„Unternehmertum braucht Freiraum!"
Interview mit Florian Reinhardt, Geschäftsführer der Norva24 Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Reinhardt, Norva24 ist in Deutschland noch ein vergleichsweise junges Unternehmen. Wie ist die Gruppe entstanden und welches Potenzial sehen Sie hier im Markt?
Florian Reinhardt: Norva24 Deutschland ist Teil einer skandinavischen Gruppe, die seit 2017 konsequent durch Zukäufe gewachsen ist – von Norwegen über Schweden und Dänemark bis nach Deutschland. Hier beschäftigt die Gruppe heute rund 700 Mitarbeitende und erwirtschaftet etwa 110 Millionen EUR Umsatz. Im deutschen Markt steckt für uns noch deutlich mehr Potenzial, weil der Bedarf bei Sanierung, Wartung und Dokumentation unterirdischer Infrastruktur enorm ist. Für uns ist das ein Markt mit langfristiger Perspektive, Wachstumsspielraum und einer konstant hohen Nachfrage. Genau darin liegt für uns eine sehr belastbare Zukunftsperspektive.
Wirtschaftsforum: Ihr Geschäft beginnt dort, wo andere meist gar nicht hinschauen: im Untergrund. Was genau leisten Sie dort?
Florian Reinhardt: Wir reinigen und sanieren Leitungen in Gebäuden und Hauptkanälen, vermessen und kartieren unterirdische Infrastruktur und kümmern uns um die fachgerechte Entsorgung von Fettabscheidern aus Gastronomie und Handel. Viele sehen nur das verstopfte Rohr. Tatsächlich ist das oft nur der erste Hinweis auf größere Schäden. Wenn wir mit der Kamera erkennen, dass ein Rohr gebrochen ist, beginnt die eigentliche Aufgabe. Mit Linern bringen wir ein neues Rohr in das alte, eine Lösung, die im Idealfall wieder viele Jahrzehnte hält.
Wirtschaftsforum: Wer sind Ihre Kunden?
Florian Reinhardt: Das reicht von Privatkunden über Hotels, Wohnungsunternehmen, Brauereien und Molkereien bis hin zu Kommunen und der Bundeswehr. Der Bedarf ist riesig, denn Deutschlands Infrastruktur ist in vielen Bereichen in die Jahre gekommen: Leitungen aus den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren, dazu Hauptkanäle, die teils seit mehr als 100 Jahren im Boden liegen. Da ist der Sanierungs- und Wartungsstau enorm. Das sorgt für einen dauerhaft hohen Bedarf an verlässlichen und schnellen Lösungen.
Wirtschaftsforum: Woran entscheidet sich Ihr weiteres Wachstum?
Florian Reinhardt: Nicht an den Aufträgen, sondern vor allem an den Menschen, die diesen Job machen wollen. Genau deshalb sind Mitarbeitendengewinnung, -bindung und Sichtbarkeit als Arbeitgeber für uns entscheidend.
Parallel treiben wir die Digitalisierung weiter voran, damit Kunden schneller und transparenter ein Angebot für notwendige Sanierungen erhalten. Gerade die intelligente Auswertung von Kameradaten wird dabei Prozesse zusätzlich beschleunigen und unsere Abläufe noch effizienter machen.
Wirtschaftsforum: Auch Nachhaltigkeit spielt in Ihrem Geschäft eine wichtige Rolle.
Florian Reinhardt: Absolut. Jede gelungene Sanierung verlängert die Lebensdauer bestehender Infrastruktur erheblich und vermeidet aufwendige Neuverlegungen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Fahrzeugflotten schrittweise zu elektrifizieren. In Skandinavien sieht man schon heute, wohin die Entwicklung geht: Wer künftig in Innenstädten arbeiten will, muss emissionsärmer unterwegs sein. Nachhaltigkeit ist für uns daher ein sehr konkreter Teil unseres täglichen Handelns.
Wirtschaftsforum: Was fasziniert Sie persönlich an dieser Branche?
Florian Reinhardt: Die Menschen. Das sind Unternehmer und Teams, die direkt, pragmatisch und anpackend sind. Dahinter steckt kein theoretisches Folienwissen, sondern harte Arbeit, Leidenschaft und der Wille, Probleme wirklich zu lösen. Genau dafür wünsche ich mir in Deutschland wesentlich mehr Anerkennung und vor allem weniger Bürokratie. Unternehmertum braucht Freiraum, Tempo und Vertrauen, nicht ständig neue Regeln und zusätzliche Hürden.









