„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“
Interview mit Alina Nauen, Geschäftsführerin der torq.partners Finance GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Nauen, torq.partners ist getrieben von dem Ziel, seinen Kunden deren unternehmerische Handlungsfähigkeit zu sichern – an welchen Stellen setzen Sie dabei im Tagesgeschäft genau an?
Alina Nauen: Im Kern sind wir eine Finance-as-a-Service-Beratungsfirma und helfen in diesem Zuge Start-ups sowie kleineren und mittelständischen Unternehmen konsequent beim Aufbau und der Professionalisierung ihrer Finanzabteilung. Das Wort Beratung sollte man dabei also nicht missverstehen: Wir bauen keine Slides, sondern loggen uns in die ERP-Systeme unserer Kunden ein, tauschen uns mit ihren Steuerberatern aus, integrieren Tools und stellen je nach Projektumfang vom Juniorbuchhalter bis zur CFO integrale Bestandteile der Teams, damit die Kunden saubere Daten erhalten, ihre Compliance sichergestellt wird und sie bereit für die nächste Finanzierungsrunde sind.
Wirtschaftsforum: Worin unterscheiden sich dabei die Anforderungen eines Start-ups von denen eines etablierten mittelständischen Unternehmens?
Alina Nauen: Dabei handelt es sich in der Tat um unterschiedliche Use Cases. Start-up-Gründer machen sich oft nicht so viele Gedanken über einschlägige Buchhaltungsthemen – und das sollen sie auch gar nicht, denn ihr Know-how ist in ihrer konkreten Wertschöpfung schließlich viel sinnvoller eingesetzt. Trotzdem benötigt ihr potenzieller Investor in der nächsten Finanzierungsrunde spätestens in der Due-Diligence-Phase belastbare Finanzdaten: Hier können wir mit einem schlagkräftigen Team unterstützen und das Start-up fundraising-ready machen. Bei mittelständischen Unternehmen werden wir derweil oftmals hinzugezogen, wenn sich ein Private Equity-Investor beteiligen will, wodurch sich die Anforderungen an die Qualität der Finanzkennzahlen und eine gut zugeschnittene Kostenstellenlogik verschieben.
Wirtschaftsforum: Welche typischen Hürden bestehen aus Ihrer Erfahrung bei der Erschließung neuer Finanzierungsquellen?
Alina Nauen: Wir haben im Rahmen der Due Diligence schon mit vielen Venture Capital-Firmen zusammengearbeitet, für die wir die Performance von Start-ups im Detail analysiert haben. Typische Problemstellungen sind beispielsweise das Key Person Risk – also wenn entscheidende Prozesse von einer einzigen Schlüsselperson abhängen. Auch manuelle Schattenprozesse können mit erheblichen negativen Konsequenzen einhergehen, etwa wenn bestimmte Unternehmensteile zu ihrer Arbeit nicht mehr die konkreten Buchhaltungsdaten heranziehen, sondern mit selbstgebauten Excel-Tabellen arbeiten, deren Financial Models aber wichtige betriebliche Zusammenhänge wie Abschreibungen oder Aktivierungen ignorieren. Diese Informationen sind dann nicht selten trügerisch – und spätestens wenn beim Abgleich zwischen den Buchhaltungsdaten und dem Reporting an die Investoren Diskrepanzen auftreten, kann im Zweifel die gesamte Finanzierungsrunde gefährdet sein. Auch an dieser Stelle ist dann nicht selten unsere Expertise gefragt – genauso wie wenn interne Change-Prozesse unvermeidbar werden, die mit einem hohen Kommunikationsaufwand einhergehen.
Wirtschaftsforum: Welche Veränderungen hält die KI für Ihr Tätigkeits- und Geschäftsfeld bereit?
Alina Nauen: Zwar haben in Deutschland schon viele Unternehmen das Thema KI auf dem Schirm – doch der Mut, Prozesse wirklich zu automatisieren, lässt meiner Erfahrung nach noch auf sich warten, im Mittelstand bisweilen mehr als bei den digitalaffineren Start-ups. In Deutschland wird Finance vornehmlich aus einer Compliance-First-Brille und sehr prüfungsgetrieben gedacht, mit einem stärkeren Fokus auf Kontrolle statt auf Skalierbarkeit – anders als etwa in den USA, wo eine ganz andere Dynamik herrscht, die mit der enormen Entwicklungsgeschwindigkeit der KI besser zurechtkommt. Dabei liegen die Automatisierungsimpulse auf der Hand: nämlich bei den repetitiven und transaktionsbasierten Prozessen, die in strukturierten Workflows abgebildet werden, etwa beim Rechnungsein- und -ausgang oder bei der Spesenabrechnung. Am Ende kann dann das Wissen der Finance-Abteilung viel zielgerichteter eingesetzt werden, etwa für konkrete inhaltliche und Review-Tätigkeiten. Niemand hat schließlich Spaß daran, Banken abzustimmen, wenn die KI das schon besser und schneller kann.
Wirtschaftsforum: Wie unterstützt torq.partners bei diesem Wandel?
Alina Nauen: Wir sondieren gemeinsam mit unserem Kunden, welches digitale System für seine konkrete Umgebung das richtige ist: Liegt der höchste Nutzengewinn eher in einer Optimierung des Rechnungseingangsprozesses samt ordentlicher Vorkontierung oder vielmehr in der Etablierung einer sinnvollen Forecasting-Logik für sein High Volume-Geschäft? Dank unserer gewachsenen Expertise können wir für jeden Use Case eine zielgerichtete Implementierung erarbeiten – und bilden uns angesichts der rasanten Entwicklungen im KI-Umfeld natürlich auch selbst konsequent weiter. Dazu haben wir eine eigene Automation Task Force gegründet, in deren Zuge wir vielfältige interne Academy-Sessions durchlaufen – genauso wie wir unsere Mitarbeiter ermutigen, eigene Practice-Konzepte zu erarbeiten: branchenbasiert, beispielsweise für E-Commerce-Unternehmen, oder im Hinblick auf gewisse Tools, etwa zum Thema FP&A. Damit sind wir für die Zukunft bestens gerüstet – und möchten vor dem Hintergrund des rasanten technologischen und wirtschaftlichen Wandels auch unseren Kunden ihre unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern.








