. Deshalb gehen wir hier bewusst vorsichtig vor.

Wirtschaftsforum: Wie wirkt sich der Klimawandel auf Ihre Arbeit aus?

Peter Heinen: Früher galt: Komfortkühlung ist tabu. Heute wissen wir, dass hitzeanfällige Patientenräume ohne wirksame Kühlung gefährlich sind. Wir müssen künftig mit leistungsfähiger Bauteilkühlung arbeiten. Das verändert den Energiebedarf massiv.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre Vision für die nächsten Jahre?

Bernd Oerder: Die Uniklinik weiter zu dekarbonisieren und Infrastruktur so vorzubereiten, dass Effizienz, Sicherheit und Kosten in Balance bleiben. Das ist ein Generationenprojekt.

Peter Heinen: Unser gemeinsames Ziel bleibt klar – wir wollen die Energieversorgung resilient und zukunftsfähig machen.

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