Frauengesundheit neu denken

Interview mit Christian Vierkant, Geschäftsführer der Theramex Germany GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Vierkant, Theramex wird oft als junges Unternehmen beschrieben – zugleich reicht die Geschichte der Marke weit zurück. Wie passt das zusammen?

Christian Vierkant: Theramex existiert in seiner heutigen Form seit rund acht Jahren als eigenständiges Unternehmen. Die Marke selbst ist jedoch deutlich älter und hat als Teil größerer Pharmakonzerne verschiedene Stationen durchlaufen. Seit 2018 sind wir wieder unabhängig. Unser Headquarter befindet sich in London, wo zentrale Funktionen wie Business Development angesiedelt sind. In Deutschland haben wir mit der Theramex Germany GmbH eine eigenständige Gesellschaft mit Sitz in Berlin. Darüber hinaus sind wir mit eigenen Niederlassungen unter anderem in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien vertreten, zudem auch in Australien und Brasilien.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt der deutsche Markt innerhalb der Gruppe?

Christian Vierkant: Deutschland ist für uns strategisch extrem relevant – sowohl wegen seiner Marktgröße als auch wegen der hohen regulatorischen Anforderungen. Produkte, die sich hier erfolgreich etablieren, haben in der Regel auch in anderen Märkten gute Chancen. Gleichzeitig ist Deutschland in der Frauengesundheit in einigen Bereichen noch zurückhaltend, etwa bei innovativen Osteoporose‑ oder Menopausentherapien. Das bietet großes Entwicklungspotenzial.

Wirtschaftsforum: Theramex fokussiert sich vollständig auf Frauengesundheit. Warum diese klare Positionierung?

Christian Vierkant: Viele große Pharmaunternehmen bedienen Frauengesundheit nur als Nebensegment. Wir haben uns bewusst entschieden, uns zu 100% diesem Bereich zu widmen. Menopause, Kontrazeption, Endometriose, Myome, Fertilität und Osteoporose sind Kernfelder mit hohem medizinischem Bedarf – und gleichzeitig mit großem Wachstumspotenzial.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie aktuell die größten Versorgungsdefizite?

Christian Vierkant: Zum Beispiel in der Menopause oder bei schwerer Osteoporose. Viele wirksame Therapien werden noch immer zu selten eingesetzt. Das liegt weniger an fehlenden Medikamenten als an mangelndem Bewusstsein. Menopause wurde lange als etwas betrachtet, das man ‘aushalten’ muss. Heute wissen wir, dass gezielte Therapien nicht nur Symptome lindern, sondern langfristig auch vor Folgeerkrankungen schützen können. Hier sehen wir uns auch in einer edukativen Rolle – gemeinsam mit Fachgesellschaften und Ärzten.

Wirtschaftsforum: Wie unterscheidet sich Ihr Innovationsansatz von dem großer Pharmakonzerne?

Christian Vierkant: Wir kommen stärker vom Bedarf her. Wir screenen Märkte und identifizieren Therapien, die medizinisch sinnvoll sind und zu unserem Fokus passen. Unsere kleine Größe erlaubt schnelle Entscheidungen – ein klarer Vorteil in einem regulierten, aber dynamischen Umfeld.

Wirtschaftsforum: Die vergangenen Jahre waren von Krisen geprägt. Wie hat sich das auf Theramex ausgewirkt?

Christian Vierkant: Gerade während der Pandemie war der Aufbau von Beziehungen schwierig, weil wir noch kein etabliertes Netzwerk hatten. Gleichzeitig hat uns diese Phase gezwungen, effizienter und kreativer zu werden. Rückblickend waren viele Herausforderungen auch Chancen für nachhaltiges Wachstum.

Wirtschaftsforum: Mit welchen Maßnahmen erreichen Sie Ihre Zielgruppen heute?

Christian Vierkant: Für uns steht die digitale Kommunikation im Vordergrund. Digitale Tools helfen uns, Ärzte gezielter und bedarfsgerechter anzusprechen, etwa über hybride Fortbildungsformate oder unterstützende digitale Informationsangebote. KI nutzen wir vor allem für Marktanalysen und Recherchen. Die persönliche Beziehung bleibt jedoch weiterhin zentral.

Wirtschaftsforum: Wachstum scheint bei Theramex ein zentrales Thema zu sein. Wo stehen Sie heute?

Christian Vierkant: In Deutschland wachsen wir seit mehreren Jahren im hohen zweistelligen Prozentbereich und haben unseren Umsatz innerhalb von fünf Jahren mehr als versechsfacht. Gleichzeitig investieren wir bewusst in Reputation und Vertrauen – beides ist im Pharmamarkt entscheidend.

Wirtschaftsforum: Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?

Christian Vierkant: Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum. Bei uns kann jeder sichtbar etwas bewegen. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf gegenseitigen Respekt, Transparenz und Zusammenarbeit. Leistung ist wichtig, aber Erfolge werden gemeinsam getragen. Das schafft Identifikation – und ist gerade im Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte entscheidend.

Wirtschaftsforum: Und der Blick nach vorn: Was treibt Theramex in den kommenden Jahren?

Christian Vierkant: Der Markt für Frauengesundheit wächst stark, und wir sind noch lange nicht am Ende unseres Weges. Entscheidend ist für uns gesundes, nachhaltiges Wachstum – mit neuen Produkten, einem weiter wachsenden Team und dem klaren Anspruch, die Lebensqualität von Frauen messbar zu verbessern.

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