Factoring geht nicht ohne Vertrauen

Interview mit Adelheid Wolf, Geschäftsführerin der adesion Factoring GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Wolf, die Mission von adesion Factoring liegt in der systematischen Entlastung seiner Kunden – welche Leistungen stehen dabei im Zen­trum Ihrer Tätigkeit?

Adelheid Wolf: Wir sind ein mittelständisches Unternehmen aus dem Herzen der Daimlerstadt Schorndorf. Dabei zeichnet uns aus, dass wir über ein ausgeprägtes Verständnis aller Belange unserer Kunden verfügen – wir möchten ihre Unternehmen also nicht nur finanzieren, sondern ihnen mit dem Tool Factoring auch eine Unterstützung bieten, um sich konsequent weiterzuentwickeln und zu wachsen. Auch für mich persönlich ist Factoring weit mehr als eine berufliche Herausforderung, sondern vielmehr eine Leidenschaft, um Unternehmen einen nachhaltigen Erfolg zu ermöglichen. Diese Haltung treibt auch meine Geschäftspartnerin Jeannette Schulz und unser ganzes Team an.

Wirtschaftsforum: Welche Branchen und Kundensegmente stehen dabei im Fokus Ihrer Aufmerksamkeit?

Adelheid Wolf: Wir bedienen vornehmlich Unternehmen mit einer Umsatzgröße von circa 500.000 EUR bis 40 Millionen EUR pro Jahr aus verschiedensten Industriezweigen, mit Ausnahme des Baugewerbes, das sich aufgrund möglicher Kürzungen und Nachträge weniger für eine Finanzierung über Factoring eignet. Insgesamt kaufen wir circa 130.000 Rechnungen pro Jahr an – und legen trotz dieser Schlagzahl großen Wert auf eine persönliche, individuelle Betreuung.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden im Detail aus?

Adelheid Wolf: Zunächst prüfen wir die jeweilige Branche, das Unternehmen und seine Debitoren sehr genau und sondieren dabei etwa, ob die gegenständlichen Forderungen rechtlich überhaupt an uns abgetreten werden können. In diesem Zuge suchen wir den engen persönlichen Austausch mit dem Inhaber oder der anderweitigen Führungsebene des entsprechenden Unternehmens, um zu erkennen, ob eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe für beide Seiten angenehm wäre. Dabei können wir schon erkennen, ob das Geschäftsmodell gut zu uns passt, beziehungsweise ob unser Factoring-Konzept eine sinnvolle Ergänzung des Finanzierungsportfolios unseres Kunden darstellt: Er hat beispielsweise kürzlich einen neuen Debitor mit einem Zahlungsziel von 90 Tagen erworben. Für die meisten kleineren und mittelständischen Unternehmen ist diese Zeitspanne schlicht zu lang. Auch dafür können wir eine passgenaue Lösung anbieten.

Wirtschaftsforum: Wie tiefgreifend muss das Branchenwissen Ihres Teams ausfallen, damit Sie sich ein verlässliches Bild Ihrer Kunden verschaffen können – und bleibt der persönliche Austausch auch in Zeiten der KI ähnlich relevant?

Adelheid Wolf: Natürlich kann ich bei einem Stahlbauunternehmen nicht die Qualität des produzierten Stahls bewerten – wir können aber erkennen, ob es Schlechtleistungen gibt und dann den Ursachen auf den Grund gehen. Genauso nehmen wir etwa den Maschinenpark unter die Lupe: Wenn die Anlagen überaltert wirken, sprechen wir das im Dialog mit der Geschäftsführung an – wir wollen die Vorgehensweisen oder Prozesse im Unternehmen verstehen und nachvollziehen können. Die Digitalisierung unterstützt uns heute an vielen Stellen – etwa mit einem übersichtlichen Portal, wo unser Kunde sämtliche Zahlungsdaten einsehen und taggenaue Abrechnungen erhalten kann, während der Upload der Rechnungen ebenfalls voll automatisiert erfolgt. Unser gewachsenes Bauchgefühl wird die KI bei der Frage, mit wem wir zusammenarbeiten möchten, aber selbst perspektivisch nicht ersetzen können.

Wirtschaftsforum: Weshalb?

Adelheid Wolf: Das liegt schon im Kern unseres Geschäftsmodells begründet: Im Prinzip kaufen wir Forderungen an, die auf Briefpapier in bestimmten Summenhöhen ausgewiesen sind. Wenn die Lieferungen und Leistungen einmal erbracht sind, der Debitor aber zahlungsunfähig wird, können wir uns gegen dieses Risiko versichern. Aber wenn die Forderung, die an uns abgetreten wurde, überhaupt nicht rechtmäßig bestand, tragen wir den Schaden weitgehend allein: Das Veritätsproblem ist also das größte Risiko, dem wir als Unternehmen ausgesetzt sind. Wenn bei jeder der über 100.000 Rechnungen, die wir pro Jahr erwerben, die begründete Frage im Raum stünde, ob diese überhaupt werthaltig ist, könnten wir unsere Leistungen nicht mehr sinnvoll erbringen. Das wechselseitige Vertrauen zwischen uns und unseren Kunden ist deshalb unverzichtbar für adesion Factoring – und das kann nur durch den engen persönlichen Kontakt entstehen.

Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie auf die aktuelle Marktlage?

Adelheid Wolf: Wir wünschen uns für 2026 sicherlich alle Wirtschaftswachstum, auch wenn ich selbst es leider noch nicht erkennen kann. Umso wichtiger ist es, dass die Unternehmen vo­rausschauend agieren – und nicht erst bei uns anfragen, wenn sie sich bereits in einer schwierigen Lage befinden.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Finanzen

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Interview mit Alina Nauen, Geschäftsführerin der torq.partners Finance GmbH

„Wir wollen unternehmerische Handlungsfähigkeit sichern!“

Sowohl Start-ups als auch mittelständische Unternehmen benötigen bei der Erschließung neuer Kapitalquellen, etwa durch Venture Capital-Investoren, oftmals Unterstützung bei der Professionalisierung ihrer Finance-Strukturen: An dieser Stelle kann torq.partners auf jahrelange…

„Wir wollen mit dem Kunden  verdienen, nicht an ihm!“

Interview mit Jörg Wiechmann, Vorstandsvorsitzender der TOP Vermögensverwaltung AG

„Wir wollen mit dem Kunden verdienen, nicht an ihm!“

Seit über 30 Jahren steht die TOP Vermögensverwaltung mit ihren drei Aktien- und Anleihefonds für ein nachhaltiges, aktives Asset Management. Ziel: den Anlegern insbesondere in Krisenzeiten ein sicheres Gefühl geben.…

Holländischer Pragmatismus, deutsches Vertrauen

Interview mit Oliver Thierolf, Geschäftsleiter der NIBC Bank N.V.

Holländischer Pragmatismus, deutsches Vertrauen

Wer eine Bank sucht, die keinen Unterschied macht zwischen Neu- und Bestandskunden, landet schnell bei einer unerwarteten Adresse. Die NIBC Bank, eine niederländische Direktbank mit Niederlassung in Frankfurt am Main,…

Spannendes aus der Region Rems-Murr-Kreis

Auf zu neuen Synergien

Interview mit Carlo Buck, Geschäftsführer der United Machining Germany GmbH

Auf zu neuen Synergien

In Schorndorf, rund 30 km östlich von Stuttgart, befindet sich der Sitz eines Unternehmens, das Tradition, Innovationskraft und partnerschaftliches Denken erfolgreich miteinander verbindet: die United Machining Germany GmbH. Seit über…

Schwere Lasten, große Ambitionen

Interview mit Florian Guttenberger, Geschäftsführer der YOKE GmbH & Co. KG

Schwere Lasten, große Ambitionen

Die Produkte sind oft unscheinbar, ihre Bedeutung jedoch groß. Wenn tonnenschwere Lasten bewegt oder Menschen in der Höhe gesichert werden müssen, kommt spezialisierte Technik zum Einsatz. Florian Guttenberger treibt bei…

Bereit für die Transformation

Interview mit Tim Kohnle, Geschäftsführer der KUHN IT GmbH

Bereit für die Transformation

Die Digitalisierung von Kanzleien ist in vollem Gange; sichere EDV- und Cloud-Lösungen sind von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit, Effizienz und Mandantensicherheit. Durch den Wandel zum Homeoffice und die Notwendigkeit…

Das könnte Sie auch interessieren

Smart verkaufen im internationalen Onlinehandel

Interview mit Anton Hermann, CMO & Gründer der SPACEGOATS GmbH

Smart verkaufen im internationalen Onlinehandel

Mit Bambuszahnbürsten begann für Anton Hermann eine unternehmerische Reise, die zur Gründung der SPACEGOATS GmbH in Filderstadt führte. Was als Produkttest auf Amazon begann, entwickelte sich schnell zu der Erkenntnis:…

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Interview mit M.Sc. Jonas Plenge, Geschäftsführer der Plenge & Plenge GmbH & Co. KG

„Die Familienstruktur gibt uns klare Entscheidungswege“

Die Plenge & Plenge GmbH & Co. KG steht für innovative Industriearchitektur und integrative Planung. Das Petershagener Büro verbindet Architektur und Ingenieurleistung, setzt auf digitale Tools und realisiert nachhaltige, effiziente…

Wo Qualität sich im Ernstfall zeigt

Interview mit Hendrik Arlt, Geschäftsführer der ARLT Wach-, Schließ- und Schutzdienst GmbH

Wo Qualität sich im Ernstfall zeigt

In der Sicherheitsbranche zeigt sich Qualität oft erst dann, wenn es darauf ankommt. Solange nichts passiert, bleibt gute Arbeit meist unsichtbar; im Ernstfall jedoch zählen Verlässlichkeit, eingespielte Abläufe und ein…

TOP