Kreislauf statt Wegwerfprodukt
Interview mit Dr. Thomas Kloubert, Geschäftsführer der Verpackungstechnik Frielinghaus GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Kloubert, was zeichnet Frielinghaus besonders aus?
Dr. Thomas Kloubert: Unser Geschäft ruht auf drei Säulen. Erstens Nachhaltigkeit: Wir fertigen viele Produkte mit Rezyklatanteilen, je nach Kundenwunsch bis zu 100%. Zweitens Sicherheit und Rückverfolgbarkeit. Unser Qualitäts- und Hygienemanagement nach dem BRCGS Global Standard for Packaging Materials gilt inzwischen im gesamten Unternehmen. Drittens entwickeln wir überwiegend kundenspezifische Lösungen. Rund 85% unserer Produktionswerkzeuge sind im Rahmen gemeinsam mit Kunden realisierter Projekte entstanden.
Wirtschaftsforum: Welche Kunden und Losgrößen passen zu Ihnen?
Dr. Thomas Kloubert: Wir sind mit 70 Mitarbeitenden selbst Mittelständler und arbeiten vor allem für mittelständische Kunden. Unser Feld liegt zwischen kleinen Serien und den extremen Volumina der Großanbieter. Mengen von einer oder zwei Millionen Stück können wir wirtschaftlich und flexibel fertigen. Unsere 29 Blasmaschinen werden etwa 50-mal im Monat umgerüstet. Darin liegt unsere Stärke.
Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen seit dem Eigentümerwechsel entwickelt?
Dr. Thomas Kloubert: Ende 2020 ging das zuvor familiengeführte Unternehmen an die MIB Industriebeteiligungen GmbH & Co. KG in Wuppertal. Seitdem haben wir Führung, Prozesse und Infrastruktur weiterentwickelt. Nach rund 8,5 Millionen EUR Umsatz im Jahr 2022 liegen wir heute bei etwa 11 Millionen EUR. 2025 war ein Rekordjahr. Noch wichtiger als das Umsatzwachstum sind uns bessere Ergebnisse und mehr Resilienz.
Wirtschaftsforum: Wie schaffen Sie diese Resilienz?
Dr. Thomas Kloubert: Statt uns stark auf Spotmärkte zu verlassen, schließen wir längerfristige Rohstoff- und Energieverträge. Bei Materialien arbeiten wir mit ausgewählten Partnern und Indexmodellen. Zudem haben wir die zentralen Kälte- und Druckluftanlagen erneuert, einen Ersatztransformator angeschafft und neue Blasmaschinen gekauft. So begrenzen wir Ausfallrisiken und sichern unsere Lieferfähigkeit.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Unternehmenskultur?
Dr. Thomas Kloubert: Eine entscheidende. Aus einer auf die Eigentümerfamilie zugeschnittenen Struktur ist eine managementgeführte Organisation mit breiterem Führungskreis entstanden. Entscheidungen werden heute auf mehrere Schultern verteilt und kurzfristig getroffen. Lean Management ist bei uns kein abstraktes Programm. Wir lösen konkrete Probleme und verbessern uns Schritt für Schritt.
Wirtschaftsforum: Wie setzen Sie Verbesserungen im Alltag konkret um?
Dr. Thomas Kloubert: Wir arbeiten mit einem sehr pragmatischen Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung. Jeden Tag besprechen wir, was in den vergangenen 24 Stunden passiert ist, welche Probleme aufgetreten sind und wo Handlungsbedarf besteht. Zusätzlich laufen zahlreiche kleine Verbesserungsprojekte, die meist innerhalb von sechs bis acht Wochen umgesetzt werden können. Unser Ziel ist nicht die perfekte Lösung auf Anhieb, sondern viele konsequent umgesetzte Verbesserungen in kleinen Schritten. Dadurch konnten wir beispielsweise die Leistung einzelner Anlagen deutlich steigern. Wenn man jeden Tag ein wenig besser wird, entstehen daraus über die Jahre große Fortschritte.
Wirtschaftsforum: Wie nehmen Sie die Belegschaft dabei mit?
Dr. Thomas Kloubert: Durch Beteiligung und verständliche Kommunikation. Kennzahlen werden direkt an den Maschinen sichtbar gemacht und erklärt. Zudem schulen wir monatlich alle Beschäftigten. Teams arbeiten an überschaubaren Verbesserungsprojekten. Neue Mitarbeitende stellen wir grundsätzlich unbefristet ein. Auf Zeitarbeit und befristete Verträge verzichten wir. Außerdem beteiligen wir die Belegschaft am Unternehmenserfolg.
Wirtschaftsforum: Warum setzen Sie in der Qualitätskontrolle weiterhin auf Menschen?
Dr. Thomas Kloubert: Bei häufigen Produktwechseln und kleineren Losgrößen wäre eine vollständige Automatisierung sehr aufwendig. Vor allem gehört der menschliche Blick zu unserer Qualitätspolitik. Die Kontrolle durch Mitarbeitende wird durch unsere Qualitätssicherung ergänzt. Fehler und interne Sperrungen werten wir täglich aus. Das hat zu rückläufigen Reklamationen geführt.
Wirtschaftsforum: Wie nachhaltig kann eine Kunststoffflasche sein?
Dr. Thomas Kloubert: Rund 20% unseres Materialeinsatzes entfallen heute auf Rezyklate, und diesen Anteil wollen wir steigern. Wir verwenden ausschließlich Monomaterialien, keine
Materialverbunde oder eingelagerten Fremdmaterialien. Damit bleiben die Verpackungen vollständig recyclingfähig. Gemeinsam mit unseren Kunden wählen wir Material, Rezyklatanteil, Farbe und Preis so aus, dass eine praktikable Kreislauflösung entsteht. Kunststoff ist leicht und bruchsicher. Entscheidend ist, dass er im Kreislauf bleibt.
Wirtschaftsforum: Wo liegen Ihre Märkte und wie soll das Wachstum weitergehen?
Dr. Thomas Kloubert: Unser Kernmarkt umfasst Deutschland, die Benelux-Länder und Teile Frankreichs. Bei leeren Hohlkörpern begrenzen die Transportkosten den wirtschaftlichen Radius auf etwa 500 bis 600 km um unser Werk. Wir verkaufen direkt und arbeiten mit Packstoffsystemanbietern mit europäischen Vertriebsnetzen zusammen. Für die kommenden Jahre planen wir weitere Investitionen. In vier bis fünf Jahren könnte der Standort seine Kapazitätsgrenze erreichen. Dann müssen wir den nächsten Wachstumsschritt bestimmen.












