Mit starken Partnern Zukunftsprojekte entwickeln

Interview mit Bernd Gemmel, Geschäftsführer der WDM Deutenberg GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Gemmel, WDM Deutenberg gilt als einer der führenden Hersteller von individuellen Drahtgitterlösungen in Europa. Worauf liegt der Fokus in Ihrem Tagesgeschäft? 

Bernd Gemmel: Unser grundsätzlicher Herstellungsprozess besteht in der Fertigung punktgeschweißter Gitter, also einer an sich simplen Verbindung einzelner Drahtabschnitte. Als Rohstoff setzen wir dazu Edelstahldraht oder Eisendraht ein – entweder in blanker Form oder korrosionsgeschützt mittels Verzinkung oder Zinkaluminiumbeschichtung. So entstehen bei uns jedes Jahr aus circa 22.000 t Stahldraht etwa 10 Millionen Gitter. 

Wirtschaftsforum: WDM Deutenberg vermarktet dabei kein eigenes Produkt, sondern entwickelt seine Lösungen dezidiert kundenspezifisch. 

Bernd Gemmel: Darin liegt wahrscheinlich unsere wichtigste Erfolgsgrundlage. Wir können auf eine umfassende Lieferkette im Aufbau unserer Drahtstrukturen setzen und dabei projektbezogen wie wiederkehrend partnerschaftlich und auf Augenhöhe mit unseren Kunden zusammenarbeiten. In diesem Zuge sind auch unsere Maschinen universell für verschiedenste Anforderungen im Hinblick auf die Gittergeometrien mit unterschiedlicher Drahtlänge, Drahtdurchmesser und Gitterform in zwei- und dreimensionaler Ausführung ausgelegt. Mit unserer Marke DEBION® schaffen wir eine weitere Plattform für individuelle Lösungen, die Standardisierung und kundenspezifische Anpassung effektiv miteinander verbindet. 

Wirtschaftsforum: Das dürfte mit erheblichem Aufwand verbunden sein – und zugleich ein wichtiger Vorteil im internationalen Wettbewerb. 

Bernd Gemmel: Wir sind überzeugt: Nur mit starken Partnern kann man Projekte der Zukunft gemeinsam entwickeln. Andere Marktteilnehmer, die ähnliche Produktionsverfahren wie wir einsetzen und sich in vergleichbaren Branchen bewegen, fertigen größtenteils standardisierte Katalogartikel für den Verkauf ab Lager – das ist ein anderes Geschäftsmodell als unseres. Das bedeutet aber ebenso, dass wir unsere Wettbewerbsvorteile durch unser Engineering, unsere Innovationskraft mit klarem Verständnis für die Anwendung und selbstverständlich auch durch eine kostenoptimierte Fertigung erzielen müssen. Darauf setzen wir – und können so an unseren drei Standorten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen mit 275 Mitarbeitern weiterhin erfolgreich fertigen und auch in weiter entfernten Exportmärkten wie Südeuropa und im UK stark auftreten. Über unsere Kunden kommen unsere Produkte natürlich weltweit zum Einsatz. 

Wirtschaftsforum: Welche Branchen stehen bei WDM Deutenberg im Fokus? 

Bernd Gemmel: Ein wichtiges Anwendungsfeld mit weiterhin starkem Wachstumspotenzial liegt in der Gabionentechnik: Im Kern ist die Gabione ja ein Drahtkorb, den WDM Deutenberg als einzelne Matten liefert; diese werden dann auf der Baustelle entsprechend montiert. So entstehen Wandstrukturen in Form einer räumlichen Abgrenzung, wie sie etwa klassisch im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt werden. Beim Infrastrukturausbau zu Straße und Schiene finden sie auch vielfach als Lärm- und Sichtschutz Anwendung, im süddeutschen Raum mitunter auch zur Hangabsicherung oder als wichtiger Bestandteil von Hochwasserschutzmaßnahmen entlang neuer Trassen. Zudem spielt hier das Thema Nachhaltigkeit natürlich eine immer wichtigere Rolle: Durch den Einsatz von Gabionen, die sich leicht mit Naturprodukten wie Steinen befüllen lassen, kann der Einsatz von klimaschädlichem Beton deutlich reduziert werden. Noch dazu sind Gabionen wasserdurchlässig und können so auch als kleiner Mikrokosmos für Flora und Fauna dienen. Für die Zukunft sehen wir in diesem Anwendungsfeld noch viele weitere spannende Innovationsmöglichkeiten, etwa im Hinblick auf ‘grüne Städte’, wo bepflanzbare Gitterstrukturen als nachhaltige Fassadenelemente auch einen sinnvollen Beitrag zu einem positiven Klimatisierungs­effekt leisten können. 

Wirtschaftsforum: Wo engagiert sich WDM Deutenberg jenseits der Gabionen? 

Bernd Gemmel: Viele unserer Lösungen werden auch als Tierhaltungssysteme eingesetzt, insbesondere im Geflügelbereich, wo die Ansprüche an artgerechte Haltungsformen immer weiter zunehmen. Dieses weltweite Wachstumspotenzial nutzen wir schon heute sehr konsequent. Darüber hinaus sind unsere Produkte stark in der Lagerlogistik vertreten, vornehmlich in Form von Gitterböden für Hochregallager. Durch den E-Commerce-Boom der letzten Jahre konnte sich somit auch WDM Deutenberg spannende Wachstumsfelder erschließen. Gleiches gilt für die Installationstechnik, wo unsere Lösungen als Gitterrinnen für die Kabelführung eingesetzt werden – in Rechenzentren, Solarparks und in der Industrie. Entsprechende Produkte vertreiben wir an den Großhandel, über den sie dann die Elektriker vor Ort erreichen, oder als Gesamtlösungen direkt an die Betreiber der jeweiligen Einrichtungen. Darüber hinaus fertigen wir Drahtkörbe, wie sie etwa im Caravaning-Bereich als Schubladen eingesetzt werden, sowie Grillrostsysteme, die in der Lebensmittelindustrie, aber auch in Klimakammern bei der Arzneimittelherstellung Anwendung finden – all dies stets im Rahmen einer gemeinsamen Entwicklung mit unseren Kunden. 

Wirtschaftsforum: Worin liegen angesichts dieses breiten Spek­trums an unterschiedlichen Branchen und Lösungen die zentralen Herausforderungen für WDM Deutenberg? 

Bernd Gemmel: Wir müssen die verschiedenen Endanwendungen unserer Kunden im Detail verstehen, um sie mit unseren Produkten wirklich zielgerichtet unterstützen zu können: Dieses Know-how können wir nur durch unsere engagierten Fachkräfte gewährleisten. Gleichzeitig sind wir für eine effiziente Fertigung auf eine nachhaltige Optimierung der Auftragsfolge bei der Herstellung unserer bisweilen weitgehend unterschiedlichen Produkte angewiesen, um so etwa unsere Rüstkosten und -zeiten konsequent zu minimieren. Hier setzen wir inzwischen auch KI-gestützte Lösungen ein. Anders könnten wir unsere Wettbewerbsfähigkeit aufgrund des hohen manuellen Anteils in unserer Wertschöpfung nicht dauerhaft sicherstellen. 

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie derweil auf die aktuelle Marktlage? 

Bernd Gemmel: Wir haben den großen Vorteil, dass unsere Produkte in vielfältigen Anwendungsfeldern mit starkem Wachstums­potenzial zum Einsatz kommen – dementsprechend möchten auch wir in den nächsten Jahren weiteres Wachstum generieren, wozu wir bereits unseren Maschinenpark entsprechend anpassen. Gleichzeitig sind die Zeiten kurzlebiger geworden, sodass wir oftmals eine hohe Auftragslast mit sehr engen Terminen abwickeln müssen: Dazu setzen wir auf flexible Fertigungsstrukturen, in deren Zuge wir im Zweifel auch sieben Tage pro Woche im Dreischichtbetrieb produzieren können. Bei volatiler Auftragsentwicklung – wie etwa aktuell durch die geopolitischen Gegebenheiten hervorgerufen – können wir unsere Produktionszeiten gleichzeitig entsprechend justieren. Auch hier bleiben wir natürlich auf unsere erfahrene und flexible Belegschaft angewiesen, die ihre Arbeit nicht als lästiges Übel, sondern als Teil ihrer persönlichen Erfüllung betrachtet – eine Haltung, die ich mir so auch wieder stärker in der Breite der Gesellschaft wünschen würde.

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