„Mit Omnichroma können wir Farbe aus Licht erzeugen!“

Interview mit Markus Leson, General Manager der Tokuyama Dental Deutschland GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Leson, Ihr Unternehmen verantwortet den Vertrieb des Produktportfolios des japanischen Tokuyama-Konzerns in Nordeuropa – welche Elemente stehen dabei im Zentrum Ihrer Aufmerksamkeit?

Markus Leson: Grundsätzlich engagiert sich Tokuyama mit einem sehr breiten Sortiment in der restaurativen Zahnheilkunde und bietet dabei verschiedene Komposite mit entsprechenden Adhäsivsystemen sowie Befestigungszemente an. Gleichzeitig sind jedoch nicht alle Produkte von Tokuyama im europäischen Markt erhältlich, da die komplexen Zulassungsverfahren auch immer mit entsprechenden Kosten verbunden sind, deren Investition sich auch wirtschaftlich als lohnenswert erweisen muss. Deshalb treten wir in Europa bisweilen als Nischenanbieter mit einem vergleichsweise überschaubaren Portfolio auf, dort jedoch stets mit einem sehr zielgenauen und erfolgreichen Engagement: So findet sich eine Vielzahl unserer Lösungen in den Top 5 oder Top 3 der jeweiligen Produktkategorien.

Wirtschaftsforum: Was unterscheidet die Lösungen von Tokuyama vom Angebot anderer Marktteilnehmer?

Markus Leson: Der generelle Aufbau von Kompositmaterialien besteht in Glasfüllkörpern, die üblicherweise in eine Harzmatrix eingebettet sind. Tokuyama züchtet diese Füllkörper jedoch mit einer patentierten Technologie (Sol-Gel-Methode) ähnlich wie Perlen in einer Lösung heran, sodass ihre Form und Größe stets kontrolliert werden können, was bei den allgemein üblichen Mahlverfahren nicht der Fall ist. Durch diese Füllkörperkontrolle lassen sich dann gewisse Eigenschaften erzielen, die sich auch positiv in der Ästhetik niederschlagen – hier werden in Zukunft sicherlich noch weitere Entwicklungsschritte möglich sein.

Wirtschaftsforum: Welcher konkrete Nutzen ergibt sich aus Ihrem Ansatz für den behandelnden Zahnarzt und die Patienten?

Markus Leson: Zahnfarbe ist nicht gleich Zahnfarbe: Manche Zähne sind heller, andere dunkler, manche weisen eher einen gräulichen Farbton auf, andere einen leicht gelblichen. Jeder Zahn ist einzigartig, was bei der Behandlung entsprechend berücksichtigt werden muss, damit ein ansprechendes ästhetisches Ergebnis entstehen kann. Mit unserem Produkt Omnichroma können wir trotz dieses sehr patientenindividuellen Anspruchs das komplette Anforderungsportfolio mit einer einzigen Universal-Zahnfarbe abbilden, das sich aber für den gesamten Zahnfarb-raum eignet – denn durch die runden sphärischen Füllkörper, die wir mit unserer patentierten Technologie (Smart Chromatic Technology) herstellen, können wir Farbe aus Licht erzeugen und müssen dem Produkt deshalb keine künstlichen Farbpigmente zusetzen. Das spart dem Behandelnden wertvolle Zeit, weil man vor der eigentlichen Behandlung keine Zahnfarbenbestimmung durchführen muss, sowie Materialkosten, da man mit unserer Lösung auf die Bevorratung von Sonderfarben verzichten kann, deren Haltbarkeit im Zweifel überschritten wird, bevor sie bei einem Patienten zur Anwendung kommen können. Auch die Politur geht im Anschluss meist schneller von der Hand.

Wirtschaftsforum: Eine Lösung, die den wachsenden ästhetischen Ansprüchen der Patientenschaft Rechnung tragen soll?

Markus Leson: Wir sehen in diesem Kontext eine sehr deutliche Entwicklung: So kann man mit den physikalischen Eigenschaften von Amalgam weiterhin durchaus zufrieden sein, doch ein silbergräulicher Fleck im Mund entspricht eben nicht mehr dem ästhetischen Empfinden der meisten Menschen. Nicht zuletzt aus diesem Grund entscheiden sich viele für eine Kunststofflösung, die sich weitgehend unsichtbar in das bestehende Zahnumfeld eingliedert. Gleichzeitig sind die umfassenden Möglichkeiten der Zahnheilkunde durch das Internet auch der gesamten Breite der Bevölkerung bekannt: So erleben wir heute im Allgemeinen sehr gut informierte Patienten, die mit klaren Wünschen an ihre Zahnärzte herantreten und bisweilen von ihnen dezidiert den Einsatz bestimmter Materialien verlangen, weil sie sich von ihnen das beste funktionale und ästhetische Ergebnis versprechen.

Wirtschaftsforum: Welche Folgen ergeben sich daraus für Ihr Unternehmen – und welche Positionierung strebt Tokuyama langfristig im europäischen Markt an?

Markus Leson: Nach der Auflösung eines Joint Ventures mit einem italienischen Hersteller treten wir seit April 2023 als 100%ige Tochter der japanischen Tokuyama Corporation auf, was auch intern mit einigen Umstrukturierungsmaßnahmen einherging, etwa der Schaffung neuer Lagerkapazitäten. Aus dieser starken Position heraus möchten wir das Produktspektrum von Tokuyama in Deutschland und Europa nun noch bekannter machen und in den nächsten Jahren entsprechend wachsen, um die Zahnärzte perspektivisch in ihrem gesamten Workflow zielgerichtet unterstützen zu können. Dazu werden wir unsere vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren Exklusivdepots in den jeweiligen Märkten konsequent fortsetzen – dass unsere kürzeste Partnerschaft seit mittlerweile zehn Jahren besteht, verdeutlich dabei unseren langfristigen Ansatz.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Gesundheit, Medizin & Pharma

Dermatologische Expertise

Interview mit Christophe Steger, Geschäftsführer der Laboratoires Noreva GmbH

Dermatologische Expertise

Empfindliche Haut, Akne oder Rosazea – dermatologische Hautprobleme betreffen viele Menschen und verlangen nach wirksamen Lösungen. Die Laboratoires Noreva GmbH mit Sitz in Freiburg im Breisgau entwickelt medizinisch fundierte Dermokosmetik…

Zahntechnik heute: Qualität, Nähe und Verantwortung

Interview mit J.-Thilo Reinhardt, Selbstständiger Unternehmer des J.-Thilo Reinhardt Dental Labor Obermeister der Zahntechnikerinnung Baden

Zahntechnik heute: Qualität, Nähe und Verantwortung

Die Zahntechnik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt: vom klassischen Handwerksberuf hin zu einem hochpräzisen, technologiegetriebenen Gesundheitsberuf. Wie sich dieser Wandel auf Betriebe, Berufsbild und Markt auswirkt, erläutert…

Speziallösungen aus dem Reinraum

Interview mit Tino Fiedler, Geschäftsführer der Kögel Filter GmbH - Contecma-Filtration

Speziallösungen aus dem Reinraum

Was in einer Privatwohnung begann, ist heute ein Hightechbetrieb mit internationaler Reichweite: Die Kögel Filter GmbH mit dem Markenauftritt Contecma Filtration ist ein Spezialist für individuelle Filtrationslösungen und Containment-Systeme in…

Spannendes aus der Region Kreis Steinfurt

Effiziente Energie aus der Grafschaft Bentheim

Interview mit Uwe Mennebäck, Director Sales und Markus Grevinga, Director Engineering sowie Daniel Schraad, Site Director der STEMMANN-TECHNIK GmbH

Effiziente Energie aus der Grafschaft Bentheim

In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Effizienz zu zentralen Erfolgsfaktoren für Industrie und Mobilität geworden sind, kommt innovativen Technologien eine Schlüsselrolle zu. Die STEMMANN-TECHNIK GmbH – ein Unternehmen des…

„Geschwindigkeit entscheidet – wir liefern, wenn andere noch diskutieren.“

Interview mit Süleyman Ceyran, Geschäftsführer der RACEPLAST GmbH

„Geschwindigkeit entscheidet – wir liefern, wenn andere noch diskutieren.“

Ein Kunststoffteil ist selten sichtbar – aber oft entscheidend. Die RACEPLAST GmbH entwickelt und fertigt technische Kunststoffkomponenten für industrielle Anwendungen, die im Hintergrund zuverlässig funktionieren müssen. Geschäftsführer Süleyman Ceyran hat…

Ganzheitliche Ansätze für moderne Infrastruktur

Interview mit Dipl.-Ing. Frank Baumgarten, Geschäftsführer der INGPLAN Ingenieurgesellschaft mbH

Ganzheitliche Ansätze für moderne Infrastruktur

Selbst Regionen, in denen es historisch reichlich Regen gab, leiden inzwischen aufgrund der Folgen des Klimawandels unter Dürre. In dieser kritischen Zeit übernimmt die INGPLAN Ingenieurgesellschaft mbH aus Coesfeld eine…

Das könnte Sie auch interessieren

Ein Modell mit Biss

Interview mit Hakan Gürer, Geschäftsführer der Dentaltrade GmbH

Ein Modell mit Biss

Bezahlbarer Zahnersatz, digitale Prozesse und ein Markt im Umbruch: Kaum eine Branche steht aktuell so stark unter Veränderungsdruck wie die Dentaltechnik. Die Dentaltrade GmbH mit Sitz in Bremen und internationaler…

Im Tausendstel zu Hause

Interview mit Tobias Wild, Geschäftsführer der WILD & KÜPFER AG

Im Tausendstel zu Hause

Hochpräzision im Tausendstel-Millimeter-Bereich, Reinräume für Medizintechnik und Pharma, selbstfahrende Transportfahrzeuge in der Produktion: Die Wild & Küpfer AG aus Schmerikon ist kein typischer Kunststoffverarbeiter. Das Schweizer Familienunternehmen hat sich konsequent…

„Wir sorgen für Versorgungssicherheit!“

Interview mit Helmut Krebber, Geschäftsführer und David Horchler, Prokurist der megro GmbH & Co. KG

„Wir sorgen für Versorgungssicherheit!“

Die richtigen Medizinprodukte zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität an den richtigen Ort liefern: So beschreiben Helmut Krebber und David Horchler die zentrale Mission der megro GmbH & Co.…

TOP