Schritt für Schritt weg vom Fossilen
Interview mit Martin Popp, Geschäftsführer der ViGo Bioenergy GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Popp, Sie sind CEO der ViGo Group. Wofür steht ViGo Bioenergy heute, und wie ist das Unternehmen am Markt positioniert?
Martin Popp: Wir konzentrieren uns derzeit auf Biomethan beziehungsweise Bio-LNG als nachhaltigen Kraftstoff für den Schwerlastverkehr. Dabei sind wir weit mehr als ein Tankstellenbetreiber. Wir decken die gesamte Wertschöpfungskette ab: Wir produzieren Biomethan, handeln den Kraftstoff, organisieren seine europaweite Logistik und stellen ihn über unser Tankstellennetz bereit. Unser Ziel ist es, den Schwerlastverkehr Schritt für Schritt von fossilen Kraftstoffen zu lösen und unseren Kunden wirtschaftlich tragfähige Alternativen anzubieten. Deshalb spreche ich lieber von Defossilisierung als von Dekarbonisierung.
Wirtschaftsforum: Die heutige ViGo Bioenergy GmbH ist aus Liquid 24/7 hervorgegangen. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Martin Popp: Gestartet sind wir 2015 mit der Idee, LNG-Infrastruktur für die Binnenschifffahrt aufzubauen. Schnell verlagerte sich der Schwerpunkt auf den Straßengüterverkehr, weil dort die Nachfrage stark anstieg. Bis 2021 wurden wir deutscher Marktführer. Mit der Übernahme durch Vitol begann die Internationalisierung. Heute beschäftigen wir rund 120 Mitarbeiter, betreiben 62 Tankstellen in Europa und bauen derzeit die vierte eigene Biogasanlage. So wurde aus dem Start-up eine europaweit aufgestellte Plattform.
Wirtschaftsforum: Die Gaspreiskrise hat viele Unternehmen verunsichert. Sie haben dennoch konsequent an Biomethan festgehalten?
Martin Popp: Das war sicher die größte Herausforderung unserer Unternehmensgeschichte. Mit der Energiekrise geriet der gesamte LNG-Markt unter Druck, viele Kunden verloren das Vertrauen. Für uns war das aber kein Grund, den eingeschlagenen Weg zu verlassen. Im Gegenteil: Wir haben den Wechsel von fossilem LNG zu Biomethan beschleunigt, weiter in Tankstellen und eigene Produktionskapazitäten investiert und damit die Grundlage geschaffen, uns vom fossilen Weltmarkt zu lösen. Während vielerorts Investitionen zurückgestellt wurden, haben wir unsere Infrastruktur konsequent weiter ausgebaut, und genau diese Entscheidung zahlt sich heute aus. Heute profitieren unsere Kunden von stabilen Preisen, einer sicheren Versorgung und klaren regulatorischen Rahmenbedingungen. Rückblickend hat uns gerade diese schwierige Phase stärker gemacht.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet ViGo heute von anderen Anbietern?
Martin Popp: Unser größter Vorteil ist die integrierte Wertschöpfungskette von eigener Produktion, Handel, Logistik und Tankstellenbetrieb. Dabei unterstützt uns KI unter anderem bei Bedarfsprognosen, Tourenplanung und Logistiksteuerung. Auch Dokumentations- und Verwaltungsprozesse laufen zunehmend automatisiert, und unsere Kunden erhalten digitale Nachhaltigkeitsnachweise für ihre ESG-Berichterstattung. Ergänzend bieten wir technische Services und individuelle Versorgungslösungen wie Hoftankstellen. So verbinden wir Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit in einem integrierten Ansatz.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie in den kommenden Jahren?
Martin Popp: Wir wollen unsere Marktposition in Europa weiter ausbauen und unsere Produktionskapazitäten für Biomethan kontinuierlich erweitern. Gleichzeitig bleiben wir technologieoffen. Entscheidend ist für uns nicht, einen einzelnen Energieträger in den Mittelpunkt zu stellen, sondern praktikable und wirtschaftliche Lösungen für die Defossilisierung des Schwerlastverkehrs anzubieten. Dabei sollten wir nicht auf die eine perfekte Technologie warten, sondern bereits heute die Lösungen nutzen, die wirtschaftlich verfügbar sind und sofort Wirkung entfalten. Die Defossilisierung des Schwerlastverkehrs gelingt aus unserer Sicht nur mit Pragmatismus, Technologieoffenheit und dem Mut, Dinge umzusetzen.










