Ziele ansteuern, die andere meiden

Interview mit Joachim Kemmler, Geschäftsführer der Vako Logistik GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kemmler, Vako ist ein Speditionsunternehmen, das sich auf PKW-Transporte von A nach B konzentriert. Ist das so richtig?

Joachim Kemmler: Im Prinzip ja. Wir arbeiten im High Class-Segment und bieten Komplettpakete inklusive Verschiffung, Exportabfertigung et cetera. Ganz entscheidend ist, dass wir uns auf spezielle Märkte fokussieren: konkret sind das die Türkei, der Irak, die Kaukasusregion und Zypern. Damit arbeiten wir in Marktnischen – ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Wir haben es hier häufig mit Abholmärkten zu tun, das heißt, die Fracht wird vom Empfänger bezahlt, wodurch das Risiko des Frachtausfalls höher ist.

Wirtschaftsforum: Wie kam es zu diesen speziellen Logistikdestinationen?

Joachim Kemmler: Vako Logistik ist ein relativ junges Unternehmen, das erst 2014 gegründet wurde. Damit verbunden war die Idee, Verkehre in die Türkei des Generalimporteurs für die Marken BMW Mini, Land Rover und Jaguar neu zu ordnen. Ich selber bin sehr lange in der Branche aktiv und damals selbst auf den mir aus vergangenen Zeiten bekannten Generalimporteur zugegangen. Mit diesem Vertrag haben wir damals das große Los gezogen. Das war die Initialzündung für das Unternehmen; gleichzeitig stellt der Vertrag eine sehr gute Grundauslastung sicher.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich Vako seit dieser Zeit entwickelt?

Joachim Kemmler: Insgesamt sehr positiv. Hier am Standort Sonnenbühl sind drei Mitarbeiter tätig; der Umsatz liegt zwischen 10 und 15 Millionen EUR. Unsere Auftragslage hängt immer direkt von den Märkten ab, in die wir transportieren – und das sind Regionen, in denen es realistischerweise zu Unstimmigkeiten kommen kann. Glücklicherweise hatten wir bislang noch keine ernsthaften Probleme. Generell ist es so, dass wir kombiniert fahren. Das heißt, wir laden die Pkw an vorgegebenen Stellen in Europa, bringen sie nach Slowenien oder Italien und verschiffen sie mit speziellen Fähren in Richtung Türkei. Von dort werden die Fahrzeuge dann an die Enddestinationen verteilt. Die Autos werden zum Teil ohne Festverträge transportiert, zum Teil liegen Verkäufe vor. Die Anzahl der Pkw, die transportiert werden, muss auch verkauft werden. Da wir in einem sehr hohen Preissegment unterwegs sind, ist diese Anzahl natürlich begrenzt. Die Preise kann sich einfach nicht jeder leisten, auch das wirkt sich auf unsere Entwicklung aus.

Wirtschaftsforum: Wie lässt sich die Zielgruppe definieren?

Joachim Kemmler: Wir arbeiten für Spediteure und neuerdings auch im Direktauftrag für OEMs. Seit Juli bedienen wir Relationen in Nordirak und auf Zypern; dieser erste Direktauftrag von einem OEM ist für uns ein sehr positives Signal. Die Transporte können ideal mit Transporten in die Türkei verbunden werden. Bei Bedarf transportieren wir auch einzelne Fahrzeuge; da kommen wir unseren Kunden entgegen.

Wirtschaftsforum: Diese Kundenorientierung dürfte ein Erfolgsfaktor sein. Was beeinflusst Ihrer Meinung nach die positive Entwicklung von Vako?

Joachim Kemmler: Das sind ohne Zweifel die kombinierten Verkehre, die langfristigen Verträge und unsere überdurchschnittliche Flexibilität. Wie bereits erwähnt, würden wir auch einen einzelnen Pkw von Nordrhein-Westfalen in die Türkei bringen. In spätestens zehn Tagen wäre er in Istanbul. Komplettladungen gehen schneller, hier liegt die Transportdauer bei sechs bis acht Tagen. Wir bieten auch Transporte auf der Straße an, allerdings sind diese immer teurer. Nicht zuletzt arbeiten wir mit sehr guten, zuverlässigen Unternehmen zusammen, bei denen dank hochmodernen Equipments das Risiko gering ist, dass es zu Schäden kommt. Sicherheit wird hier großgeschrieben. Es gibt zwei Checkstellen, an denen Fahrzeuge auf Schäden kontrolliert werden.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind ein Kenner der Branche. Wie würden Sie diese charakterisieren? Gibt es bestimmte Trends und wo soll es für Vako künftig hingehen?

Joachim Kemmler: Ich sehe in Europa den Trend zu größeren Spediteuren. Kleinere Spediteure mit eigenem Fuhrpark bleiben etwas auf der Strecke. Unser Vorteil ist, dass wir nur vermitteln, keinen eigenen Fuhrpark haben und damit eine relativ geringe Kostenstruktur. Zudem sind wir in Nischenmärkten aktiv und fahren dorthin, wo wenig andere hinfahren. Der Nahe und Mittlere Osten sind für uns als kleine Spedition sehr interessant, für größere Speditionen weniger. Umgekehrt sind wir in Europa als kleine Spedition nicht wettbewerbsfähig. Eine Vision wäre heute, dass die Welt sich mit dem Iran einigt. Gleiches gilt für den Irak und Syrien; politisch Hochrisikoländer mit großem wirtschaftlichem Potenzial. Klar ist, dass wir unserer Kernkompetenz, dem Transport von Fahrzeugen, treu bleiben, gleichzeitig aber offen für neue Märkte, Länder und Kunden sind. Zudem können wir uns vorstellen, ins Drittgeschäft einzusteigen, das heißt, Transporte im Auftrag anderer Kunden, Direktkunden und Spediteure, durchzuführen.

Wirtschaftsforum: Gibt es für Sie persönlich etwas, das sie motiviert, auch nach 45 Jahren in der Branche engagiert weiterzumachen?

Joachim Kemmler: Die Freude an der Arbeit. Ich bin stolz und glücklich, das machen zu können, was ich gerne mache. 15.000 Autos mit relativ wenig Schäden transportiert zu haben, spornt an.

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