Drei Standorte, eine Vision: Moderne Medizin mit System

Interview mit Florian Köhn, Geschäftsführer der Policum Berlin MVZ GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Köhn, Policum Berlin hat sich in den vergangenen zwei Jahren stark verändert. Wie würden Sie die wichtigsten Entwicklungen zusammenfassen?

Florian Köhn: Wir betreiben heute drei Standorte mit 16 Fachrichtungen und rund 180.000 Behandlungsfällen pro Jahr. Dabei konnten wir die Versorgungsleistung deutlich erhöhen. Auch die Anzahl der Mitarbeitenden konnten wir steigern und vor allem die Fluktuation deutlich reduzieren. Seit ich im April 2024 als Geschäftsführer begonnen habe, haben wir die Struktur neu aufgestellt und 2025 auf dieser neuen Basis systematisch weiterentwickelt.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie diesen Prozess beschreiben?

Florian Köhn: Wir haben das kleine Einmaleins guter Führung konsequent eingeführt – von der persönlichen Geburtstags- oder

handgeschriebenen Jubiläumskarte bis zum strukturierten Jahresgespräch mit jedem einzelnen Arzt. Diese Gespräche führe ich selbst; das sind in Summe über 60 ausführliche Gespräche, die sich aber spürbar auszahlen. Besonders beeindruckt, aber auch überrascht hat mich, dass einige unserer Ärztinnen und Ärzte berichteten, in ihrer 30 jährigen Laufbahn noch nie ein solches Gespräch geführt zu haben. Das zeigt sehr deutlich, an welcher Stelle wir bewusst einen Unterschied machen. Transparenz, faktenbasierte Entscheidungen und echte Wertschätzung für unsere Mitarbeiter sind bei uns keine Schlagworte, sondern prägen den beruflichen Alltag.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Zielen gehen Sie ins Jahr 2026, und wie spiegelt sich das im Leistungsangebot wider?

Florian Köhn: Für 2026 planen wir starkes Umsatzwachstum, welches deutlich über dem Marktwachstum liegt. Das ist daher ambitioniert, aber realistisch. Wir haben eine sehr hohe interne Transparenz auf Arzt- und Praxis­ebene aufgebaut, die wir mit unserer detaillierten Jahresplanung abgleichen. ­ Der größte Hebel liegt aber in effizienteren Prozessen: Unsere Haus- und Facharzttermine sind sehr stark nachgefragt, jede zusätzlich gewonnene Stunde erhöht unmittelbar unsere Versorgungskapazität. Effizienz ist für uns deshalb nicht nur eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, sondern vor allem die Möglichkeit, mehr Patienten gezielt und zeitnah mit höchster medizinischer Qualität zu behandeln.

Wirtschaftsforum: Digitalisierung und KI spielen dabei eine zentrale Rolle. Was planen Sie konkret?

Florian Köhn: Wir orientieren uns an drei klaren Trends: der Ambulantisierung des Gesundheitssystems, einem Primärarztsystem als koordinierende Instanz und konsequent genutzten digitalen Lösungen inklusive KI. Konkret setzen wir 2026 mehrere Bausteine um: ein telemedizinisches Angebot für Neupatienten, Self-Check-in-Terminals und KI-gestützte Transkription von Arzt-Patienten-Gesprächen. Letzteres entlastet die Ärztinnen und Ärzte spürbar, weil sie sich vollständig auf den Patienten konzentrieren können, während die Dokumentation im Hintergrund automatisiert erfolgt. Zudem fasst ein dialogfähiger Telefonassistent 10-minütige Patientengespräche in drei bis fünf präzise Sätze zusammen, die unserem Team eine schnelle und fundierte Weiterbearbeitung ermöglichen. Vielfach kann der Telefonassistent das Anliegen des Patienten aber auch bereits im Dialog lösen und es braucht keine Nachbearbeitung durch das Praxispersonal mehr.

Wirtschaftsforum: Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren – und wo sehen Sie Policum Berlin in drei bis fünf Jahren?

Florian Köhn: Grundlage unseres Erfolgs ist eine verlässlich hohe medizinische Qualität, kombiniert mit Vertrauen und Kontinuität in den Behandlungsteams. Patienten möchten beim nächsten Besuch möglichst dieselben Ansprechpartner erleben und dies digital und vor Ort – das klingt selbstverständlich, ist in der Praxis aber anspruchsvoll. Es ist uns gelungen, in den vergangenen zwei Jahren genau diese Stabilität in den Teams deutlich zu verbessern. Unsere Vision für die kommenden Jahre ist klar: Die Ärzte sollen auf höchstem fachlichem Niveau arbeiten können, während wir die Prozesse rundherum so digital, schlank und reibungslos wie möglich gestalten. Dabei sind wir auf einem sehr guten Weg.

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